Uni Lexikon

aus HEUREKA 4/02 vom 02.10.2002

A

Abbrecher, der Anteil der Studienanfänger, die die Hochschule später ohne Abschluss verlassen, schwankt in Österreich um 50 Prozent. Nur aus Italien ist ein deutlich höherer Anteil an A. von 66 Prozent bekannt. Als Ursachen gelten der freie Hochschulzugang, die Anonymität der Massenuniv., die die Studierenden (noch) nicht als Kunden begreift, mangelnde Didaktikkenntnisse unter den Lehrenden und das der Umstand dass viele A. auch ein abgebrochenes Studium als wertvoll empfinden ( Drop-Out-Kultur). Ihr Anteil unterscheidet sich deutlich nach Fachrichtungen (siehe oben).

Daten über die Arbeitslosigkeit und den Erwerbsanteil von A. liegen zwar nicht vor, aber erfahrungsgemäß werden diese vom Arbeitsmarkt gut aufgenommen. Teils ist das dadurch bedingt, dass der Abbruch zeitlich oft mit der Aufnahme einer festen Beschäftigung zusammenfällt. Teils liegt es daran, dass die A. während ihrer Studienzeit mehr Berufserfahrungen gesammelt haben, aber schlechtere Gehälter akzeptieren als Absolventen mit Abschluss.

Barbara Berkhuijsen, Peter Hiedl: Studienabbruch als Chance. Frankfurt/New York 2001: Campus.

AG, Abk. für Aktionsgemeinschaft, der ÖVP nahe stehende Studierendenfraktion, die aus dem Cartellverband hervorging. Bei den ÖH-Wahlen 2001 wurde die AG auf der Ebene der Bundesvertretung mit 15 Mandaten zwar stimmenstärkste Fraktion, regiert wird die ÖH aber von einem linken Bündnis von VSStÖ und GRAS.

www.aktionsgemeinschaft.at

Akademikermangel, wirtschaftlicher Standortnachteil. Der Anteil der Bevölkerung zwischen 25 und 64 Jahren mit einem Hochschulabschluss betrug 1999 in Österreich trotz freiem Hochschulzugang nur 12 Prozent (etwa auf dem Niveau von Tschechien, Mexiko oder Portugal), OECD-weit hingegen 25 Prozent. Um dem A. in Österreich abzuhelfen, werden zunehmend Studiengänge an Fachhochschulen eingerichtet und kürzere Univ.-Abschlüsse (Bachelor) eingeführt.

Akkreditierungsrat, seit März 2000 bestehendes, achtköpfiges Gremium, das über die Zulassung von Privatuniversitäten entscheidet und die Aufsicht über die akkreditierten Privatuniv. hat. Seit seiner Einrichtung hat der A. sechs Akkreditierungen ausgesprochen; Präsident des autonom entscheidenden A. ist Helmut Konrad, Historiker an der Univ. Graz.

Alma Mater [lat. Nährmutter], ursprünglich Beiwort für die römischen Göttinnen der fördernden Naturkräfte wie Tellus und Ceres (zuerst bei Lukrez); in übertragener Bedeutung seit dem 13. Jh. Bezeichnung für die Gesamtheit der Lehrenden und Lernenden einer Hochschule und schließlich für die Universität selbst. Die Metapher soll zum Ausdruck bringen, dass die A. M. ihre Angehörigen in den Wissenschaften nährt.

Alumni [von lat. alumnus = entlassener Schüler], Absolventen einer Univ., die sich nach ihrem Abschluss in A.-Clubs organisieren, soziale Kontakte pflegen, Geld spenden und Networking betreiben. Besonders in den USA verbreitet, 60 Prozent der Absolventen sind dort als A. registriert; da es an den USA keinen freien Hochschulzugang gibt, sind die Studenten stolz darauf, von ihrer Alma Mater aufgenommen worden zu sein. In Österreich gibt es (noch) keine ausgeprägte A.-Kultur. Aufgrund der fehlenden Sponsorenmentalität, mangelnder steuerlicher Anreize wie auch der schwachen Identifikation der Absolventen mit ihrer Hochschule sind die Rekrutierungserfolge bescheiden, und der erhoffte Geldregen ist bisher ausgeblieben. Die Univ. Wien hat derzeit etwa 3000 A. (jährlicher Beitrag für ordentliche Mitglieder: e 30), die TU Wien etwa 1300 (e 21,50), die Univ. Graz knapp 600 (e 26). Vergleichsweise am erfolgreichsten ist die WU Wien mit etwa 2200 A. (e 40). An der Univ. Innsbruck gibt es noch keinen gesamtuniversitären A.-Club.

www.alumni-clubs.net

Arbeitsmarkt, die Berufsaussichten für Hochschulabsolventen sind in Österreich traditionell gut. In der Vergangenheit war die Arbeitslosigkeit bei Akademikern rund halb so hoch wie im Bevölkerungsschnitt. In Österreich bleiben nur etwa 10 Prozent der Akademiker zwischen 25 und 64 Jahren dem Erwerbsleben fern, OECD-weit liegt dieser Anteil bei 15 Prozent (1999).

Da Career Center an österr. Univ. noch im Aufbau begriffen sind, ist jeder selbst fürs Bewerben und nötige Networking verantwortlich. Hochschulabsolventen verdienen in Österreich im Schnitt 39 Prozent mehr als Erwerbstätige mit einem mittleren Berufsabschluss. In Deutschland, den USA oder Großbritannien ist der Einkommensabstand höher, in den skandinavischen Ländern geringer. Einstiegsgehälter von Akademikern liege in Österreich allerdings deutlich unter denen in Deutschland. Der dort bekannte Schweinezyklus, wonach viele Studierende Fächer wählen, deren Absolventen zum Zeitpunkt des Studienbeginns am A. besonders gefragt sind, aber nicht mehr zum Zeitpunkt des Abschlusses, wurde in Österreich bislang nicht zum Problem, zumal wegen des Akademikermangels auch fachfremde Absolventen und Abbrecher Stellen finden.

Derzeit ist der A. für Akademiker in Österreich allerdings so schlecht wie lange nicht. Das liegt nicht nur an der schwächelnden Konjunktur, sondern auch daran, dass der Staat nicht mehr wie noch vor wenigen Jahren über die Hälfte der Absolventen aufnimmt, was vor allem Juristen und Lehrer trifft. An die Stelle fester Beschäftigungsverhältnisse treten zudem seit den Neunzigerjahren zunehmend freie Dienst- und Werkverträge. Aufgrund der sich rascher denn je ändernden Bedingungen des A. rät der Arbeitsmarkt-Service, sich auf dem Laufenden zu halten, u. a. anhand seiner nach Studienrichtung gebündelten Fachbroschüren, die etwa alle zwei Jahre aktualisiert werden und auf der Website zum Download bereit stehen.

Arbeitsmarkt-Service: Lexikon Akademische Berufe. Wien 2000.

Arbeitsmarkt-Service: Jobchancen Studium.

www.ams.or.at/b_info/index100.htm, www.uni-essen.de/isa

Assessment Center, Methode, Bewerber zu testen, die besonders bei Hochschulabsolventen gerne von mittleren und größeren Dienstleistungsunternehmen angewandt wird. Typisch sind Aufgaben, die in der Gruppe zu lösen sind. Bewerber werden bei Rollenspielen und im Gruppengespräch beobachtet, um ihre Teamfähigkeit und soziale Kompetenz zu bewerten. Experten raten zu engagiertem Auftreten im A. C., warnen jedoch davor, sich anders zu geben, als man ist.

Doris und Frank Brenner: Assessment Center. Gezielt vorbereiten und trainieren. München 2000: Koch Media.

