Kranker Pharmamarkt

aus HEUREKA 3/02 vom 19.06.2002

Etwa 75 Milliarden Euro werden jährlich weltweit für medizinische Forschung und Entwicklung aufgewandt, davon jedoch nur etwa ein Zehntel für die Gesundheitsprobleme, die fast neun Zehntel der Weltbevölkerung plagen. Gegen Herzkrankheiten und Haarausfall kommen zwar stetig neue Präparate auf den Markt, aber im Schnitt nur alle zwei Jahre wird ein neues Medikament gegen eine Tropenkrankheit eingeführt.

Zum Beispiel Malaria. Die meisten Patienten werden immer noch mit dem billigen Chloroquin behandelt. Dabei richtet das vor 65 Jahren entwickelte Mittel gegen die meisten Erreger nichts mehr aus. Wegen der zunehmenden Resistenzen müsste die Forschung weitergehen, viel intensiver, als dies derzeit geschieht. Wirksamere Medikamente, Impfstoffe, gegen die die Erreger noch nicht resistent sind, aber auch mehr Zugang zu ärztlicher Versorgung könnten jährlich rund 15 Millionen Menschen retten, die an Infektionen sterben, schätzt die Organisation Ärzte ohne Grenzen, die derzeit in Österreich mit einer Wanderausstellung gegen vernachlässigte Krankheiten mobil macht.

Es ist kein Unternehmen bekannt, das an einem Medikament gegen die in aller Regel tödliche Schlafkrankheit arbeitet. Diese ist südlich der Sahara zwar wieder auf dem Vormarsch, doch mit den Betroffenen ist praktisch kein Geld zu verdienen. So kommt die Suche nach Wirkstoffen kaum über vorklinische Studien hinaus. Die Pharmaindustrie verschanzt sich hinter dem Argument, dass es mindestens 500 Millionen Euro koste, um ein Medikament erfolgreich auf den Markt zu bringen. Die US-Organisation Consumer Project hält diesen Wert um Faktor vier bis fünf übertrieben. Nichtsdestotrotz sind Wege gefragt, die Firmen dazu bringen, in Medikamente für die Dritte Welt zu investieren.

Bei Aids haben einige Länder Muskeln gezeigt: Brasilien und Indien haben bekannte Präparate im eigenen Land imitieren lassen und selbst festgesetzt, was die Patentträger für diese so genannten Zwangslizenzen erhalten. S. L.

Die Ausstellung "Gesundheit - ein Menschenrecht" ist vom 18. bis 21. Juni in Linz am Hauptplatz und vom 22. bis 25. Juni in Graz am Tummelplatz zu sehen.

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