Karrieren in Deutschland: Insidertipps für Jungforscher

aus HEUREKA 2/00 vom 03.05.2000

Alpenhohe Enttäuschung" - das sei alles gewesen, was ihm nach zwölf Jahren erfolgreicher Forschung als Nachwuchswissenschaftler geblieben sei, klagt Siegfried Bär im heureka!-Gespräch. Dem Biochemiker, der an einem Institut der Max-Planck-Gesellschaft dissertiert und in mehreren Laboratorien in Deutschland, Frankreich, den USA und an der ETH Zürich geforscht hatte, war sein Knechten in subalternen Positionen Anfang der Neunzigerjahre endgültig zu viel geworden. "Und das, obwohl mir das Forschen gut gefallen hat."

Neben der schlechten Bezahlung und der unsicheren Zukunft hatte ihn vor allem geärgert, dass er all seine eigenen Forschungsleistungen mit den vorgesetzten Professoren teilen musste, obwohl die nichts dazu beigetragen hatten. Bärs Publikationen, die zum Teil in angesehenen internationalen Fachzeitschriften erschienen, mussten immer auch die Namen seiner Vorgesetzten als Koautoren aufweisen. "Das war ein Widerspruch", meint Siegfried Bär heute, "der mich zum Wahnsinn getrieben hat" - bzw. dazu, an den schlechterdings feudalen Wissenschaftsstrukturen gründlich Rache zu nehmen.

Unter dem Pseudonym Siegfried Bär - hinter dem er bis heute seinen wahren Namen versteckt - veröffentlichte er 1992 das buchlange Pamphlet "Forschen auf Deutsch", eine gleich schonungslose wie satirische Abrechnung mit dem deutschen Wissenschaftsbetrieb. Vor allem aufgrund der hierarchischen Forschungsorganisation, so eine der Kernthesen Bärs, würden die deutschen Biowissenschaften lediglich Mittelmaß bleiben; und wissenschaftliche Karrieren seien eine Art Glücksspiel,besseres Roulette, wenn man so wolle, bei dem man mit bloßer wissenschaftlicher Leistung nicht wirklich weiterkomme.

Entsprechend gibt der verkrachte Forscher in seinem "Machiavelli für Forscher - und solche, die es noch werden wollen" schonungslose Einblicke in den Forschungsalltag und wartet mit etlichen Insidertipps auf, wie man auf der wissenschaftlichen Karriereleiter schneller nach oben kommen kann. Zugleich enthält sein Buch aber auch etliche "ungebetene Vorschläge", wie man die deutsche Forschung durch Strukturreformen auf Vordermann bringen könnte - vor allem durch eine Enthierarchisierung und Entbürokratisierung der Forschungsorganisation.

Nach der Publikation seines einschlägigen Bestsellers, der sich in drei Auflagen bislang rund 30.000 Mal verkaufte und auch in der deutschen Forschungspolitik einigen Staub aufwirbelte, kämpft Bär nun unter anderem als Wissenschaftsredakteur gegen Missstände in der deutschen Forschung an.

Das von ihm mitherausgegebene Laborjournal. Das etwas andere Wissenschaftsmagazin, versteht sich als Interessenvertretungsorgan der ausgebeuteten Nachwuchsforscher. Der große Erfolg scheint ihm und seinen Redakteurskollegen Recht zu geben: Das Laborjournal, das demnächst auch in Österreich vertrieben wird, ist die bestverkaufte deutsche Fachzeitschrift in den Biowissenschaften. K. T.

Siegfried Bär: Forschen auf Deutsch. Der Machiavelli für Forscher - und solche, die es noch werden wollen. 3. überarbeitete Auflage. Frankfurt/Main. 1996 (Harri Deutsch Verlag) (orig. 1992). 168 S., öS 175,-.

"Laborjournal. Das etwas andere Wissenschaftsmagazin" erscheint 10 Mal jährlich, kostet DM 40,- und kann unter www.laborjournal.com bestellt werden.

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