Interview mit Peter Ruckenbauer: "Wir warten halt ab"

aus HEUREKA 1/00 vom 23.02.2000

Wie geht man als Forscher mit dem Widerstand gegen die grüne Gentechnologie um? Peter Ruckenbauer, Leiter der Abteilung Pflanzenzüchtung an der Universität für Bodenkultur in Wien und wissenschaftlicher Leiter des Interuniversitären Instituts für Agrarforschung (IFA) in Tulln, antwortet.

heureka!: Was ist passiert mit der Erforschung transgener Pflanzen in Österreich?

Peter Ruckenbauer: Bei uns gibt es weder Arbeit an transgenen Pflanzen noch Auspflanzungen. Die AGRANA-Stärkeindustrie betreibt ihre Forschungsaktivitäten jetzt in Bayern, die Forschung über transgene Industriekartoffeln - das war unser Tullner Projekt - ist auch nach Deutschland gegangen. Vor allem die neue Haftpflichtregelung in der letzten Gentechniknovelle hat jeden Versuch in diesem Land umgebracht.

Hat das alles dazu geführt, dass wieder ausschließlich konventionelle Züchtungsforschung betrieben wird?

Ja. Wir verwenden die Gentechnik gegenwärtig nur im Labor und schauen, ob nach den Kreuzungen diejenigen Gene drinnen sind, die wir haben wollen. Dafür benutzen wir molekulare Marker und damit Methoden aus der Gentechnik. Aber nur zur Identifikation, nicht zur Übertragung. Wir übertragen nichts, weil wir wie gesagt Gefahr laufen, dann nach einem unglaublich schwierigen Verfahren zu unterliegen. Die Behörde kann uns sagen: "Ihr Antrag ist hervorragend, aber Sie müssen erst schauen, ob diese transferierten Gene einem bestimmten Organismus, sei es Bakterium oder Pilz, im Boden gefährlich sind oder nicht." Dann müssen Sie diese kostspieligen Untersuchungen machen, und dann sagt die Behörde: "Ha! Es gibt noch einen zweiten Schimmelpilz, den Sie darauf untersuchen müssen."

Verstehen Sie das Unbehagen gegenüber GVOs im Essen?

Wenn Sie ein Glas Bier trinken, haben Sie etwa ein Gramm fremde DNA in sich. Die wird vollkommen verdaut, da geschieht Ihnen gar nichts. Das sind transgene Hefestämme, die besonders gut das Malz in Alkohol umsetzen. Das gibt es doch alles schon seit Jahren. Oder beispielsweise die neuen transgenen Hefen aus England, die während des Backens auch noch Kohlendioxid bilden, damit aus möglichst wenig Teig ein großes Brotvolumen entsteht! Das sind "seit Jahren" alles transgene Hefen!

Woher kommt dann diese Abwehrhaltung?

Ich erkläre mir das immer so, dass der urbane Mensch beim Essen die einzige tägliche Berührung mit der Natur erlebt, und das will er möglichst unversehrt haben. Das will er so vor sich haben, wie es von seinen Großeltern erzeugt wurde, mit der Hand gepflanzt, noch gejätet, "gestreichelt". Das geht heute aber nicht mehr, weil unsere Arbeitskosten zu hoch sind. Die meisten Landwirte werden durch das niedrige Preisniveau förmlich in die Massenproduktion gezwungen und können auf diese humane und ökologische Sensibilität leider nur mehr bedingt Rücksicht nehmen.

Gibt esAnstrengungen zur Veränderung der Lage? Anders als Großbritannien hat Österreich ja kein Moratorium.

Nichts. Aber wenn eine Firma jetzt kommen würde und sagen: "Wir möchten freisetzen", und wenn sie potent genug wäre, so würde sie jede Klage gegen die Republik gewinnen. Aber international denkt man sich: Mit denen legen wir uns nicht an. Es wird eine andere Regierung geben, es wird andere Auffassungen geben. Und wir werden halt "wie gewohnt" abwarten.

Interview: Tina Thiel

Weitere Artikel lesen


Anzeige

Anzeige