Affen in Laboratorien

aus HEUREKA 2/02 vom 08.05.2002

Obwohl unsere haarigen Verwandten kaum ein Tausendstel aller Versuchstiere ausmachen, sind sie die am häufigsten abgebildeten und daher auch medial am präsentesten. So kam es auch, dass im Laufe der Neunzigerjahre die Rufe immer lauter wurden, die dem Menschen so ähnlichen Tiere aus der Forschung zu nehmen. 1993 gerieten zum Beispiel in München Informationen über eine an sich bescheidene Versuchsreihe mit Makaken an die Öffentlichkeit. Die Neurologin, die die Experimente plante, erhielt Morddrohungen. Ein Kollege, der sich für sie einsetzte, bekam eine Briefbombe. Im gleichen Jahr forderte der umstrittene australische Ethiker Peter Singer, die Menschenrechte auf Menschenaffen auszudehnen.

Mittlerweile wird in Europa kaum noch Affenforschung betrieben. Eine Wissenschaftlergruppe, die die EU-Kommission berät, warnte im April 2002, dass der Forschung über Tuberkulose, Malaria, Hepatitis und Immunerkrankungen die Affen bald fehlen werden. Freilich waren bereits in den Achtzigerjahren Schimpansen zu Versuchszwecken in großer Zahl nachgezüchtet worden - auch mit Rücksicht auf den Erhalt einer in Westafrika bedrohten Unterart.

Diese Nachzüchtungen gelten als Hauptursache für den heutigen Schimpansen-Überschuss in den Laboren, der allein in den USA auf weit über tausend Tiere geschätzt wird. Dazu kommen diejenigen, die die Weltraumforschung, deren Schimpansenversuche noch heute weitgehend unter Geheimhaltung stehen, hinterlassen hat. Eine Rolle spielt aber auch die weitaus höhere Lebenserwartung der Affen, wenn sie nicht in freier Wildbahn leben: Schimpansen können in artgerechter Käfighaltung statt "wilde" 25 bis dreißig über fünfzig "domestizierte" Jahre alt werden.

Die Resozialisierung von Affen aus Versuchslabors ist derzeit nicht nur in Niederösterreich ein Thema. Im niederländischen Rijswijk warten etwa tausend aus der Forschung entlassene Primaten darauf, dass eine Lösung für sie gefunden wird. 15 Schimpansen, die in Rijswijk als Gruppe gehalten worden waren, sind vor einem Jahr vom Leipziger Zoo aufgenommen worden. Dort dauerte es zwei Monate, bis die Pfleger die Tiere mit Futterspuren dazu bringen konnten, das Außengehege zu erkunden. S. L.

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