Wissenschaftlerbuch: Forscherporträts

aus HEUREKA 2/00 vom 03.05.2000

Seine Karriere als Wissenschaftler ist mehr als außergewöhnlich - und auch typisch für das zu Ende gegangene "Jahrhundert der Extreme" (Eric Hobsbawm). Der 1914 in Wien geborene Max Perutz sah sich 1936 gezwungen, Österreich zu verlassen, weil er als Jude an der Universität unerwünscht war. Er emigrierte, studierte in Cambridge, wurde in seiner Wahlheimat während des Krieges als Deutscher verbannt. Dennoch machte er eine blendende Karriere, die 1962 mit dem Nobelpreis für Chemie gekrönt wurde.

Über sein eigenes Leben macht Perutz in seiner Aufsatzsammlung nicht viel Aufhebens. Stattdessen widmet sich der schreiberisch versierte Chemiker und Molekularbiologe, der auch als 86-Jähriger noch fast täglich im Labor anzutreffen ist, seinen prominenten Kollegen - von Fritz Haber über Lise Meitner bis Carl Djerassi. Neben diesen lebendigen Forscherporträts bietet der Band mit dem schönen Titel "Ich hätte Sie schon früher ärgern sollen" aber auch ganz grundsätzliche Gedanken über die Welt und die Wissenschaft. K. T.

Max Perutz: Ich hätte Sie schon früher ärgern sollen. Aufsätze über Wissenschaft, Wissenschaftler und die Menschheit. Aus dem Englischen von Ursula Derx. Purkersdorf 1999 (Brüder Hollinek). 304 S., öS 450,-.

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