Zwischen Leben und Tod/Organspendestatistik: Spitzenreiter Austria

Ulrike Baureithel | aus HEUREKA /99 vom 15.12.1999

In Österreich gilt - ähnlich wie in Belgien - die so genannte "Widerspruchsregelung". Jeder Österreicher und alle auf österreichischem Staatsgebiet sich aufhaltenden Ausländer gelten demnach als "potenzielle Organspender", wenn sie nicht ausdrücklich widersprechen, bzw. konkret, wenn sie sich nicht beim Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) im "Widerspruchsregister gegen Organentnahme" registrieren lassen.

Nach einer öffentlichen und parlamentarischen Diskussion Ende der Siebzigerjahre kam es im Juni 1982 zur geltenden Regelung der Organspende. Unter § 62 Abs. 1 des Krankenanstaltengesetzes heißt es unter anderem: "Es ist zulässig, Verstorbenen einzelne Organe oder Organteile zu entnehmen, um durch deren Transplantation das Leben eines anderen Menschen zu retten oder dessen Gesundheit wiederherzustellen." Von den rund acht Millionen österreichischen Einwohnern hatten bis August 1998 lediglich 4000 ihren Widerspruch registrieren lassen.

Als Folge dieser Regelung ist Österreich nach wie vor einer der europäischen "Spitzenreiter" bei der Organentnahme, obwohl die jüngste Diskussion in Deutschland zu einem Rückgang bei den Organspenden führte: Konnten 1993 noch mehr als 26 Patienten pro einer Million Einwohner Organe entnommen werden (zum Vergleich: in Deutschland fanden sich 1997 nur mehr 19 Spender. 1998 lässt sich wieder ein leichter Anstieg auf 21 registrieren.

Auch die Transplantationshäufigkeit weist in Österreich gewisse Schwankungen auf: Während im österreichischen "Spitzenjahr" 1993 49 Nieren pro einer Million Einwohner übertragen wurden, sackte die Frequenz 1995 auf 37 ab, derzeit liegt sie bei um die 40. Herzen werden in Österreich zunehmend seltener verpflanzt; die Übertragungen von Lebern dagegen sind stark ansteigend (von 8,5 pro einer Million Einwohner im Jahre 1992 auf 16,5 im Jahre 1998).

Österreich ist gemeinsam mit Deutschland und den Beneluxländern in der Organisationszentrale Eurotransplant zusammengeschlossen. Dort werden die medizinischen Daten derjenigen gesammelt, die auf der Warteliste für ein Organ stehen. An Eurotransplant werden außerdem alle Organspender gemeldet. Der Datenabgleich zwischen Spendern und Empfängern soll den am besten geeigneten Organempfänger ausfindig machen.

Kritik am bestehenden Transplantationsgesetz wird in Österreich nicht gerne gesehen, wie auch der steirische Arzt Johann Loibner erfahren musste. Als Antwort auf einen Artikel in einer Tageszeitung veröffentlichte Loibner einen Leserbrief, in dem er über die Modalitäten der Organentnahme aufzuklären versuchte: "Zum Zeitpunkt der Entnahme müssen die Organe warm und gut durchblutet sein, weil mit dem Eintritt des Todes der Zerfall beginnt. Für eine Transplantation wären sie dann wertlos. Die Organe müssen herausoperiert werden, wenn der ,Spender' bzw. das ,Opfer' noch am Leben sind."

Ein Herztransplanteur strengte daraufhin ein Disziplinarverfahren bei der steirischen Ärztekammer an, die Loibner daraufhin zu einer Strafe von öS 400.000,- verdonnerte. In der Begründung hieß es unter anderem: "Es geht darum, wann und in welcher Form und vor welchem Publikum derart komplizierte Materien erörtert werden. (...) Der Beschuldigte ist Angehöriger eines ärztlichen Berufsstandes und hat diesem Berufsstand gegenüber Verpflichtungen."(1) 1 Zitiert nach: Richard Fuchs und Karl A. Schachtschneider (Hg.): Spenden, was uns nicht gehört. Das Transplantationsgesetz und die Verfassungsklage. Berlin 1999 (Rotbuch), S. 112.

Kontaktadresse zur Widerspruchsanmeldung: ÖBIG, 1010 Wien, Stubenring 6, Tel. 01/515 61-6, Fax 01/513 84 72.

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