Autonomie [griech. Selbstgesetzgebung], die Befugnis nicht-staatlicher Verbände und Körperschaften, zur Regelung der Rechtsverhältnisse ihrer Angehörigen im eigenen Namen bindende Rechtsformen aufzustellen. Die Univ. Wien hatte bis zu den Reformen Gerard van Swietens (1700-1772) Anfang der 1750er Jahre völlige A.; ein Vierteljahrtausend später werden die mittlerweile 18 staatlichen österr. Univ. mit Inkrafttreten des Universitätsgesetz 2002 aus der Obhut des Staates entlassen und wieder autonom. Universität.

B

Bachelor, Bakkalaureat [von lat. baccalaureus = Knecht, Novize, Inhaber des untersten akademischen Grades], erster Teil eines dreigliedrigen Studiensystems (B., Master, Doktorat), das im Zuge des Bologna-Prozesses an den europäischen Univ. implementiert werden soll. Der B., der auf sechs Semester angelegt ist, soll die Studiendauer verkürzen. An der Univ. Wien gibt es mittlerweile 13 B.-Studiengänge, die meisten davon im Bereich Informatik und Medizin, an der Univ. Innsbruck 8. Österreichweit ist der B. nur in 45 von insgesamt etwa 350 Studienplänen eingeführt, was etwa 13 Prozent entspricht. In Deutschland sind es prozentuell etwa gleich viel, während in den Niederlanden bereits im nächsten Jahr das neue Studiensystem flächendeckend eingeführt werden soll. Entscheidend für den Erfolg des B. wird die bisher noch zögerliche Akzeptanz des neuen Abschlusses von seiten der Wirtschaft sein.

www.univie.ac.at/studium/studienricht.html

Bildungsministerium, eigentlich: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (bm:bwk). Wie die meisten europäischen Länder hat Österreich seit 2000 wieder ein umfassendes B., in dem die Agenden Schule und Univ. zusammengeführt sind. Seit 1970 gab es statt des bis dahin üblichen Unterrichtsministeriums ein eigenes Wissenschaftsministerium, das für Universitäts-, aber nicht für Schulangelegenheiten zuständig war. Kehrseite der derzeitigen Kompetenzverteilung ist, dass drei Ministerien für die Agenden von Wissenschaft und Technologie zuständig sind.

www.bmbwk.gv.at

Bologna, Univ.-Stadt im Nordosten Italiens, 1999 Ort einer Konferenz von 29 europäischen Bildungsministern, die den B.-Prozess, die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes, in Gang setzten. Angestrebte Ziele sind die Vergleichbarkeit der Abschlüsse, die Erhöhung der Mobilität und der internationalen Wettbewerbsfähigkeit sowie eine institutionalisierte Qualitätskontrolle. Dazu gehört etwa die Einführung des Bachelor und des ECTS. Mittlerweile sind 35 europäische Länder am B.-Prozess beteiligt, der bis 2010 abgeschlossen sein soll - ein Zeitplan, der manchen Hochschulexperten angesichts der umfangreichen Reformen als zu ehrgeizig erscheint.

www.bologna.at

BSA, Abk. für Bund sozialistischer Akademikerinnen und Akademiker, Intellektueller und Künstlerinnen und Künstler, am 9.4.1946 gegründete Akademikervereinigung mit dem Anspruch, alle sozialdemokratischen und sozialistischen Intellektuellen Österreichs zu vertreten. Als linkes Gegenstück zum ÖVP-nahen Cartellverband beeinflusste der BSA - wenn auch weniger erfolgreich - die universitäre Personalpolitik der Nachkriegszeit. An der Spitze des BSA standen stets prominente Mandatare der Sozialdemokratie. Vorsitzender ist seit dem Juni 2002 der ehemalige Wissenschaftsminister Caspar Einem, der auch eine Aufarbeitung der Geschichte des BSA versprach. Der BSA kam zuletzt in die Diskussion, weil er nach 1945 etliche belastete NS-Parteigänger wie den berüchtigten Spiegelgrund-Psychiater Heinrich Gross aufgenommen hatte.

BUKO, Abk. für Bundeskonferenz des wissenschaftlichen und künstlerischen Personals der österr. Univ. mit Ausnahme der Professoren, Vertretungsorgan des Mittelbaus. Die BUKO besteht aus je zwei Vertretern der zwölf Univ. und sechs Kunstuniv. Österreichs. Sie erarbeitet Stellungnahmen zu Hochschulgesetzen, war bei den Reformdiskussionen mit ihrer Kritik letztlich aber nicht sehr erfolgreich. Vorsitzender der BUKO ist derzeit Reinhard Folk, Dozent für Theoretische Physik an der Univ. Linz.

www.buko.at

Burschenschaften, auf die Befreiungskriege gegen Napoleon zurückgehende, 1815 gegründete Bewegung, die auf den deutschen und österreichischen Universitäten insbesondere nach 1848 Fuß fasste. Bei allen Gemeinsamkeiten in der männerbündischen und hierarchischen Struktur von katholischen Verbindungen wie dem Cartellverband unterscheiden sich die traditionell rechtsgerichteten B. von jenen durch ihren Deutschnationalismus, ihre Skepsis gegenüber der liberalen Demokratie und durch das weitgehende Festhalten am schlagenden Prinzip (Mensur). Die B. haben in den Siebzigerjahren parallel zur Demokratisierung der Universitäten an Einfluss verloren.

C

Campusroman, literarisches Genre, das vor allem die zwischenmenschlichen Seiten des Universitätslebens - Boshaftigkeiten, Postenschacherei, Machtspiele und fleischliche Vergnügungen - satirisch beleuchtet. Die Autoren sind häufig Literaturwissenschaftler, die durch diesen Seitenwechsel ihre eigenen theoretischen Positionen als Schriftsteller erproben wie auch die Sinn- und Legitimationskrise der Geisteswissenschaften thematisieren können. Der C. stammt aus dem anglo-amerikanischen Raum (David Lodge, Malcolm Bradbury), in dem die Univ. auf einem großflächigen Campus ein eigenes Biotop bilden, da dort nicht nur gelehrt und gelernt, sondern auch gelebt und geliebt wird. Mitte der Neunzigerjahre wurde der C. auch im deutschen Sprachraum populär, vor allem durch Dietrich Schwanitz später auch verfilmten Roman "Der Campus". Österr. C. sind trotz der Eröffnung des Wiener Universitätscampus vor drei Jahren noch nicht erschienen.

Career Center, universitäre Einrichtung zur Unterstützung der Studierenden beim Übergang in den Arbeitsmarkt. Während C. C. im anglo-amerikanischen Bereich zum Standard gehören und zum Teil Dutzende von Mitarbeitern beschäftigen, fehlen diese in Österreich noch bzw. sind erst im Entstehen begriffen bzw. unterdotiert. Eine berufsbezogene Beratung wurde von vielen Univ. bis vor kurzem nicht als Aufgabe erkannt. Experten kritisieren vor allem die noch immer bestehende Trennung von Studien- und Berufsberatung. Erstere wird durch die ÖH durchgeführt, letztere ist häufig abhängig vom Engagement einzelner Dozenten. Mittlerweile bemühen sich aber auch die Alumni um die Berufs- und Karriereplanung der Absolventen.

alumni.univie.ac.at/alumni.html

Cartellverband, Vereinigung der katholischen österr. Studentenverbindungen (meist CV abgekürzt, richtig ÖCV), umfasst 44 farbentragende Verbindungen, die das Schlagen von Mensuren (Zweikämpfe mit blanker Waffe) ablehnen und sich dem katholischen Glauben, der Pflege der Wissenschaft, der Vaterlandsliebe und der Lebensfreundschaft verpflichtet fühlen. Der CV hat insgesamt ca. 12.000 Mitglieder (2000 Studenten, 10.000 Akademiker); der einst bedeutsame (universitäts-)politische Einfluss des C. ist seit den Siebzigerjahren zurückgegangen; zahlreiche prominente Mitglieder wie z. B. Bundespräsident Thomas Klestil.

