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Oliver Hochadel und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 3/01 vom 13.06.2001

"Achtung, Baustelle!" Dieses Verkehrszeichen bringt zurzeit wohl am besten zum Ausdruck, wie es gegenwärtig um die österreichischen Universitäten und ihre andauernden Reformen bestellt ist. An allen Fundamenten der traditionsreichen Hohen Schulen wird umgegraben, um sie für das 21. Jahrhundert zu revitalisieren.

Ein "Meilenstein in der Geschichte der Universitäten", so Bildungsministerin Elisabeth Gehrer, wurde immerhin bereits bewältigt: Ende Mai beschloss der Ministerrat ein neues Hochschullehrerdienstrecht, das am 1. Oktober 2001 in Kraft treten wird. Das Historische an dieser Übergangslösung: Die Ära der Pragmatisierung der Universitätslehrer ist nun endgültig vorüber. heureka stellt die Grundzüge des neuen Dienstrechtes dar und hat drei Betroffene und Experten zu einer Diskussion gebeten.

Noch nicht ganz so weit ist man mit dem Hauptprojekt des Universitätsumbaus, der geplanten Vollrechtsfähigkeit der Universitäten. Die zentralen Fragen, die zwischen dem Staat und den Universitäten auszuverhandeln sind, liegen auf der Hand: Es geht um den Grad der Eigenständigkeit und um das liebe Geld.

Eine möglichst weitgehende Vollrechtsfähigkeit unter möglichst klaren Rahmenbedingungen wünscht sich der neue Rektor der Veterinärmedizinischen Universität Wien, Wolf-Dietrich Freiherr von Fircks. Der deutsche Uni-Manager, der bereits Hochschulen in Wuppertal, Hildesheim, Oldenburg und Berlin umgekrempelt hat, tritt unter anderem dafür ein, dass Universitäten Patente halten können.

Bei vielen Studierenden ist ab Herbst 2001 gutes Wirtschaften mit begrenzten Mitteln angesagt: Robert Czepel hat recherchiert, mit wie vielen "Karteileichen" tatsächlich zu rechnen ist - und für wen es sich rechnet, doch noch weiterzustudieren. Während in Österreich die Anzahl der Studierenden wohl fürs Erste zurückgehen wird, setzt man in Skandinavien ganz auf eine Ausweitung des tertiären Bildungsbereichs: In Schweden gewährt der Staat sogar zinslose Kredite für Studierende, wie Marcel Weigl aus dem hohen Norden berichtet.

Andere Länder, andere Uni-Sitten. Dies können vor allen jene bestätigen, die einmal im Ausland studiert haben. Die fortschreitende Harmonisierung des europäischen Hochschulraumes wird dies auch in Zukunft erleichtern (der neueste Stand: S. 14). Aber auch Gespräche mit ausländischen Wissenschaftlern, die an österreichischen Universitäten unterrichten, sind hinsichtlich akademisch-kultureller Gepflogenheiten sehr anregend. Nina Horaczek erfuhr dabei etwa, dass Studenten an einer chinesischen Hochschule umgerechnet 20.000 Schilling pro Studienjahr zahlen.

Ob an der Universität von Peking evaluiert wird, welcher wissenschaftliche Output mit den staatlichen Mitteln erzielt wird, haben wir nicht recherchiert. Dafür mahnt David Campbell eben dieses für die österreichischen Hochschulen ein. Auch im Außenbereich ist der Reformbedarf enorm. Die Entdeckung der Alumni und die Verbesserung der PR-Arbeit der Universitäten sind nur zwei der dringlichsten Desiderate. Der Umbaustaub wird sich so schnell nicht legen.

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