Prognosen: Voll daneben

aus HEUREKA 3/00 vom 14.06.2000

Irgendwie sind wir ja alle Futurologen. Schon immer gewesen. Spätestens seit der Erfindung des Faustkeils glaubten die Menschen ihre Gegenwart gut genug zu kennen, um vorhersagen zu können, was in Zukunft nicht möglich sein wird. Stellvertretend für alle, verkündete der Chef des US-Patentamts 1899: "Alles, was erfunden werden kann, ist bereits erfunden worden."

Hatte doch bereits 1895 der britische Wissenschaftler Lord Kelvin gewusst: "Flugmaschinen, die schwerer als Luft sind - unmöglich." "Dieses Telefon hat zu viele Probleme, um ein ernsthaftes Kommunikationsmittel zu werden", prophezeite die US-Telegraphengesellschaft Western Union 1876, um die neue Konkurrenz im Keim zu ersticken. Aber auch in der eigenen Branche liegt man mitunter leicht daneben. "Auf der ganzen Welt gibt es vielleicht einen Markt für fünf Computer", gab sich IBM-Chef Thomas Watson 1943 skeptisch. Sein Bruder im Geiste, der Gründer der Firma Digital Equipment Ken Olsen, war 1977 davon überzeugt, dass es "keinen Grund für die Leute gebe, einen Computer zu Hause zu haben". "Wer zum Teufel möchte Filmschauspieler reden hören?", wollte der Stummfilmproduzent Harry Warner 1927 wissen. Kurz darauf fingen sie nicht nur an zu quasseln, sondern auch zu trällern. Und so kam mit Doris Days lieblicher Gesangseinlage endlich die Wahrheit ans Licht: "Che sera, sera". O. H.

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