CHRISTIAN ZILLNER : EDITORIAL

Come on ...

vom 26.10.2022

"Geschichte der Völkerwanderung" heißt das 2021 in achter durchgesehener Auflage erschienene Werk des Historikers Mischa Meier. Es sei allen anempfohlen, die sich für die anstehende nächste Flüchtlingswelle innerlich wappnen wollen. "Wann hört das endlich auf?", ist man versucht zu fragen. Das haben sich die antiken Römer wohl auch gefragt. Meiers Buch macht einem klar: gar nicht.

Das germanoteutonische Idyll früherer Völkerwanderungsnarrative zerlegt Meier in seine Bestandteile und formt daraus eine Erzählung, die sich wie ein Begleitkommentar zur gegenwärtigen Weltentwicklung liest. Man lernt daraus mehr als aus den meisten politologischen Analysen der Gegenwart. Vor allem, dass es viel Geduld sowie eine neue Sicht auf die eigene Kultur und Geschichte braucht. Sonst zelebriert man The Fall and Decline of the Roman Empire nach.

Gute Geschichte macht einem wie jede gute Wissenschaft klar, dass Veränderung das Einzige ist, auf das man sich im Leben verlassen kann. An alten Kategorien festzuhalten ist, wie Wasser in löchrigen Kübeln auffangen zu wollen. Oder um es mit Augustinus zu sagen: "Wer weiß schon über die gentes im Römischen Reich, wer was einmal war, da sie alle Römer geworden sind und alle Römer genannt werden."

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