Der Preis der Qualität/Mäzene der Wissenschaft: Musterbeispiel Hannes Androsch

aus HEUREKA 4/00 vom 27.09.2000

Ludwig Wittgenstein, der Namensgeber des höchstdotierten österreichischen Wissenschaftspreises, war ja selbst so einer. Ein Mäzen nämlich. Der Sohn des vermögenden Unternehmers Karl Wittgenstein hatte alles andere im Kopf, als in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Als der starb, ließ sich der spätere Philosoph sogleich von Karl Kraus beraten, wie er sich am besten vom eben ererbten Vermögen befreien könnte. Und Kraus riet ihm, durch Ludwig von Ficker 100.000 Kronen an arme Künstler und Schriftsteller verteilen zu lassen.

Wittgenstein war keine Ausnahme: Einige der wohlhabendsten Österreicher um 1900, wie Samuel Rothschild oder Emil Reich, stifteten riesige Summen für gemeinnützige Zwecke - und eben auch für die Wissenschaft und ihre Vermittlung. Während diese Form der Wohltätigkeit in Österreich spätestens mit dem Jahr 1938 jäh abriss, ist es in anderen Kulturen - wie der protestantisch geprägten US-amerikanischen - für viele Milliardäre bis heute eine selbst auferlegte Verpflichtung, den Universitäten und der Wissenschaft Gutes zu tun: Vor allem die US-amerikanischen Eliteuniversitäten sind ohne Mäzene nicht zu denken, von John Davison Rockefeller bis zum sonst eher knausrigen Bill Gates.

Es ist müßg, darüber zu spekulieren, warum es zwar etliche Österreicher nach 1945 zu einem Milliardenvermögen gebracht haben, aber kaum einer unter ihnen zum Mäzen. Und wenn, dann sicher nicht zum Mäzen für die Wissenschaften. Hierzulande steckt man seine überschüssigen Millionen, so man sie hat, halt lieber in stramme Fußballerwadeln als in helle Köpfe, lieber in altehrwürdige Palais als in moderne Forschungsinstitute. Ist es die Ignoranz der Superreichen? Oder bloß ihre Wissenschaftsfeindlichkeit?

Allein, die Hoffnung ist noch nicht verloren. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik hat sich einer ein Herz gefasst und tief in die Tasche gegriffen: Hannes Androsch, Ex-Finanzminister (1970-1980), der als Großunternehmer in den letzten Jahren zu großem Reichtum kam, will der Wissenschaft zehn Millionen Euro (also mehr als 137 Millionen Schilling) spenden. Konkret geht es um eine Stiftung, die an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eingerichtet werden soll. Deren genaue Konstruktion ist zwar noch in Ausarbeitung begriffen, klar ist bislang nur, dass die jährlich mehr als zehn Millionen Schilling Zinsen zu je einem Drittel in die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften gesteckt werden sollen.

Androsch begründete seinen vorbildlichen Schritt gegenüber der Presse lakonisch damit, dass die alte Regierung nichts für die Forschung getan habe und die neue auch nicht. Außerdem hoffe er, dass seine Forschungsstiftung keine Einzelerscheinung bleiben möge. Das hoffen auch wir - und wollen auch gleich einige Vorschläge machen, wie sich unsere reichen Landsleute um die Wissenschaft verdient machen könnten. Einer wie Karl Wlaschek zum Beispiel: Wie wärs mit einem Billa-Institut für Sozial- und Arbeitsrecht? Zu dem Niki Lauda womöglich einen Lehrstuhl für die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung beisteuern könnte?

Der Ideen gäbs viele, wie sich die eigennützigen Privatstifter um die Forschung bemühen und zugleich ihr Image aufnachbessern könnten: Wie wärs, Hans Dichand, mit einem Forschungszentrum für genfreie Lebensmitteltechnologie? Und wie mit einem Graduiertenkolleg für kritische Medienanalyse, an dem sich womöglich auch die Gebrüder Fellner beteiligen würden? Wie stehts mit einer Stiftungsprofessur für Kolonialstudien, Julius Meinl? Und Andre Rettberg jedenfalls würde sich mit der Stiftung einer Studienbibliothek für vergleichende Literaturwissenschaft Ruhm und Ehre erwerben.

Nur das Prinzhorn-Institut für angewandte Hormonforschung, das sollte man sich vielleicht doch noch einmal überlegen. K. T.

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