TECHNIKGESCHICHTE UND REGIONALFORSCHUNG

Torf -ein Bodenschatz, wenn er im Boden bleibt

Jahrhundertelang wurde er auch in Österreich abgebaut und damit treibhausgasspeichernder Moorboden vernichtet

SABINE EDITH BRAUN
vom 26.10.2022

Torf kennt man aus dem Bau-oder Supermarkt. Dort heißt er "Blumenerde". Sein Abbau für den Blumenerdeverkauf sorgt für CO2 in der Atmosphäre. Noch mehr, wenn man ihn verbrennt.

Entstanden ist er in Mooren, wo Schilf, Moose oder Gräser durch Sauerstoffmangel konserviert wurden. Moore gelten als Kohlenstoffsenken. Werden sie entwässert, um an den Torf zu gelangen, entweicht das CO2

"Torfstechen" wird seit über tausend Jahren praktiziert. Torf wurde seit dem 16. Jahrhundert dort genutzt, wo Holz und Kohle fehlte. Sein Brennwert liegt mit 9.500 bis 23.000 Kilojoule per Kilo eher im Mittelfeld.

Salzburg hat eine lange Tradition der Trockenlegung von Mooren, schreibt der Historiker Hubert Weitensfelder in den "Blättern für Technikgeschichte 77 (2015)" über Torfnutzung in der Habsburgermonarchie. Im 18. Jahrhundert wurde Torf gewerblich eingesetzt: bei Salinen, Eisenhämmern oder Glaserzeugung. Im 19. Jahrhundert zog Torf in die Chemielabore ein. "Bei der trockenen Destillation konnten das Leuchtöl Photogen, Teer und eine ammoniakähnliche Flüssigkeit gewonnen werden. Bei weiterer Raffination entstand ein photogenes Produkt, dann ein dickflüssiges Öl und schließlich unreines Paraffin", so der Historiker.

Als Brennmaterial blieb Torf ein ländliches Phänomen. Er wurde dort genutzt, wo er vorhanden war: im Umkreis von Mooren. Ende des 19. Jahrhunderts etablierte sich Torf als Lifestyle-Produkt in den Städten: als Fasergrundlage für Papier, Teppiche und Textilien. Um die Wende zum 20. Jahrhundert wurden Moorzeitschriften und Moorvereine gegründet, Händler veranstalteten Moorausstellungen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts ging das Interesse an Torf stark zurück, der Umweltaspekt rückte die Bedeutung der Moore in den Vordergrund. Von den Moorflächen vergangener Jahrhunderte seien heute nur noch zehn Prozent vorhanden, erklärt Weitensfelder.

Raphael Müller vom Institut für Geographie und Regionalforschung schätzt sie auf 21.000 bis 31.000 Hektar. Wenig wisse man über Standorte, die keine typische Moorvegetation mehr aufweisen, unterirdisch aber Torf lagern. "Flächenmäßig machen Moore zwar keinen Löwenanteil in Österreich aus, jedoch spielen sie eine enorme Rolle, wenn es um die Speicherung von Kohlenstoff im Boden geht", sagt Müller. Schätzungen gehen von mindestens dreißig Millionen Tonnen aus, das 1,3-Fache des jährlichen CO2-Ausstoßes Österreichs.

Abgebaut werde Torf in Österreich nur noch "sehr vereinzelt", an etwa zehn Standorten, so Müller. 100.000 Tonnen jährlich werden importiert, vor allem aus dem Baltikum und überwiegend für den Gartenbau. Manche torfhältige Produkte werben mit dem Siegel der "Renaturierung" der Moore.

Geht sich das aus? "Nein", meint Müller. Ein Moor wächst einen Millimeter pro Jahr -bis sich eine abtorfbare Torfschicht bildet, braucht es ein paar Tausend Jahre. Allerdings können wiedervernässte Moore landwirtschaftlich genutzt werden, etwa durch Schilfanbau. "Diese Produkte können geerntet werden, und gleichzeitig kann der im Boden lagernde Torf unter den nassen Bedingungen Kohlenstoff speichern", sagt Müller.

Das sei auch die wichtigste Eigenschaft von Torf, denn: "Die negativen Folgen für Klima und Natur stehen in keiner Relation zum energetischen Wert der Ressource."

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