Aus aller Welt

aus HEUREKA 5/00 vom 13.12.2000

Trademark Harvard Anfang der Achtzigerjahre gingen US-Universitäten dazu über, ihre Namen als Marken global zu schützen. Harvard begann 1989 damit. Die Traditions-Universität akzeptiert nur etwa jede zehnte Hersteller-Anfrage, Kaffeetassen oder Krawatten, Strampelhosen oder Schreibpapier mit ihrem Schriftzug zu zieren. Andere geben ihren Namen auch für Wein und Mineralwasser her. "Einige Unis lizenzieren sogar Särge für ihre Ehemaligen!". Kevin Scully von der Abteilung Trademark Licensing ist entgeistert. Diese achtet auch bei allen internationalen Kooperationen und im Internet darauf, dass der Name Harvard geschützt bleibt. Dabei geht es nur am Rande um den Überschuss, der laut Scully zwischen 500.000 und 700.000 Dollar im Jahr beträgt und in ein Stipendienprogramm fließt. Der gehütete Name trägt anderweitig Früchte: Rund 450 Millionen Dollar nahm Harvard 1998 (letzte verfügbare Zahl) von Studierenden und Teilnehmern der Sommerkurse und Internet-Ableger ein. Eine fünfjährige "University Campaign" brachte zuletzt 2,6 Milliarden Dollar in die Unikasse, vorwiegend Spenden von Ehemaligen aus aller Welt. O. H.

Einen Flügelschlag entfernt Wahrlich weltumspannend hat sich eine der populärsten wissenschaftlichen Metaphern ausgebreitet. Der Schmetterling, dessen Flügelschlag im Gedankenexperiment gewaltige Wirkung zeitigt, wurde von den chaostheoretisch inspirierten Autoren meist in einem exotischen Land lokalisiert, während die Katastrophe am Erscheinungsort stattfindet: Bei der ersten Formulierung 1972 löste ein Schmetterling in Brasilien einen Tornado in Texas aus. Bestseller-Autor James Gleick verortete den Schmetterling in Peking und den Sturm in New York - was Michael Crichton in "Jurassic Parc" brav übernahm, jedoch nicht Ian Stewart, der den Falter nach Tokio und den Sturm nach Brasilien versetzte. Das ist insofern interessant, als Brasilien bzw. Rio de Janeiro öfter für den Flügelschlag vorgesehen war. Auch vom Rezensenten der "New York Times Book Review", der auf dem Höhepunkt der Chaosbuchwelle mit einem in der Literatur noch unbekannten Kompromiss schloss: Orkan in Bangladesch. S. L.

Aus dem empfehlenswerten Band "Die Badewanne des Archimedes. Berühmte Legenden aus der Wissenschaft" von Sven Ortoli und Nicolas Witkowski, München 1999 (Piper), öS 109, Der versklavte Professor Eine der unwahrscheinlichsten internationalen Wissenschaftlerkarrieren ist die von Anton Wilhelm Amo. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Axim im heutigen Ghana geboren, wurde er von Sklavenhändlern gefangen und kam als Kind an den Hof von Herzog Anton Ulrich von Wolfenbüttel, einem den Wissenschaften und Künsten aufgeschlossenen Absolutisten. Ab 1727 studierte Amo in Halle Medizin. Nach seiner Promotion 1734 hielt er in Jena naturwissenschaftliche und philosophische Vorlesungen, etwa "Über das Recht der Mohren in Europa". Nach dem Tod des Herzogs wurde Amo wegen seiner Hautfarbe angegriffen und kehrte nach Ghana zurück. Dort geriet der siebensprachige Gelehrte wieder in die Hände von Sklavenhändlern und wurde in das niederländische Fort San Sebastian verschleppt, wo er 1756 starb. Ein jährlich von der Universität Halle verliehener "Anton-Wilhelm-Amo-Preis" erinnert an Deutschlands ersten schwarzen Professor. F. G.

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