CHE, Abk. für Centrum für Hochschulentwicklung. Das CHE in Gütersloh wurde 1994 als gemeinnütziges Forschungsinstitut gemeinsam von der deutschen Hochschulrektorenkonferenz und der Stiftung des Medienkonzerns Bertelsmann gegründet, um organisatorische und institutionelle Reformen an deutschen Hochschulen zu unterstützen. Das von Detlef Müller-Böling geleitete CHE gilt im deutschsprachigen Raum als führende Autorität zu Studiengebühren und Evaluation und wird 2003 ein Ranking der österr. Univ. durchführen.

www.che.de

College, universitäre Organisationsform bzw. Institution, die vor allem im anglo-amerikanischen Bereich anzutreffen ist. Ein Großteil der Studierenden durchläuft in drei- bis vierjährigen Studiengängen nur das C., um mit einem Bachelor abzuschließen und dann ins Berufsleben einzusteigen. Weiter führende Abschlüsse (Master, PhD) werden in den Graduate Schools vergeben, die allerdings nicht von allen Univ. angeboten werden. Die im Bologna-Prozess europaweit angestrebten Hochschulreformen nähern sich diesem System an.

Curriculum [lat. Ablauf des Jahres, Weg], veraltet für Studienpläne.

D

Didaktikkenntnisse, professionelle Aufbereitung und Vermittlung von Wissen. In Österreich ist es den Dozenten selbst überlassen, sich D. anzueignen. Alle wissenschaftlichen Univ. haben Stellen, die Weiterbildungen anbieten. Bei der Evaluierung ihrer Lehre können die Dozenten davon profitieren, doch gute D. haben hierzulande bloß den "Vorteil", dass man mehr Studenten betreuen muss und weniger Zeit für die Forschung oder andere Aktivitäten bleibt. Andere Belohnungen für gute D. sind nicht vorgesehen.

Schlechte D. werden von Bildungsforschern allerdings nur als zweitrangiges Problem der Wissensvermittlung an österr. Univ. gesehen. Als Hauptproblem gilt die Strukturierung der Studienpläne nach den Bedürfnissen der Lehrenden statt der Lernenden. Gefordert wird ein Übergang vom klassischen Konzept des Informationsangebots zur Wissensvermittlung als problemorientiertem Prozess, in dem der Lernende Mittel- und Ausgangspunkt ist. Auch die neuen Studienpläne der Medizin-Fakultäten versuchen diese Wende.

Diploma Supplement, ECTS

Drittmittel, Gelder, die nicht direkt vom Staat an die Univ. fließen ( GUF), sondern von den Univ. bzw. ihren Instituten selbst eingeworben werden. Diese Mittel können entweder wieder von öffentlicher Hand, wie etwa die Mittel, die vom Wissenschaftsfonds FWF für beantragte Projekte bzw. Forschungsschwerpunkte vergeben werden, aus den Fördertöpfen der EU oder aus dem Bereich der Wirtschaft (private D.) kommen. An Österreichs Univ. ist der Anteil der D. auch deshalb besonders niedrig, weil sie bislang nicht voll-, sondern nur teilrechtsfähig waren ( Vollrechtsfähigkeit).

Drop-Out-Kultur, Bezeichnung des Wiener Bildungsforschers Frank Landler für die in Österreich weit verbreitete Akzeptanz bzw. Ignoranz gegenüber dem Bildungsversagen erheblicher Teile der Bevölkerung. Nur die Hälfte erreicht hierzulande den Mittelschulabschluss, ohne eine Klasse wiederholen oder unfreiwillig die Schule wechseln zu müssen. Das setzt sich an den Univ. mit einem im internationalen Vergleich sehr hohen Anteil von Abbrechern fort. Das Gegenteil der D. ist einerseits in China oder Korea zu beobachten, wo das Scheitern eines Schülers als Schande für dessen Klasse, Schule und insbesondere auch Familie betrachtet und deshalb unter großer Anstrengung zu vermeiden gesucht wird, andererseits auch bei vielen renommierten Hochschulen weltweit, die zwar bei der Zulassung stark selektieren, dafür jedoch ihre Studierenden so betreuen, dass die große Mehrheit den Abschluss schafft.

E

ECTS, Abk. für European Credit Transfer System, ein Punktesystem, das Studienleistungen und -abschlüsse europaweit vergleich- und übertragbar machen und so die studentische Mobilität fördern soll. Durch die Einführung der neuen Studienpläne ist das ECTS mittlerweile an fast allen österr. Univ. eingeführt. Das ECTS ist keine qualitative Leistungsbeurteilung ( Notensysteme), sondern ein "quantitativer" Nachweis, dass entsprechende Vorlesungen und Seminare besucht wurden. Pro Semester sind jeweils 30 Credits zu vergeben. Ergänzt wird das ECTS durch das Diploma Supplement, eine detaillierte Beschreibung des Studienabschlusses. Vor Beginn des Auslandsstudiums ( Praxistipp) stellt sich der Student eine Art "Speiseplan" zusammen, der der Zustimmung von Dozenten sowohl der Heimat- als auch der Auslandsuniv. bedarf. Das ECTS ist somit zur Sicherung der Qualität auf eine Vertrauensbasis zwischen den Univ. angewiesen, was angesichts der bereits über 1300 beteiligten Univ. eine große Herausforderung darstellt. Bologna

www.univie.ac.at/international/ects

Ehrendoktorat, Dr. honoris causa bzw. Dr. h.c., akademischer Ehrentitel, der von einer Univ. aufgrund von besonderen wissenschaftlichen, zuletzt aber auch immer häufiger aufgrund von außerwissenschaftlichen Verdiensten verliehen wird. Während an den staatlichen österr. Univ. vergleichsweise strenge Richtlinien gelten, die eine Zuerkennung eines Ehrendoktorats genau regeln, gibt es an vielen ausländischen Univ. großzügigere Regelungen, wie einige Beispiele des Jahres 2002 zeigen. So erhielt der niederländische Trainer Guus Hiddink nach dem Semifinaleinzug des von ihm betreuten südkoreanischen Nationalteams ein E. der Sejong-Univ. Seoul, Popstar Elton John erhielt kürzlich ein E. der britischen Royal Academy of Music. Bereits dreifacher Dr. h.c. ist Arnold Schwarzenegger, eines seiner E. wurde ihm von der österr. Privatuniversität IMADEC im Jahr 2001 zuerkannt.

Erstsemestrige, Studienanfänger bzw. Erstzugelassene. Nach Einführung der Studiengebühren zum Wintersemester 2001 ging ihre Zahl an den Univ. gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent zurück ( Immatrikulation). Etwa 22 Prozent eines Geburtsjahrgangs treten ein Studium an. 63 Prozent der E. haben die Matura an einer Allgemeinbildenden Höheren Schule erworben. 65 Prozent der E. sind 18 oder 19 Jahre alt, weitere 25 Prozent sind 20 oder 21 Jahre alt.

Fast jeder zweite E. wohnte 1998 noch im Hotel Mama, gut 20 Prozent bezogen ein Studentenheim, ihr monatliches Budget entsprach damals durchschnittlich 580 Euro unter Anrechnung familiärer Naturalleistungen. Moderne Univ., die sich als Dienstleister und ihre Studierenden als Kunden begreifen, mühen sich besonders in den ersten Wochen, einen guten, aber auch verbindlichen Eindruck zu hinterlassen. In Österreich sind E. oft früh als Einzelkämpfer unterwegs und von Uni-Angst bedroht.

Hans-Werner Rückert: Studieneinstieg, aber richtig! Frankfurt/ New York 2002: Campus.

