ENERGIEWENDE

Die österreichischen Hochschulen sparen Energie

JOHANNES MÖRTH
vom 26.10.2022

Schon durch ihren gesetzlichen Auftrag nehmen Österreichs Universitäten bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein -insbesondere die 2012 gegründete Allianz "Nachhaltige Universitäten in Österreich" mit ihren 19 Mitgliedern. Gegenwärtig verfügen zwölf Universitäten über eine Strategie für Klimaneutralität oder arbeiten gerade an einer solchen. Bis 2030 wollen beispielsweise die Universität für Bodenkultur (BOKU) und die TU Graz ihre CO2-Emissionen massiv reduzieren.

Es soll dazu bei den größten "Energiefressern" wie Strom, Wärme, Dienstreisen und IT-Geräte gespart werden. Neubauten sollen mit Wärmepumpen und Fotovoltaikanlagen ausgestattet werden, die Energieeffizienz bestehender Gebäude wird durch thermische Sanierung erhöht. Gemeinsam haben die BOKU und die TU Graz mit "ClimCalc" ein eigenes Bilanzierungstool entwickelt, das alle emissionsrelevanten universitären Bereiche umfasst. Damit sind sie in der Lage, eine Referenztreibhausgasbilanz zu erstellen, die als Ausgangspunkt für die Erreichung definierter CO2-Einsparungsziele dient.

Mittlerweile befindet sich Clim-Calc in der dritten Finanzierungsrunde und wird dahingehend adaptiert, dass es neben Hochschulen auch anderen öffentlichen Institutionen zur Verfügung gestellt werden kann. Energiesparen ist gerade jetzt ganz entscheidend geworden, um zum einen dem "European Green Deal" zu entsprechen, der eine Reduktion der CO2-Emmissionen in der EU um 55 Prozent von der Ausgangsbasis 1990 vorsieht, und um zum anderen auf die anhaltende Gaskrise zu reagieren. Sie macht es erforderlich, dass alle 27 EU-Mitgliedsstaaten und somit auch Österreich bis März 2023 im Vergleich zum Vorjahr 15 Prozent ihres Gasverbrauchs einsparen.

Das kann nur durch gemeinsame, gezielte Anstrengungen gelingen. Das BMBWF hat daher alle 75 Hochschulen in Österreich aufgerufen, entsprechende Energiesparpläne auszuarbeiten. Sie sollen neben mittel-und langfristigen Energiesparmaßnahmen auch kurzfristige technische Optimierungen wie die Einschränkung der Raumtemperatur auf bis zu 19 Grad enthalten.

Wie sie das durchführen, entscheiden wie beim Umgang mit der Coronapandemie die Universitäten im Rahmen ihrer verfassungsgesetzlich garantierten Autonomie selbst. Die Vorgabe des Bildungsund Wissenschaftsministeriums ist dabei lediglich, dass der Lehr-und Studienbetrieb weiterhin möglichst uneingeschränkt in Präsenz stattfinden soll.

Die Universitäten sind zudem aufgerufen, sich mit speziellen Stufenplänen auf den Ernstfall einer Gasmangellage oder eines Gaslieferausfalls in diesem Winter vorzubereiten. Dazu ist es notwendig, dass sie ihre (versorgungs-)kritischen Bereiche definieren, die für einen funktionierenden Universitätsbetrieb unerlässlich sind. Das betrifft etwa kritische Forschungsinfrastruktur wie Hochleistungsrechner, Kühleinrichtungen für biologische Substanzen oder museale Sammlungen.

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