Liebe Leserin, lieber Leser!

Oliver Hochadel, Stefan Löffler und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 5/01 vom 12.12.2001

Zuletzt war es der spektakuläre Mord an Nicole Strau, mit dem die Gerichtsmedizin in den Medien wieder einmal groß von sich reden machte: Mittels DNA-Probe wurde ein der Tat verdächtiger Mann ausgeforscht - die Gentechnik hat es möglich gemacht, diesen Fall nach über zehn Jahren wahrscheinlich doch noch zu klären. Die rasanten Fortschritte in den forensischen Wissenschaften bergen aber auch potenzielle Probleme: Das Spektrum der Kritik reicht vom Datenschutz bis zur Zuverlässigkeit der DNA-Fingerabdrücke.

Doch auch die Verlässlichkeit der konventionellen Fingerabdrücke als Beweismittel wird seit einiger Zeit zumindest in den USA heftig debattiert: Testreihen unter Daktyloskopen führten in den letzten Jahren zur Ernüchterung - die Fehlerquote lag zwischen drei und 22 Prozent. Dass wir den Fingerabdruck nach wie vor für einen unwiderlegbaren Beweis halten, hängt nicht zuletzt mit den Fahndungserfolgen von Ermittlern in Literatur und Film zusammen.

Aber auch unsere Vorstellungen, wie die Gerichtsmediziner die Leichen Ermordeter sezieren und die Kommissare die Übeltäter zur Strecke bringen, sind wesentlich von Hollywood & Co. geprägt. Machen Sie die Probe aufs Exempel! Eine kleine Fotostrecke mit Filmausschnitten aus Thrillern und Krimis illustriert den kriminologischen Teil dieser "heureka"-Ausgabe.

Wie die forensischen Wissenschaften tatsächlich die Täter überführen, lesen Sie in unseren Texten über DNA-Analysen, forensische Biologie und andere Ermittlungsmethoden der zeitgenössischen Gerichtsmedizin. Wer dann allerdings im Prozess Recht bekommt, hängt maßgeblich von den wissenschaftlich geschulten Sachverständigen ab. Der Auftritt der Wissenschaft im Zeugenstand muss sich aber an den Vorgaben des Gerichts orientieren, der Richter hat Urteile zu fällen und kann nicht auf neue Forschungsergebnisse warten.

Die Wahlverwandtschaften von Wissenschaft und Recht haben eine lange Geschichte. Die gemeinsamen Wurzeln des Befragens und des Ermittelns von Tatsachen lassen sich bis ins frühe 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Das ging bis zu öffentlichen Experimenten in Laboratorien, die Gerichtssälen ähnelten. Francis Bacon (1561-1626) machte als Jurist Karriere und gilt gleichzeitig als einer der Väter der modernen Naturwissenschaften. Als Begründer des Empirismus wollte er die Natur auf die Folterbank legen, damit sie ihre Geheimnisse preis gebe.

Lieber geheimbleiben will ein langjähriger Kenner des Systems der Rechtswissenschaft in Österreich. Seine These: Durch die allenthalben geforderte Praxisorientierung bzw. die lukrativen Gutachtertätigkeiten von Jus-Professoren sei in der Rechtswissenschaft das Recht immer mehr und die Wissenschaft immer weniger geworden.

Eher offene Geheimnisse sind die Abhängigkeitsverhältnisse an den hiesigen Universitäten, insbesondere wenn es um Fragen des geistigen Eigentumsrechts geht. Deshalb scheint es für die Betroffenen ratsam, bestimmte Zustände allenfalls anonymisiert zu kritisieren. Wer von beiden Seiten Recht hat, muss die Scientific Community unter sich ausmachen. Am besten ohne Hilfe der Kriminologie.

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