Evaluierung [von engl. value = Wert], Schlüsselbegriff in den universitären Reformdiskussionen. Durch E. von Forschungs- und Lehrleistungen soll deren Qualität eingeschätzt und letztlich erhöht werden. Grundsätzlich wird bei Forschungs-E. zwischen Bewertungen durch Fachkollegen (peer-review) und szientometrischen Verfahren unterschieden, die den Forschungsoutput quantitativ messen. E. der Lehre werden auf der Basis von Studierendenbefragungen vorgenommen. In Österreich wurde mit E. von Forschung und Lehre vergleichsweise spät begonnen. Die bislang durchgeführten E. erwiesen sich zumeist als eher ineffektive und folgenlose Versuche der Qualitätskontrolle. Expertinnen wie die Psychologin Christiane Spiel bemängelten zudem die hohen Kosten der bisherigen Lehr-E.

F

Fachhochschule, berufsvorbereitende wissenschaftliche Hochschule. Gab es noch Mitte der Neunzigerjahre weniger als 1000 Studierende an F., sind es mittlerweile 18.000 Studierende in 127 Studiengängen an 23 Orten. Die Gründung von F. geht in der Regel auf die Initiative der jeweiligen Bundesländer zurück. Etwa die Hälfte der F. werden als GesmbH geführt, die übrigen von Vereinen, einer Stiftung, einer Kammer und dem Bundesheer. Im Gegensatz zur Universität herrscht Anwesenheitspflicht und ein fester Stundenplan. Das Studium dauert sechs oder acht Semester und umfasst auch ein Praktikum von vier bis sechs Monaten. Übersteigt die Zahl der Bewerber die der Studienplätze, entscheiden Eignungstest und Vorstellungsgespräch. Neben der Matura oder einem Berufsschulabschluss kann bei der Zulassung auch einschlägige Berufspraxis anerkannt werden. Unter der schlechten Situation am Arbeitsmarkt leiden derzeit auch F.-Absolventen.

www.fhr.ac.at, www.fachhochschulen.at

Fakultät, ein bestimmtes Fachgebiet umfassende Lehr- und Verwaltungseinheit einer Univ. Traditionell verfügte eine Univ. über vier F.: Medizin, Jurisprudenz, Theologie und Philosophie. Durch das Aufkommen von Naturwissenschaften und Technik kamen ab Mitte des 19. Jh. weitere hinzu. So verfügt z. B. die Univ. Wien derzeit über acht F. Für Kritiker ist die F. Inbegriff der Wirklichkeitsferne und disziplinären Starre ( Interdisziplinarität) der Hochschulen. Ein geflügeltes Wort lautet: "Die Gesellschaft hat Probleme, die Universität Fakultäten."

Infolge der Reform der Entscheidungsstrukturen an den österr. Univ., die dem Rektor und dem neu zu gründenden Universitätsrat wichtige Funktionen zuspricht, verlieren die F. ihre prominente Stellung in der nun steileren Hierarchie der Univ. Dieser Bedeutungsverlust war mit ein Grund dafür - nach langwierigen Diskussionen und gegen den Widerstand etwa des Rektors der Univ. Wien Georg Winckler -, die medizinischen F. in Graz, Innsbruck und Wien auszugliedern und als Medizinuniv. neu zu gründen. Diese Medizinuniv. sollen in der Lage sein, ihr großes Budget und die Führung eines Klinikbetriebs selbst zu verwalten bzw. zu organisieren.

Immanuel Kant: Der Streit der Fakultäten, Königsberg 1798: Nicolovius.

Fortsetzungsmeldung, Finanztransaktion. Nach der Immatrikulation zum Studium muss jedes Semester eine F. qua Erlagschein erfolgen; zu beachten sind die Inskriptionsfristen.

Freier Hochschulzugang, langjähriges Tabu, an dem kein Politiker in Österreich rütteln wollte. Der f. H. fand zwar in einigen Ländern (Litauen, Bulgarien, Weißrussland) in den Neunzigerjahren noch Eingang in die Verfassung, ist aber international auf dem Rückzug. In Österreich galt der f. H. weit reichend seit der Abschaffung der Studiengebühr 1971 bis zu ihrer Wiedereinführung im vorigen Jahr und in eingeschränkter Form noch immer. Die Univ. können Männer und Frauen mit bestandener Matura weder wegen schlechter Noten noch mangels Eignung ablehnen und übernehmen im Gegenzug keine Verantwortung für deren Studienerfolg. In der Folge fühlen sich auch die Studierenden frei von der Verpflichtung, ihre Bildungschance zu nutzen ( Drop-Out-Kultur).

FWF, Abk. für Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung bzw. Wissenschaftsfonds. Der seit 1967 bestehende FWF ist Österreichs zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung. Da Österreich über relativ wenige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen verfügt und ein Gutteil der Grundlagenforschung von den Univ. geleistet wird, ist der FWF deren wichtigste Quelle von Drittmitteln. Er orientiert sich in seiner Tätigkeit an den Maßstäben der internationalen Scientific Community, sämtliche Gutachten von eingereichten Projekten stammen von ausländischen Forschern. Der überwiegende Anteil der Fördergelder (2001 betrug das Budget 91 Mio. e) geht in Forschungsprojekte und wird damit zur Finanzierung der Gehälter von meist jungen Forschern verwendet. Neben diesen Forschungsprojekten mit einer Laufzeit von bis zu 3 Jahren fördert der FWF Forschungsschwerpunkte (Laufzeit 5 bzw. 10 Jahre), zahlreiche verschiedene Stipendien für junge Wissenschaftler ( Nachwuchskrise) und Preise (START-Preis, Wittgenstein-Preis).

www.fwf.ac.at

G

Gaddafi, Saif al-Islam [arab. Schwert des Islams], Architekt, Hobbymaler, Vorsitzender der G.-Stiftung für Wohltätigkeit, ältester Sohn des libyschen Revolutionsführers Muammar al-G., * 1972 Tripolis, absolvierte zwischen 1997 und 2000 ein Postgraduate-Studium an der Wiener Privatuniversität IMADEC. Erhielt erst nach einigem diplomatischem Tauziehen eine Aufenthaltsbewilligung zu Studienzwecken, da man ein erhöhtes Sicherheitsrisiko befürchtete bzw. G. verdächtigte, im Auftrag seines Vaters tätig zu werden. Durch mehrere gemeinsame Auftritte machten G. und Jörg Haider, Vorsitzender der österr.-libyschen Gesellschaft, ihre Freundschaft öffentlich. So erschien Haider zu G. Zertifikatsverleihung an der IMADEC mit einem Kärntner Geschenkkorb.

www.gaddaficharity.org

Gehrer, Elisabeth, Lehrerin und Politikerin, * 11.5.1942 Wien, 1961-1966 Volksschullehrerin, begann ihre politische Karriere 1980 in Bregenz als ÖVP-Stadträtin für Musik und regionale Zusammenarbeit; 1984 zog G. in den Vorarlberger Landtag ein, 1990 wurde sie als erste Frau Mitglied der Vorarlberger Landesregierung, zuständig für die Bereiche Schule, Weiterbildung, Wissenschaft, Frauen, Jugend, Familie, Gemeindeentwicklung, Energiesparen und Entwicklungshilfe. Von 1995 bis 2000 war G. Bundesministerin für Unterricht und kulturelle Angelegenheiten, im Februar 2000 erfolgte die Angelobung als Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur. G. gibt als ihre Hobbys Bergsteigen, Schifahren, Tennis, Lesen, Reisen und Musik, als ihre Eigenschaften Offenheit, Ehrlichkeit und Ungeduld an.

Gender Mainstreaming [engl. die Geschlechter auf gleiche Höhe bringen], modischer Ausdruck für Programme, die Frauen gleiche Bildungs- und Karrierechancen geben sollen, weil Führungskräfte in der Wirtschaft, aber auch an Univ. überwiegend Männer sind. Nur 7 Prozent der österr. Professuren wurden im Studienjahr 2000/2001 von Frauen eingenommen. Bei den Assistentenstellen betrug der Frauenanteil 26 Prozent, bei den Erstabschlüssen im gleichen Jahr 49 Prozent und unter den Erstsemestrigen bereits 61 Prozent, womit Österreich eine Entwicklung nachvollzieht, die in einigen OECD-Ländern bereits fünf bis zehn Jahre früher zu beobachten war. Die Herausforderung beim G. M. im Bildungsbereich wird künftig auch darin bestehen, männlichen Schülern gleiche Chancen zu schaffen.

