FREIBRIEF

Studium her!

FLORIAN FREISTETTER
vom 26.10.2022

Alle wollen mehr Wissenschaftskommunikation. Es ist ja tatsächlich gut, wenn vor allem die Politik endlich erkennt, dass es für eine Gesellschaft vorteilhaft ist, wenn sie informiert ist und der Wissenschaft nicht feindlich gegenübersteht. Vor allem für eine Gesellschaft wie in Österreich, das zu den Ländern in Europa gehört in denen die Wissenschaftsskepsis am stärksten ausgeprägt ist.

Es reicht aber nicht, nur mehr Wissenschaftskommunikation zu wollen. Es müssen auch entsprechende Initiativen und Projekte gestartet und ausreichend viele Fördergelder investiert werden. Selbst das ist noch nicht genug. Denn jemand muss Wissenschaftskommunikation auch konkret machen.

Wer will, dass Wissenschaft professionell vermittelt wird, muss auch dafür sorgen, dass Menschen dafür vernünftig ausgebildet werden. Es reicht nicht, wenn das die Mitarbeiter*innen an den Forschungseinrichtungen "nebenbei" machen. Es reicht auch nicht, wenn die PR-Abteilungen der Universitäten aufgestockt werden. Theorie und Praxis der Wissenschaftskommunikation lernt man nicht in ein paar Fortbildungskursen. In Österreich besteht keine wirkliche Möglichkeit, ein Studium der Wissenschaftskommunikation zu absolvieren. Es gibt eine (!) Professur für dieses Fach an der Universität Graz ohne passenden Studiengang. Es werden, verteilt über verschiedene Forschungseinrichtungen, unterschiedliche Lehrveranstaltungen, Workshops und Kurse zum Thema angeboten. Aber keine einheitliche und umfassende Ausbildung auf universitärem Niveau.

Viele, die aktuell erfolgreich Wissen in die Bevölkerung bringen, haben so eine Ausbildung nicht. Daraus folgt aber nicht, dass es so etwas nicht braucht. Im Gegenteil: Wie gut wäre der Stand der Wissenschaftskommunikation in Österreich, wenn sie nicht von Menschen gemacht würde, die sich ihr Wissen autodidaktisch beigebracht oder zufällig Talent dafür haben?

Es ist gut und richtig, sich zu sorgen, wenn die Bevölkerung der Wissenschaft und ihren Erkenntnissen skeptisch oder gar feindlich gegenübersteht. Aber wenn man das nachhaltig ändern will, brauchen wir nicht nur mehr Wissenschaftskommunikation, sondern auch neue Strukturen, damit sie professionell durchgeführt werden kann.

MEHR VON FLORIAN FREISTETTER: HTTP://SCIENCEBLOGS. DE/ASTRODICTICUM-SIMPLEX

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