Forschung als Geschäft?

Neuerscheinungen. Mit Forschungspolitik wurde immer schon auch ganz andere Politik gemacht.

Wolfgang Schweiger | aus HEUREKA 4/00 vom 27.09.2000

Schwarzer Einband und viele Erfinderköpfe - mit dieser eher düsteren Anmutung kommt eine Kurzbiografiesammlung von "Österreichs großen Erfindern" daher. Einmal mehr wird mit einem Werk die nationale Mythenbildung strapaziert: Ach, wie hell waren doch die Geistesblitze unserer Genies und wie grausam und dunkel dagegen ihre Schicksale. Angesichts dieser oft tragischen Erfindergeschichten kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass in kaum einem anderen Land so viel erfunden und zugleich so wenig davon mit Gewinn umgesetzt wurde ...

Heinz Janowsky: Österreichs große Erfinder. Graz 2000 (Styria) . 240 S., öS 295, Forschung und Technologieentwicklung waren schon immer Instrument maßgebender Kräfte. Die geschichtliche Entwicklung, die Ungarn in dieser Hinsicht genommen hat, beschreibt Peter Biegelbauer - im Gegensatz zu Janowsky streng akademisch und ganz ohne Monarchieverklärung - in seinem Buch "130 Years of Catching Up With the West". Die verschiedenen Systemwechsel sind dabei der zentrale Aspekt. Sie machen den ehemaligen RGW-Staat zu einem idealen Demonstrationsobjekt: wie verändert sich der Umgang mit Technologie und Wissenschaft im Zuge der Industrialisierung eines Landes. Der Autor analysiert sowohl politische wie wissenschaftliche Zielsetzungen und setzt diese in Relation zu gesellschaftlichen und ökonomischen Entwicklungen. In der Antwort auf die Frage, wie sich diese Faktoren wechselseitig beeinflussthaben, finden sich Lösungsansätze für die zukünftige Forschungspolitik.

Peter S. Biegelbauer: 130 Years of Catching Up With the West. Aldershot 2000 (Ashgate). 250 S., ca. öS 1200,- So sehr man die Geschichte der ungarischen Forschungspolitik stellvertretend für den großen Teil der europäischen Wissenschaftsentwicklung lesen kann, so wenig scheint Europa mit den USA gemeinsam zu haben. Jürgen Lieske hat sich in seiner Monographie "Forschung als Geschäft" vergleichend mit der Entwicklung von Auftragsforschung in den USA und in Deutschland beschäftigt und fand heraus, dass die Differenzen zweier ursprünglich gänzlich verschiedener Konzepte auf politische, ökonomische, aber auch kulturelle Unterschiede zurückgehen. Und obwohl die Rahmenbedingungen zumindest einige Zeit lang ähnlich waren (Weltkriege, Kalter Krieg), schrieb sich die Auffassung, wie Forschung zu betreiben sei und was sie ausmache, weiter fort. Für Lieske stellt sich abschließend die Frage, "ob nicht weniger von Innovationssystemen als viel mehr von Innovationskulturen gesprochen werden müsse".

Jürgen Lieske: Forschung als Geschäft. Frankfurt / New York 2000 (Campus). 337 S., öS 569, Eher global wird hingegen der "Technologiebedarf im 21. Jahrhundert" betrachtet. Der Band ging aus einem Symposium hervor, das vom Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen 1998 in der Reihe "Szenarien für morgen" veranstaltet wurde. Derartige Tagungsbände gliedern sich ähnlich wie die Tagungen selbst. Es gibt Berichte (technologiepolitische Trends führender Europäischer Staaten), Referate über Arbeitsfelder (absehbare wirtschaftstechnologische Innovationsfelder) und Schlussworte (Generalanalysen). Veranstalter wie Autoren folgten in ihren Analysen einem globalen technologiepolitischen Trend: Die Gewichtung zwischen "technology push", der Orientierung am technisch Machbaren, und "market pull", den Anforderungen des Marktes, gehöre ständig neu gesetzt. Symposien, um derartige Einschätzungen zu bündeln, gibt es in Japan und den USA schon lange. Europa zieht wenigstens in diesem Bereich nach.

Gert Kaiser, Katharina Wetzel-Vandai, Arne Claussen (Hg.): Technologiebedarf im 21. Jahrhundert. Frankfurt / New York 1999 (Campus). 221 S., öS 291,

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