GRAS, Abk. für Grüne und Alternative Studierende Österreichs, den Grünen nahe stehende Studierendenfraktion. Bei den ÖH-Wahlen 2001 erhielt die GRAS 12 Mandate und regiert in der ÖH in einem linken Bündnis. www.gras.at

GUF, Abk. für General University Funds. Mit dem GUF werden jene Mittel bzw. Transferzahlungen bezeichnet, die vom Staat direkt an die Univ. fließen - im Gegensatz zu den Drittmitteln. In Österreich ist der GUF im internationalen Vergleich traditionell besonders hoch: Während etwa in Großbritannien der GUF bereits Mitte der Neunzigerjahre nur mehr rund 37 Prozent des Hochschulbudgets ausmachte, betrug er in Österreich noch mehr als 80 Prozent.

H

Habilitation, Erwerb der Lehrberechtigung ( venia legendi) an Univ. Voraussetzungen für eine H. sind Promotion, Einreichung einer H.-Schrift bzw. mehrerer wissenschaftlicher Arbeiten (kumulative H.), öffentlicher Probevortrag vor der H.-Kommission. Zusätzlich zu diesen formellen wissenschaftlichen Bedingungen spielt informell auch eine wichtige Rolle, ob der Habilitand so viele soziale Beziehungen ( Networking) geknüpft hat, dass mit einer wohl gesonnenen H.-Kommission zu rechnen ist. Bislang war die H. in deutschsprachigen Ländern Voraussetzung dafür, eine Professur zu erhalten; durch das neue Hochschullehrerdienstrecht verliert die H. diese Bedeutung. Nothabilitation

Heterogenisierung, zunehmendes Auseinanderklaffen der Lebenswelten österr. Studierender. Nur etwa 40 Prozent gehen einem "Normalstudium" nach, richten ihr Leben also ohne oder bei geringer Erwerbstätigkeit an der Univ. aus. Die H. reicht von im Studentenheim oder im Hotel Mama lebenden, jungen Vollzeitstudenten über mehrere Tausend studierende Beamte bis zu Einzelfällen wie einem 60 Jahre alten Wiener Seniorenstudenten, der seit 84 Semestern in Architektur eingeschrieben ist.

Hidden curriculum [engl. versteckter Lehrplan], Vorstellung, dass es in einer Ausbildung neben den formellen Inhalten einen versteckten Studienplan gibt. Die positive Interpretation betont Ziele wie Teamfähigkeit, soziale Kompetenz und Motivation. Es gibt aber auch eine kritische Lesart, die dem H. c. unterstellt, die Ungleichheiten zwischen Klassen, Bildungsniveaus und Geschlechtern einzuüben und zu vertiefen. Zum H. c. eines Studiums rechnet man das Erlernen des Lernens selbst, der universitären Spiel- und Standesregeln ( Homo academicus) und wie man sich als Fachexperte legitimiert und verkauft. Unter den chaotischen Bedingungen einer Massenuniv. ein Studium zu organisieren, darf als Teil des H. c. gesehen werden.

Eric Margolis (Hg.): The Hidden Curriculum in Higher Education. New York 2001: Routledge.

Hochschullehrerdienstrecht, Gesetzesmaterie, die die Anstellungsverhältnisse von Univ.-Lehrern regelt. Das neue H., das mit 1.10.2001 in Kraft trat, sieht fünf Anstellungskategorien vor. Das erste Dienst- bzw. eigentlich Ausbildungsverhältnis nennt sich Wissenschaftlicher Mitarbeiter und soll vor allem dazu dienen, innerhalb von vier Jahren eine Dissertation zu verfassen. Danach ist mit der Univ.-Karriere Schluss - es sei denn, eine Stelle als Universitätsassistent ist frei und die Bewerbung erfolgreich. Diese Stelle ist auf sechs Jahre befristet und umfasst Forschungs-, Lehr- und Verwaltungstätigkeit. Für den Aufstieg in die nächsthöhere Anstellungskategorie, den Vertragsprofessor, der auf sieben Jahre begrenzt ist, braucht es neben "hervorragenden Qualifikationen in Forschung und Lehre" ebenfalls eine freie Stelle - aber nicht mehr notwendigerweise eine Habilitation. Unbefristet sind die Verträge des Universitätsprofessors, zu dem man als Vertragsprofessor nach einem Peer-review-Verfahren aufsteigen kann. Ebenfalls unkündbar sind so genannte Staff Scientists, die wissenschaftlich hoch qualifiziert sind und sich insbesondere um die Benützung der oftmals sehr teuren Apparaturen kümmern. Das neue H. bedeutet damit auf der einen Seite das Ende des traditionellen Univ.-Beamten ( Zupragmatisierung) und wird in den nächsten Jahren eine Zwei-Klassen-Gesellschaft von Univ.-Beamten nach dem alten H. und den befristeten Univ.-Angehörigen des neuen H. bringen. Kritik wurde daran geäußert, dass selbst bei ausgezeichneten wissenschaftlichen und didaktischen Leistungen eine Karriereplanung kaum möglich ist.

Höllinger, Sigurd, Sektionschef im Bildungssministerium und Soziologe, * 10.4. 1940, Studien der Technischen Physik, Ethnologie und Soziologie (Dr. phil.), Habilitation über "Angewandte Soziologie im Bildungswesen". Lehrtätigkeit an der TU Wien u. a. über Bürokratie, staatliche Planung, soziale Bewegungen. Seit 1970 Leiter der Abt. Planung und Statistik, seit 1986 Leiter der Hochschulsektion. Zahlreiche Studien, Aufsätze und Beiträge zur Bildungsplanung und -soziologie, u. a.: Universität ohne Heiligenschein. Aus dem 19. ins 21. Jahrhundert. Wien 1992: Passagen Verlag; (Hg.): Die neuen Universitäten in Europa. Konzepte und Erfahrungen. Wien 2001.

Homo academicus [lat. akademischer Mensch], Titel eines Hauptwerkes (1984, dt. 1988) des französischen Soziologen Pierre Bourdieu (1930- 2002). Im Widerspruch zum "offiziellen" Selbstverständnis des französischen Bildungswesens - egalitär, offen für alle Schichten - wies Bourdieu nach, dass sich die französische Geisteselite selbst reproduziert. Soziale Aufsteiger aus der Arbeiterschaft oder dem Kleinbürgertum - wie etwa Bourdieu selbst - gehören zu den Ausnahmen. Zu den Reproduktionsmechanismen gehören bessere Bildungschancen bereits in der Schule, gesellschaftliche Netzwerke, vor allem aber der s. g. Habitus. Dieser Schlüsselbegriff Bourdieus steht für verinnerlichte Praktiken der Abgrenzung nach "unten" und der Identifikation nach "innen". Während sich Akademiker für selbstbestimmt halten, wies Bourdieu nach, dass gerade so alltägliche bzw. persönliche Dinge wie Kleidung, Vorlieben, Sprache und Manieren des H. a. durch das univ. Milieu bestimmt sind. H. a. bezieht sich auf das elitäre und sozial exklusive französische Hochschulsystem, lässt sich mit Einschränkungen aber auch auf andere Hochschulsysteme übertragen. So lebt der H. a. austriacus sein Distinktionsbedürfnis durch eine hochkomplex e Titelkultur aus.

Pierre Bourdieu: Homo academicus. Frankfurt a.M. 2002: Suhrkamp.

