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Oliver Hochadel und Klaus Taschwer | aus HEUREKA /01 vom 16.05.2001

Die ersten Babys mit künstlich veränderten Genen kommen auf die Welt, zwei von ihnen haben dank Eizellenmix drei Eltern; im Rückenmark von erwachsenen Mäusen werden so genannte Superstammzellen entdeckt, die zu jeglichen im Organismus vorkommenden Zellen ausreifen können; Frischverstorbenen werden "noch lebende" Nervenzellen entnommen, die Alzheimer stoppen sollen. Drei Meldungen aus den USA aus den ersten Maitagen, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten macht seinem Namen mal wieder alle Ehre.

Fast täglich spuckt der biomedizinische Newsticker Neuigkeiten aus, die man vor einigen Jahren noch ins Reich der Träume oder ins Gruselkabinett verwiesen hätte. Was im Einzelnen an den Meldungen dran ist und was daraus folgt, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Gleichwohl: Die biomedizinische Revolution ist in vollem Gange, verkünden Gynäkologen und Humangenetiker, die sich gerne als Vertreter einer neuen Leitwissenschaft sehen. Neue Hirne und neue Herzen, gesunde Babys, glückliche Eltern und nützliche Tote - willkommen in der schönen neuen Medizin.

Mit der Mach- bzw. Vorhersagbarkeit erlangt die Wissenschaft eine nie da gewesene Definitionsmacht über Gesundheit und Krankheit. Dieses Gemenge aus Verheißung und bedrohlicher Vision schreit nach gesetzlichen Regelungen. Gerade hat der deutsche Kanzler Schröder einen "nationalen Ethikrat" einberufen, auch in Österreich soll nun eine Ethikkomission eingesetzt werden.

heureka hat deren mutmaßlichen Vorsitzenden, den Wiener Gynäkologen Johannes Huber, sowie die Ethik-Expertinnen Herlinde Pauer-Studer und Ina Wagner gefragt, was sie auf den Themenkatalog setzen würden. Soll man einer Wienerin erlauben, mit ihrer Freundin ein Kind zu haben? Nina Horaczek ist diesem Fall nachgegangen. Dass Kinderwunsch und Wunschkind zwei grundverschiedene Dinge sind, zeigt auch Birgit Dalheimer in ihrem Beitrag über Designerbabys. Wie eng die permanenten Grenzverschiebungen im Bereich von Leben und Tod zusammenhängen, weist Ulrike Baureithel in ihrem Essay über die Sterbehilfe nach. So wenig wir über die Zukunft wissen, so lückenhaft ist unsere Kenntnis der Vergangenheit der Medizin. Sagt Michael Hubenstorf, der noch heuer eine Professur für Medizingeschichte in Wien antreten wird und den Alltag der NS-Medizin erforschen will.

Die Medizin von morgen wird aber nicht allein durch pränatale Implantationsdiagnostik und Stammzellen (s. das Glossar auf S. 10) geprägt. Und dies nicht nur, weil Gallenblasen nun vermehrt von Robotern und weniger von Chirurgen aus Fleisch und Blut entfernt werden, wie Robert Czepel und Franz Gutsch berichten. Virtuelle Selbsthilfegruppen und Internetportale machen aus dem Objekt Patient einen vollwertigen Partner, dessen Bedürfnisse Ärzte ernster nehmen müssen. Zum Beispiel die des Schriftstellers Daniel Kehlmann, der seit Beginn dieses Jahres mit seiner heureka-Kolumne science@fiction seine eigene Sicht der Wissenschaft entwickelt. Ob Allergiker oder nicht - gleich lesen! S. 23.

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    HEUREKA 2/2001

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