ENERGIETECHNIK

My home is my Kraftwerk

Stromsparen im Haushalt ist das eine. Selbst Strom im Haus zu produzieren und damit etwas Geld zu verdienen, eine mögliche Perspektive

SOPHIE HANAK
vom 26.10.2022

Der sonnige Oktober hat uns noch eine warme Zeit gegönnt, doch jetzt nahen die Heizsaison und mit ihr hohe Energiekosten. Entweder beginnt man zu stricken oder sich zu überlegen, wie das Zuhause energiesparend und klimaschonend gestalten werden könnte. Soll man auf erneuerbare Energien umsteigen -und sind diese billiger?

"Der Einsatz von erneuerbaren Energien wirkt grundsätzlich preisdämpfend. Je mehr davon genutzt werden, desto geringer ist auch die Abhängigkeit von fossilen Grundstoffen und ihren starken Preisschwankungen", sagt Karina Knaus von der Österreichischen Energieagentur. "Das Problem ist, dass wir gerade in einer energieknappen Zeit leben, die zu einem Mangel an Ressourcen geführt hat. So ist es schwieriger, auf erneuerbare Energien umzusteigen, die Wartezeit etwa auf eine Fotovoltaikanlage ist länger als in der Vergangenheit." Vor dem Einbau eines neuen Energiesystems müssen die Gegebenheiten vor Ort genau geprüft werden. Beim Einfamilienhaus im ländlichen Gebiet lässt sich im Unterschied zum Mehrparteienhaus leichter entscheiden, wie das Energiesystem gestaltet sein soll. "Dabei ist wichtig, sich professionelle Beratung zu organisieren, am besten von einer unabhängigen, kostenlosen Energieberatung. So kann durchdiskutiert und berechnet werden, welches Energiesystem für das jeweilige Objekt rentabel ist", erklärt Knaus.

Eine Fotovoltaikanlage am Hausdach kann Strom erzeugen. "Überschüssiger Strom darf in das lokale Verteilernetz eingespeist und über einen Stromlieferanten, OeMAG oder im Rahmen einer Energiegemeinschaft vermarktet werden. Wie viel man dabei vergütet bekommt, hängt vom abgeschlossenen Vertrag ab und kann beispielsweise auf der Website der PVAustria nachgelesen werden."

"Es hat sich herausgestellt, dass Kund*innen mitmachen, wenn die Steuerung sehr einfach und automatisiert abläuft. Es muss leicht verständliche Tarife geben, der Komfort darf nicht eingeschränkt werden, es sollten Kosten gespart werden, und es muss immer eine Möglichkeit zum Ausstieg geben", erklärt Tara Esterl vom Austrian Institute of Technology. "Meine Vision ist es, dass Personen beim Hausbau, beim Kauf der Wärmepumpe oder eines Elektroautos die Steuerung automatisch so einstellen können, dass die Komponenten auf die flexiblen Tarife reagieren können. So kann der Verbrauch effizienter gemanagt werden und niemand wird durch die Steuerung im System eingeschränkt."

Um das Ziel der Dekarbonisierung zu erreichen, müssten alle mitmachen, meint Esterl. "Es reicht nicht, wenn die Industrie auf erneuerbare Energien umsteigt. Es müssen jetzt ausreichend erneuerbare Energien ausgebaut, Energie gespart, Häuser saniert und effiziente Wärmepumpen eingebaut werden. "Durch die Krise wurde wieder bewusst, wie wichtig Energie ist. Der Preisanstieg von Strom und Gas ist natürlich sehr problematisch, gibt aber auch einen Anreiz, etwas in Richtung erneuerbare Energien und neue Technologien zu tun."

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