Kolleg in Graz: Technikmacher

aus HEUREKA 2/00 vom 03.05.2000

Wir interessieren uns weniger für die Wissenschaftler selbst als für die sozial bewusste Gestaltung von Technik", umreißt Bernhard Wieser die Ausrichtung des in Graz angesiedelten Interuniversitären Forschungszentrums für Technik, Arbeit und Kultur (IFZ), des Grazer Standorts des Instituts für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung (IFF). Entstehen die meisten Abteilungen dieser Art in institutioneller Nähe zur Soziologie, liegt der Ursprung des IFZ hingegen im Bereich der Anwendung.

Wieser, selbst Erziehungswissenschaftler, erklärt dies so: "Die Initiative ging hier von den Ingenieuren aus, die im Bereich der umweltverträglichen Technikgestaltung gearbeitet haben. Da merkt man schnell, dass es nicht nur um technische Lösungen geht. Wenn neue Entwicklungen nicht angenommen werden, kann man sie auch nicht verkaufen." Der Knackpunkt ist also die soziale Akzeptanz, das wissen die Unternehmen mittlerweile sehr genau.

Das IFZ sieht sich aber nicht in der Rolle des Akzeptanzbeschaffers für umstrittene Technologien, wie Wieser versichert. Vielmehr gehe es darum, anwendungsorientierte Tätigkeiten mit der Reflexion zu verknüpfen und damit auch um die Öffnung der Akteursnetzwerke. Um diese Auseinandersetzung über die Gestaltbarkeit von Technologie zu intensivieren, wurde heuer am IFZ das "Interdisziplinäre Kolleg für Wissenschafts- und Technikforschung" gegründet.

Ein bis maximal zwei Jahre sollen ein gutes Dutzend Wissenschaftler verschiedener Fächer ihre Projekte verfolgen können. "Es geht nicht nur um die individuelle Qualifizierung, sondern auch darum, Technik- und Wissenschaftsforschung an einem Ort zu bündeln", sagt Wieser. "Wir wollen Kompetenzen nach Graz bringen. Die Stadt soll auch davon profitieren." Schließlich finanziert sie gemeinsam mit dem Land Steiermark und dem Wissenschaftsministerium das neue Kolleg. O. H.

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