Fertig für den Quotensprung?/Zahlenforschung: Es geht um die Quote

aus HEUREKA 4/00 vom 27.09.2000

Rund 50 Milliarden Schilling werden im laufenden Jahr in Österreich für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das ist rund eine Milliarde mehr als 1999. Weil die Wirtschaft aber schneller wächst als die Forschungsausgaben, fällt deren Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach den Schätzwerten der Statistik Austria (dem ehemaligen Österreichischen Statistischen Zentralamt) von 1,82 Prozent auf 1,79 Prozent.

Mitte Juli hat die Quote noch einen Sprung nach oben gemacht. Von 1,63 Prozent auf 1,82 Prozent. Ein knackiger Zuwachs um zwölf Prozent (nicht Prozentpunkte) - ausgelöst durch eine Forschungsausgabe der Regierung an die Statistik Austria. Diese nämlich führte mit dem Geld eine überfällige Umfrage durch - eben zuden Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Staates und der Wirtschaft. Dabei kam heraus, dass die letzten verfügbaren Daten 1993 schlampig ermittelt worden waren, die Schätzungen seitdem folglich eine Schlagseite hatten.

Der Fehler lag in der Aufgabenteilung zwischen dem Österreichischen Statistischen Zentralamt und der Wirtschaftskammer. Der Vorgänger der Statistik Austria ermittelte die Ausgaben von Gemeinden, Ländern, des Bundes, einschließlich der so genannten forschungswirksamen Hochschulausgaben und der öffentlichen Forschungsfonds, streng nach den Vorgaben der OECD. Die Wirtschaftskammer ersparte sich dagegen, Firmen jener Branchen zu befragen, in denen keine Entwicklungstätigkeit vermutet wurde. Auch die Forschungsausgaben ausländischer Niederlassungen in Österreich kamen methodisch zu kurz.

Langjährige Kenner wissen, dass die Korrektur vom Juli nicht die erste in der Geschichte der österreichischen Forschungsquote war. Seit sie Anfang der Sechzigerjahre erstmals publiziert wurde - mit schockierenden 0,33 Prozent des Bruttoinlandsprodukts-, steht ihre Steigerung wechselseitig in den Forderungen der Opposition und den Programmen der Regierung. Die Einrichtung eines eigenen Ministeriums für die Wissenschaft beförderte die Quote rasch nach oben. Die damalige Ressortchefin Hertha Firnberg (1970-1983) ließ sie von ihren Beamten berechnen. Erst als die OECD die wundersamen Fortschritte des ministerialen Wirkens um 1980 nicht länger hinnahm, griff man auf die gut ein Fünftel tiefer liegende Schätzung des Statistischen Zentralamts zurück. A. K. / W. S.

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