Mein Arbeitsplatz: Der Meteorologe

aus HEUREKA 3/00 vom 14.06.2000

Ja, der Juli wird diesen Sommer wohl überdurchschnittlich warm, aber wie die Illustrierte News zweimal eine Temperatur von über 40 Grad zu prognostizieren, ist unseriös." An Fragen nach der Vorhersagegenauigkeit seiner Disziplin ist Leopold Haimberger von der Abteilung für Theoretische Meteorologie der Universität Wien gewöhnt. Dann erklärt er den Unterschied zwischen Wetter und Klima.

Zwei Wochen sind die theoretische Obergrenze, wirklich verlässlich kann man Regen und Sonnenschein derzeit nur für die nächsten drei bis sieben Tage vorhersagen. Chaotische Systeme wie das Wetter sind ab einem bestimmten Punkt nicht mehr berechenbar. Anders sieht es bei der Klimaprognose aus, hier sind durchaus noch Fortschritte möglich. Aber eben nur mit Blick auf eine ganze Jahreszeit, nicht für einzelne Tage.

Die Meteorologie ist eine Zukunftswissenschaft im doppelten Sinne: Sie ist nicht nur die prognostische Disziplin par excellence, sie ist auch eine Cyberscience, da sich ihr Gegenstand vollständig digitalisieren lässt. Leopold Haimberger schaut nicht aus dem Fenster, sondern auf den Bildschirm. Die Messdaten holt er sich aus einer Datenbank aus der Schweiz.

Numerische Methoden haben dabei eine überragende Bedeutung, denn die Meteorologen müssen sich mit zehn oder mehr Millionen Variablen herumschlagen. Diese ergeben sich - neben einer Hand voll Parametern wie Temperatur, Feuchtigkeit und Wolkenwassergehalt - durch die zahlreichen Gitterpunkte, die die Meteorologen über die Landschaft legen.

Je mehr Variablen, desto realistischer werden die Beschreibungen. Deswegen speist man immer so viele Variablen ein, wie der Computer gerade noch zu rechnen imstande ist.

Ziel ist es, die numerischen Methoden auszubauen und die Datenselektion zu verbessern - die Wissenschaft arbeitet an sich selbst. Bleiben nur die von Haimberger heiß geliebten Exkursionen, um das Wetter unmittelbar zu erfahren und sich so seinem Gegenstand auf nichtdigitale Weise zu nähern. O. H.

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