Hotel Mama, der Anteil bei den Eltern wohnender Studierender hat in den Neunzigerjahren deutlich von 36 Prozent 1993 auf 26,5 Prozent 1998 abgenommen. Dennoch war H. M. zum Zeitpunkt der letzten Erhebung zur sozialen Lage der Studierenden die häufigste Form vor dem alleine Wohnen, dem gemeinsamen Haushalt mit Partner oder Partnerin, der Wohngemeinschaft und dem Studentenheim. Letzteres war 1980 noch die häufigste Wohnform, verliert aber zunehmend an Anziehungskraft, sodass auch zu Beginn des Wintersemesters in Wien Wohnheimplätze frei sind. Studierende, die nicht im H. M. logieren, wenden im Schnitt etwa ein Drittel ihres Budgets fürs Wohnen auf.

Humboldt, Wilhelm Freiherr von, Gelehrter und Staatsmann, * 22.6.1767 Potsdam, 8.4. 1835 Tegel, in universitätspolitischen Debatten der Gegenwart immer wieder beschworener Reformator. H. leitete von 1809 bis 1810 die preußische Kulturpolitik, reformierte die Elementarschule sowie das Gymnasium und gründete 1810 die (heutige Humboldt-) Universität Berlin, die erste "moderne" deutsche Univ. Die von ihm eingeführten Neuerungen gingen als Humboldtsche Universitätsreform in die Geschichte ein.

Humboldtsche Universitätsreform, Wilhelm von Humboldt zugeschriebene Umgestaltung der deutschen Univ., die eine Verbindung von Forschung und Lehre brachte und die Univ. zu Institutionen machte, an denen systematisch geforscht wurde. Wissenschaftshistoriker weisen darauf hin, dass die H. U. und ihre Maximen "Bildung durch Wissenschaft" bzw. "Freiheit und Einheit von Forschung und Lehre" eigentlich Denkern wie Immanuel Kant, Johann Gottlob Fichte und Friedrich Daniel Schleiermacher zuzuschreiben sind, da diese Grundsätze in den hochschulpolitischen Schriften Humboldts gar nicht vorkommen. Universität

Mitchell G. Ash (Hg): Mythos Humboldt. Vergangenheit und Zukunft der deutschen Universitäten. Wien/Köln/Weimar 1999: Böhlau.

I

Immatrikulation [von lat. matricula = öffentliches Verzeichnis], Zulassung zu bzw. Einschreibung an einer Univ. Ob der Rückgang der I. (2000: 26.813, 2001: 23.112) an den österr. Univ. auf die Einführung der Studiengebühren im Herbst 2001 zurückzuführen ist, ist umstritten; der Rückgang der Gesamtstudierendenzahl um über 45.000 (2000: 227.948, 2001: 182.821) ist hingegen erwartet worden (Zahlen jeweils zum Wintersemester, nur ordentliche Studierende).

Inskription [von lat. inscribere = in oder auf etwas schreiben], veraltet für Fortsetzungsmeldung; s. a. Inskriptionsfrist.

Inskriptionsfrist, Anmeldungszeitraum für die Inskription bzw. Fortsetzungsbestätigung an den Univ. Die I. für dieses Wintersemester endet

am 14.10. an der Musik-Univ. Graz,

am 18.10. Univ. für Veterinärmedizin in Wien,

am 25.10. Univ. Graz, TU Graz, Univ. Klagenfurt, Montanuniv. Leoben, Univ. Linz, Univ. Salzburg, Akademie der bildenden Künste Wien, Musik-Univ. Wien, Kunst-Univ. Linz,

am 28.10. Wirtschaftsuniv. Wien,

am 29.10. Univ. Wien,

am 30.10. Donau-Univ. Krems,

am 31.10. Tu Wien, Univ. für Bodenkultur, Univ. Innsbruck, Univ. für angewandte Kunst Wien, Mozarteum Salzburg.

Die Nachfrist, das Ende der allgemeinen Zulassungsfrist, endet am 30.11.

Interdisziplinarität, wissenschaftliche Zusammenarbeit über disziplinäre Grenzen hinweg. An Univ. aufgrund ihrer strengen Einteilung in Fakultäten bzw. Studienrichtungen eher selten gepflogene Form der Wissenschaftspraxis. Am Wiener Standort des Interuniversitären Instituts für Forschung und Fortbildung (IFF) ist seit dem Jahr 2001/02 ein Studium Integrale möglich, das systematisch mit verschiedenen Disziplinen in Natur- und Geisteswissenschaften bekannt macht und ganz auf I. setzt.

J

Juniorprofessuren, zusätzliche Stellen, die an deutschen Univ. in jüngster Zeit für Nachwuchswissenschaftler eingeführt wurden. Durch die J. wird Post-Docs die Möglichkeit geboten, früher selbstständig zu arbeiten. Damit soll die wissenschaftliche Berufslaufbahn für junge Forscher wieder attraktiver und die notorische Nachwuchskrise vor allem in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern entschärft werden.

K

Kippen, umgangssprachliche Bezeichnung für die Umsetzung des UOG 93 an den österr. Univ. Dieser Prozess vollzog sich vergleichsweise langsam: So wurde das K. der Univ. Wien ins UOG 93 erst am 1.1.2000 abgeschlossen. Die Umsetzung des Universitätsgesetzes 2002 soll dagegen sehr viel rascher erfolgen und bis zum 1.1. 2004 abgeschlossen sein.

Kunden, Leitbild vom neuen Verhältnis zwischen Studierenden und Univ. als Dienstleister, das den Charakter eines Vertrags annimmt. Studierende als K. erwarten hohe Standards, professionelle Dozenten, Zugang zu Lehrenden und Lehrstoff, die wirtschaftliche Verwertbarkeit des Studiums, Transparenz der Anforderungen und Angebote, Teilzeit- und modulare Studienformen, aber auch eine aktiv teilnehmende Rolle. Univ. müssen dabei lernen, mit Beschwerden ihrer K. professionell umzugehen und bei ihrem Werben um K. nicht zu viel zu versprechen. So berichtete das britische Times Higher Education Supplement über Studierende, die ihre Univ. geklagt haben, weil die Studienbedingungen nicht den Werbeprospekten entsprachen.

OECD (Hg.): Responding to Student Expectations. Paris 2002.

M

Master, Bachelor, MBA

Mautz, Andrea, ÖH-Vorsitzende und Studentin, *28.1.1976 Bad Ischl, seit 1998 Jusstudium zunächst in Linz, dann in Wien. Seit Studienbeginn hochschulpolitisch engagiert. Als Spitzenkandidatin des VSStÖ seit Juli 2002 Vorsitzende der Bundesvertretung der ÖH. M., deren Amtsperiode im Sommer 2003 endet, tritt für eine politisch engagierte ÖH ein, die über eine Serviceeinrichtung hinaus geht.

MBA, Abk. Master of Business Administration, Abschluss eines Zweitstudiums im Fach Unternehmensführung. Aufgrund seiner Praxisorientierung und der vorrangigen Bearbeitung von Fallstudien setzen renommierte US-Universitäten und Business Schools bei der Aufnahme Berufspraxis voraus. Zunächst durch deren Ableger, mittlerweile zunehmend durch Gründung von Privatuniversitäten und Einrichtung englischsprachiger Studiengänge an Wirtschaftsfakultäten gewinnt der M. in Europa an Verbreitung. Die Qualität der Studiengänge bewertet die europäische Zertifizierungsstelle EQUIS. In Österreich gibt es mittlerweile zwölf Anbieter.

In den USA, wo der MBA jährlich rund 100.000-mal vergeben wird, ist der in der Regel mit hohen Gebühren verbundene Abschluss in den letzten Jahren in die Kritik geraten. Galt er früher als Karrieregarant und Einkommensmultiplikator, sehen neuere Studien sogar einen negativen Zusammenhang zwischen Titel und Einkommen. Berichte über Fehlleistungen von Führungskräften mit MBA häufen sich in der Presse. Absolventen beklagen, dass ihnen zwar beigebracht wird, ein Unternehmen im Sinn der Aktionäre zu führen, bemängeln aber die fehlende Vermittlung sozialer Kompetenz.

