Liebe Leserin, lieber Leser!

aus HEUREKA 1/02 vom 13.03.2002

Langweilige Schulstunden nennen drei von fünf Europäern als Ursache für den Rückgang des Interesses der Jugend an einer wissenschaftlichen Karriere. Fast jeder Zweite sieht darin eine ernsthafte Gefährdung der sozio-ökonomischen Entwicklung in Europa (Quelle: Eurobarometer). Weckt der Schulunterricht also zu wenig Interesse an einem Fachstudium? Bereiten die schulischen Lehrpläne unzureichend auf die Wissensgesellschaft und lebenslanges Lernen vor? Erzieht die Schule zum mündigen Umgang mit technologischen Fragen?

Wichtige Fragen, die viele bewegen. Und genau diese ständige Bewegung macht das Bildungssystem auch etwas träge. So melden sich in der gegenwärtigen Debatte um die Mittelschulreform die Bildungssprecher der Parteien genauso regelmäßig zu Wort wie Kommunalpolitiker, Lehrer- und Elternverbände. Bevor ein neuer Lehrplan - wie demnächst jener für die Oberstufen der höheren Schulen - in Kraft treten kann, werden 200 Gruppen um Stellungnahmen gebeten.

Auch jenseits der Grenzen tut sich einiges. Die EU wird sich wahrscheinlich in den nächsten Monaten zum Ziel setzen, bis 2009 die Schulpflicht EU-weit auf zwölf Schuljahre auszuweiten. Hierzulande endet sie bislang mit dem 15. Geburtstag. International vergleichenden Schulstudien - wie zuletzt die PISA-Studie - tun ein Übriges. Wobei das mediale Echo auf die Veröffentlichung der PISA-Ergebnisse im vorigen Dezember hierzulande vergleichsweise verhalten ausfiel. Was wohl damit zusammenhängt, dass Österreich im vorderen Mittelfeld landete. Die Ergebnisse seien aber keineswegs Weltklasse - Weltklasse ist Österreich nur bei den Ausgaben pro Schüler, mahnt der österreichische PISA-Projektleiter Günter Haider im Gespräch mit "heureka".

Was also wäre zu tun? Dieses "heureka" widmet sich den Schnittstellen zwischen Schule und Wissenschaft: zwischen Erziehungswissenschaft und Schulpolitik, zwischen Klassenzimmer und Labor, zwischen Fachdidaktik und Unterrichtspraxis. Was erwarten die Professoren von ihren künftigen Studierenden, was die Schüler von ihren Lehrern? Oder grundsätzlicher gefragt: Was soll heutzutage überhaupt gelernt und wie soll es vemittelt werden?

"Einen jungen Menschen unterrichten heißt nicht, einen Eimer füllen, sondern ein Feuer anzünden", wusste schon Aristoteles. Zweieinhalb Jahrtausende später suchen Lehrer immer noch nach dem Streichholz. Vor allem der naturwissenschaftliche Unterricht bleibt oft allzu trocken. Wie wäre es da mit Grossology, der "Ekellehre" der kalifornischen Pädagogin Sylvia Branzei? Das mag skurril klingen, funktioniert aber, weil es direkt an der Lebenswelt der Schüler ansetzt. Diese da abzuholen, wo sie sind, kann auch heißen, ihnen eine Mathematiktherapie zu ermöglichen. Oder im Physikunterricht Schwedenbomben zum Implodieren zu bringen.

Wie man richtig lernt, ist auch eine Frage der grauen Zellen und ihrer Funktionsweise. Der Hirnphysiologe Wolfgang Klimesch erklärt im "heureka"-Interview, wie man richtig lernt - und widerlegt die Behauptung, dass die grauen Zellen im Laufe eines Lebens weniger werden. Auch "heureka"-Kolumnist Daniel Kehlmann räumt mit Schulmythen auf - wie gut Einstein in der Schule wirklich war, steht auf Seite 23.

Oliver Hochadel, Stefan Löffler und Klaus Taschwer

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