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Oliver Hochadel und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 2/00 vom 03.05.2000

Die Wissenschaft hat ein eigenartiges Doppelgesicht. Im Ergebnis soll sie verlässliche, statistisch und empirisch abgesicherte Erkenntnisse liefern. Schaut man aber auf die Produzenten dieses neuen Wissens, so scheinen sie Untertanen von König Zufall zu sein. Es war der deutsche Soziologe Max Weber, der in seiner legendären Rede von der "Wissenschaft als Beruf" darauf hingewiesen hat, dass das Erklimmen der akademischen Karriereleiter eine Angelegenheit sei, "die einfach Hasard ist. Ich kenne kaum eine Laufbahn auf Erden, wo er eine solche Rolle spielt."

Wissenschaft als Glücksspiel? Beim Poker um ihre Zukunft hat Österreichs Forschernachwuchs zurzeit schlechte Karten: Bedingt durch das stagnierende Budget an den Hohen Schulen hat sich die Zahl der universitären Assistentenstellen zwischen Juli 1995 und Jänner 1999 von 7363 auf 7238,2 reduziert. Rien ne va plus? Sigurd Höllinger, der im Wissenschaftsministerium für die Universitäten zuständige Sektionschef, kündigt jedenfalls einschneidende Veränderungen bei den universitären Laufbahnmodellenzugunsten des wissenschaftlichen Nachwuchses an.

Doch nicht nur an den hohen Schulen des Landesist Veränderung angesagt. Auch unsere traditionellen Bilder vom universitären Milieu unddem Homo academicus scheinen revisionsbedürftig. Zumindest in den Universitätsromanen literarisch versierter Geisteswissenschaftler wird der Campus zum Schauplatz niederer Leidenschaften; eine Literarisierung des neuen Uni-Campus in Wien sei indes nicht absehbar, meint der Germanist Wendelin Schmidt-Dengler.

Aber auch das Internet ändert die Selbstdarstellung der Wissenschaftler, wie Richard Rogers meint: Ihre einschlägigen Homepages zeigen die Wissenschaftler zumeist von einer allzu menschlichen Seite. Menschlich wird die Wissenschaft auch, wenn ein Forscher und eine Forscherin nicht nur das Labor, sondern auch das Bett teilen. Stefan Löffler hat sich die Biografien genialer Beziehungen angesehen und ist auf Höhenflüge des Geistes, aber auch auf unerwartete Abgründe gestoßen. Unter anderem bei Albert Einstein. Nicht nur die Wissenschaft hat also ein Doppelgesicht, sondern auch die berühmteste ihrer Ikonen.

All das und mehr im Internet unter: www.falter.at/heureka/ E-Mail: heureka@falter.at

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