Medizinuniversitäten Fakultäten.

Mentoring [engl. Ratgeben], Begriff, der sich von der antiken Sagengestalt Mentor herleitet, der sich während Odysseus Irrfahrten um dessen Hauswesen kümmerte und für die Erziehung von dessen Sohn Telemach sorgte. Heute wird unter M. zumeist die gezielte Unterstützung von Professorinnen für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs verstanden bzw. die Stärkung von anderen Gruppen, die unterrepräsentiert sind. Diese Strategie soll ein Gegengewicht zu den bisher üblichen, männerdominierten Seilschaften ( Burschenschaften, Cartellverband) darstellen und das Gender Mainstreaming an den Univ. befördern.

Eva Schliesselberger und Sabine Strasser: In den Fußstapfen der Pallas Athene? Möglichkeiten und Grenzen des Mentoring von unterrepräsentierten Gruppen im universitären Feld. Wien 1998: bmwv.

Mittelbau, Bezeichnung für das akademische Personal an den Univ. ohne die Professoren, also Assistenten und (habilitierte) Dozenten. Der M. wird politisch durch die BUKO vertreten. Neben den Studierenden und den Professoren stellt der M. eine der drei traditionellen Kurien an der Univ. Das neue Universitätsgesetz 2002 wird für den M. einen Verlust an Mitbestimmung bringen.

Mobilität, die Bereitschaft Studierender, einen Teil ihres Studiums fern ihrer Heimatuniv. zu absolvieren, gemeint ist in der Regel im Ausland. Das Auslandsstudium soll dazu dienen, Sprachen zu lernen, die Berufschancen zu verbessern und den persönlichen Horizont zu erweitern. Einzelne Kritiker beklagen einen M.-Wahn, obwohl österr. Studierende im internationalen Vergleich bislang eine unterdurchschnittliche M. zeigen. Diese ist durch Austauschprogramme wie Sokrates oder Erasmus kontinuierlich im Steigen begriffen. Hatten von 13.987 Absolventen des Jahrgangs 1996/97 lediglich 2670 einen Auslandsaufenthalt absolviert (19 Prozent), waren es von den 13.303 Absolventen des Jahrgangs 2000/01 bereits 3682 (28 Prozent). Bei den zwischen 1995 und 2001 geförderten Auslandsaufenthalten entfielen die meisten auf Großbritannien, gefolgt von den USA, Frankreich, Spanien und Italien (s. auch Grafik). Die M. soll durch das ECTS und miteinander kompatible Notensysteme weiter erhöht werden.

N

Nachwuchskrise, notorische Problematik insbesondere an deutschen und österr. Univ., begabten jungen Wissenschaftlern bzw. Post-Docs stabile Karrierechancen bzw. ausreichende Möglichkeiten zum selbstständigen Arbeiten zu bieten. Die N. hat mehrere Ursachen, die von der fast nur im deutschen Sprachraum unentbehrlichen Habilitation bis zur Zupragmatisierung der Univ. reichen. Selbstständiges Arbeiten wird an österr. Univ. im Vergleich etwa zum angloamerikanischen jedenfalls erst sehr spät möglich: So sind Leiter von Projekten des FWF im Schnitt 47 Jahre alt. Nobelpreisträger erbringen ihre ausgezeichneten Arbeiten hingegen im Schnitt mit rund 35 Jahren. In Deutschland wurden zur Entschärfung der N. Juniorprofessuren eingeführt.

Networking [engl. ein Netzwerk knüpfen], während des Studiums aufgebaute Beziehungen bringen nicht nur an der Univ. Vorteile, sondern auch im Beruf, weil man wahrscheinlich im gleichen oder einem ähnlichen Feld tätig sein wird wie Kommilitonen und Dozenten. Die Zahl, wenn auch nicht immer die Qualität der Kontakte ist im akademischen Leben groß. Ob in der Burschenschaft oder bei der ÖH, ob im internationalen Verein von Wirtschaftsstudenten AIESEC, im Club der Alumni oder beim Mentoring - überall wird N. praktiziert.

Neue Medien, Gebrauch von Computern, CD-ROMs und des Internets in der universitären Lehre. Die Verwendung der N. M. im Rahmen von Fernstudien, dem so genannten distance learning, ist unbestritten. Über ihren Einsatz in regulären Studiengängen dagegen schwanken die Einschätzungen zwischen Euphorie und Ernüchterung. Konsens besteht darüber, dass die N. M. die universitäre Lehre sinnvoll ergänzen und bereichern, den Unterricht im Klassenzimmer und den unmittelbaren persönlichen Kontakt aber nie vollständig ersetzen können.

Zum Einsatz kommen Lehrplattformen wie z.B. blackboard, deren Funktionalitäten je nach Bedarf definiert werden können, z.B. Linklisten, Diskussionsforen, Datenaustausch, das gemeinsame Lösen von Aufgaben oder Verfassen von Texten oder Multiple-Choice-Tests zur Selbstüberprüfung.

Experten betonen, dass neben den technischen Voraussetzungen und entsprechenden Weiterbildungsangeboten auch "weiche" Faktoren eine Rolle spielen: grundsätzliche Offenheit für die N. M. bei allen Beteiligten, Gruppenbildungsprozesse bei Dozenten und Tutoren zwecks Austausch und gegenseitiger Bestätigung, Eigeninitiative bei der Entwicklung netzdidaktischer Konzepte. Die N. M. erfordern also einen Mehraufwand an Zeit und Energie, zumal auch der Betreuungsaufwand bei virtuellen Lehrveranstaltungen in der Regel höher ist.

Trotz vermehrter Bemühungen der Univ. und Fachhochschulen wie auch der Unterstützung durch das Bildungsministerium (Forum Neue Medien) steht der Einsatz der N. M. an den österr. Hochschulen noch am Anfang.

www.nml.at, www.univie.ac.at/lehrbegleitung, tele.fh-sbg.ac.at

Nostrifizierung [lat. unsrig machen], Anerkennung eines ausländischen Studienabschlusses als gleichwertig mit einem österr. Diplom oder Doktorat. Der Studiendekan eines entsprechenden Fachbereichs prüft den Antrag und kann bei Fehlen einzelner Anforderungen Auflagen stellen. Voraussetzung für den Antrag ist, dass der Bewerber die N. zwingend für eine angestrebte Tätigkeit benötigt. Die N.-Gebühr beträgt e 58,14.

Notensystem, Schema zur Bewertung von Studienleistungen. Es gibt drei "Großfamilien": a) einstellige Zahlen, wie sie in Mitteleuropa häufig anzutreffen sind; b) Buchstaben, z. B. A-F, vor allem im angloamerikanischen Raum; c) Prozentzahlen bzw. 100-Punkte-Skala, so in vielen Entwicklungsländern, aber auch in Irland und Italien. Innerhalb der Großfamilien gibt es auch Unterschiede: In Deutschland verläuft die Skala (beste Note zuerst) von 1-6, in Österreich und Barbados von 1-5, an manchen Schweizer Univ. von 6-1. Die Anrechnung von ausländischen Studienleistungen war aufgrund der unterschiedlichen nationalen N. oft schwierig und ein Hemmschuh für die studentische Mobilität. Mittlerweile sind allerdings grading scales erarbeitet worden, die eine Umrechnung zwischen den N. erlauben.

www.reko.ac.at/grades.htm

Nothabilitation, umgangssprachlicher Begriff für eine Habilitation, die nicht den gängigen Standards entspricht. Eine N. ist entweder deutlich kürzer als die übliche umfangreiche Monographie oder besteht aus einer zumindest in den Geistes- und Sozialwissenschaften unüblichen "kumulativen" Habilitation, d.h. bereits vorliegende, kleinere Publikationen werden zu einer N. zusammengefasst. An Österreichs Univ. kam es in den ersten neun Monaten des Jahres 2001 zu geschätzten 200 N. Der Grund für diese "Eile" war das Inkrafttreten des neuen Hochschullehrerdienstrecht, das zum 1.10. 2001 die Pragmatisierung abschaffte und damit die weitere Zupragmatisierung der Univ. verhindern sollte. Durch die N. und die gemäß altem Recht erfolgende Definitivstellung brachte das neue Gesetz durch seine bloße Ankündigung zunächst den gegenteiligen Effekt hervor. Habilitierten sich im Jahr 2000 an den österr. wissenschaftlichen Univ. 294 Personen (1999: 287), waren es im Jahr darauf 500. Die höchsten N.-Raten verzeichneten die Univ. Innsbruck (2000: 26, 2001: 86), die Univ. Graz (2000: 30, 2001: 79) und die Univ. Wien (2000: 129, 2001: 215).

