Druck ohne Nachfrage /Sie wollen ein Buch veröffentlichen?

aus HEUREKA 1/01 vom 21.03.2001

Der Verleger und "Buchmacher" Wolf Peterson hat mit "heureka" eine Autorenberatung für eine fiktive wissenschaftliche Monographie geführt: "Zuerst will ich als Verleger wissen, was Sie damit bezwecken: Wollen Sie nur Ihre wissenschaftliche Arbeit gedruckt sehen? Oder wollen Sie eine hochwertige Publikation? Ist das Thema populär genug für ein Sachbuch? Wenn Sie auf ein Sachbuch hinauswollen, müssen Sie wahrscheinlich alles überarbeiten, auf die meisten Fußnoten verzichten und auf manches Detail. Wenn Sie schon zwei oder mehr Bücher bei einem Verlag untergebracht haben, sollten Sie wegen eines kleinen Ärgernisses nicht gleich wechseln.

Wenn Sie das Manuskript schon sprachlich und inhaltlich haben überarbeiten lassen, geht die Lektorierung wahrscheinlich schneller. Um den Aufwand abzuschätzen, brauche ich mindestens zehn Seiten zur Probe. Wenn Sie mit einem 1000-Seiten-Manuskript kommen, habe ich Bedenken; 200 Seiten sind moderat. Welche Abbildungen müssen rein? Um diese Kosten richtig zu kalkulieren, muss ich erst in der Druckerei und den Grafiker fragen.

Falls Sie mit 200 bis 500 Käufern rechnen, rate ich zu Print-on-Demand und zunächst höchstens 200 Exemplare zu drucken. Das beinhaltet zwar bereits die Rezensionsexemplare und etwa 15 Pflichtexemplare für die großen Bibliotheken. Wie die meisten Autoren schätzen Sie die Nachfrage aber eher zu hoch ein. Nachdrucken ist digital kein Problem. "Vergriffen" gibt es nicht, nach ein bis zwei Wochen kann der Besteller das Buch im Laden entgegennehmen. Auch eine Aktualisierung ist machbar.

Lieber als in die Erstauflage investieren wir in die Werbung. Haben Sie schon einmal eine Lesung gehalten oder ein Buch präsentiert? Wie erreichen wir Ihre Fachkollegen? Führen Sie eine Mailingliste? Gibt es eine Zeitschrift, die alle an diesem Gebiet Interessierten lesen? Sobald das Manuskript vorliegt, formulieren wir eine Ankündigung und schicken sie an Ihre Fachkollegen. Kommen 100 Vorbestellungen, können wir die Anfangsauflage ja noch anheben."

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