PHYSIK

Womit der Rüsselkäfer nicht nur bei seinesgleichen Eindruck schindet

Eine unordentliche Diamantstruktur lässt die Brustpanzerschuppen von Rüsselkäfern blau erstrahlen

JOCHEN STADLER
vom 26.10.2022

"Kontrolliertes Chaos" lässt Brustpanzerschuppen von Rüsselkäfern aus allen Richtungen blau strahlen, berichtet der Salzburger Materialphysiker Bodo Wilts. Auf dem Hinterleib haben die Insekten hingegen hochgeordnete Oberflächenstrukturen, die abhängig vom Blickwinkel unterschiedlichste Rot-und Orangetöne erzeugen. Die Farben entstehen durch Spiegelung, Beugung und Brechung von Lichtstrahlen.

Zunächst hat Wilts herausgefunden, dass "Pavonius"-Rüsselkäfer ihre runden, bunten Flecken durch "hochgeordnete Nanostrukturen mit diamantenförmiger Symmetrie" bekommen. Sie schillern in allen Regenbogenfarben und sind stark "iridiszent", ihre Farbe ändert sich je nach der Perspektive. Dann untersuchte er "Mirabilis"-Rüsselkäfer. Sie tragen am Hinterteil rot-orangefarbene Flecken sowie am Brustpanzer blaue. "Wie bei Pavonius sind die Mirabilis-Hinterleibsflecken stark iridiszent und werden durch Diamantstrukturen hervorgerufen. Auf den blauen Schuppen haben wir jedoch gesehen, dass die Struktur ungeordnet ist": eine derart abgeänderte Diamantstruktur, dass nur das nächste oder übernächste Streuzentrum auf gewisse Art angeordnet ist (Nahordnung), es aber keine gleiche Anordnung über zahlreiche Wiederholungen (Fernordnung) gibt. "Diese Nanostrukturierung ist korrelierte Unordnung", erklärt Wilts, "und stellt eine einheitliche blaue Farbe ohne Winkelabhängigkeit her."

Mehr aus diesem HEUREKA

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!