Numerus Clausus [lat. geschlossene Zahl], Zulassung der Studienbewerber nach der Note ihres Schulabschlusses. Das Verfahren ist in vielen Ländern üblich, wo im Gegensatz zu österr. Univ. kein freier Hochschulzugang besteht und es eine definierte Zahl von Studienplätzen gibt. Liegt diese unter der Zahl der Bewerber, werden die Bewerber nach Noten gereiht. Der N. C. ist die schlechteste Note, mit der ein Bewerber noch zugelassen wird. Andere Selektionsverfahren sind Eignungstests ( Fachhochschulen), Mischungen aus Note und Test und die Berücksichtigung von Wartezeiten sowie Quotierungen nach ethnischer Zugehörigkeit oder Geschlecht ( Gendermainstreaming).

Der Europäische Gerichtshof in Brüssel verhandelt demnächst, ob Paragraph 36 des Univ.-Studiengesetzes, demzufolge EU-Bürger nur in Österreich studieren dürfen, wenn sie auch in ihrem Herkunftsland die Zulassungsbedingungen erfüllen, mit EU-Recht vereinbar ist. Andernfalls, so fürchtet insbesondere die Univ. Wien, droht aus Deutschland, wo im N.-Fach Medizin zehn Bewerber auf vier Studienplätze kommen, ein Run auf die medizinische Fakultät bzw. demnächst Medizinuniversitäten.

O

ÖAD, Abk. Österreichischer Austauschdienst, Agentur für internationale Bildungs- und Wissenschaftskooperation. Der 1961 ins Leben gerufene ÖAD vermittelt und berät über Stipendien für ein Auslandsstudium und betreut Doktoranden und Gastwissenschaftler, die nach Österreich kommen.

www.oead.ac.at

OECD, Abk. für Organization for Economic Cooperation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Sitz in Paris. Österreich ist Gründungsmitglied (1961) dieses Klubs der am meisten entwickelten Länder, der sich u. a. der Erfassung und Vereinheitlichung von Bildungsindikatoren und der Beratung der Bildungspolitik verschrieben hat. Allerdings sind viele Daten der OECD mit Vorsicht zu interpretieren, weil die Definitionen und Erfassungsmethoden teilweise national unterschiedlich gehandhabt werden.

Bei den Hochschuldaten fällt Österreich häufig aus der Gruppe vergleichbar wohlhabender Länder heraus ( Abbrecher, Akademikermangel, Studiendauer). Hierzulande dient die Hochschulstatistik traditionell der Verwaltung, erfasst dadurch vielfältige Daten, aber häufig nicht jene, die Bildungsforscher als wichtig für die Hochschulplanung betrachten. Die international übliche Unterscheidung zwischen Vollzeit- und Teilzeitstudenten, zwischen Zuweisungen für Lehre und für Forschung und die Festlegung von Studienplatzzahlen sind neu in Österreich.

www.oecd.org

ÖH, Abk. für Österreichische Hochschülerschaft, 1945 gegründeter Vertretungskörper der Studierenden an Österreichs Univ., existiert seit 1969 in seiner gegenwärtigen Form. Die ÖH ist auf vier Ebenen organisiert. Die höchste Ebene ist die Bundesvertretung (BV, früher: Zentralausschuss), die alle Studierenden Österreichs mit Ausnahme der Fachhochschulen und der Privatuniversitäten gegenüber dem Bildungsministerium, universitären Organen, dem Parlament und in der Öffentlichkeit vertritt. Dieses Gremium besteht aus 45 Mandataren verschiedener Studierendenfraktionen. Seit den letzten ÖH-Wahlen im Mai 2001 wird die ÖH von einer Koalition von VSStÖ und GRAS regiert. Derzeitige Vorsitzende der BV ist die VSStÖ-Studentenpolitikerin Andrea Mautz. Die nächsten Wahlen finden im Mai 2003 statt.

Die Universitätsvertretung (UV) ist die höchste Ebene der ÖH an einer Uni, vertritt die jeweiligen universitätsspezifischen Interessen ihrer Studierenden und ist in Referaten organisiert (Bildungspolitik, Soziales, Frauenpolitik, wirtschaftliche Angelegenheiten etc.). Die Fakultätsvertretung (FV) arbeitet eine Ebene darunter und kümmert sich u.a. um die Beratung der Erstsemestrigen. Die Studienrichtungsvertretung (StRV) schließlich ist die unmittelbare Anlaufstelle für Studierende an den einzelnen Instituten.

Die ÖH war in den letzten Jahren hin und her gerissen zwischen den Ansprüchen einer Serviceeinrichtung, wie von der AG propagiert, und einem allgemeinen (und nicht nur hochschul-)politischen Mandat, wie es die linken Fraktionen VSStÖ und GRAS befürworten. Zu kurz kam dabei nicht selten das Aufzeigen von Missständen im Lehrbetrieb der Univ. bzw. das "Prüfen der Prüfer". In den Debatten um die Univ.-Reform nahm die BV der ÖH eine ablehnende Haltung ein; die ÖH-Vorsitzende Mautz sprach sich für eine Rücknahme der Gesetze aus.

www.oeh.ac.at

Orchideenfächer Profilentwicklung

P

Political Correctness [engl. politische Korrektheit], Sprachreform bzw. politische Haltung, die seit Ende der Achtzigerjahre an US-Univ. propagiert wird, um all jene Begriffe zu ersetzen, die geeignet sind, Frauen, ethnische Minderheiten, Homosexuelle oder in irgendeiner Form benachteiligte Mitmenschen und Tiere zu beleidigen oder herabzusetzen. So werden beispielsweise kleinwüchsige bzw. dicke Personen politisch korrekt als "vertikal" bzw. "horizontal herausgefordert" bezeichnet. Im Anschluss an die P. C. wurde an US-amerikanischen Univ. auch die so genannte Sexual C. eingeführt, eine streng reglementierte Form des Umgangs zwischen den Geschlechtern, die vor allem gegen den Missbrauch von Autoritätsverhältnissen gerichtet ist.

Post-Doc, Nachwuchswissenschaftler nach der Dissertation. Nachwuchskrise

Praktikum, berufsfeldbezogener Arbeitsaufenthalt in einer Firma oder Institution, der oft den Kontakt zum späteren Arbeitgeber herstellt. Ein P. ist nur in einem Teil der univ. Studienpläne vorgeschrieben, jedoch fester Bestandteil des Studiums an Fachhochschulen.

www.jobboerse.at, www.prabo.at

Privatuniversitäten, Universitäten, die privat finanziert sind und entsprechend ohne staatliche Zuschüsse auskommen. Die ersten P. in Österreich gibt es erst seit dem Jahr 2000. Über ihre Zulassung entscheidet der Akkreditierungsrat, der seitdem sechs P. anerkannt hat: die IMADEC University, The International University und die Webster University, die alle drei auf wirtschaftliche Studien ausgerichtet und in Wien ansässig sind, die Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz, die Private Universität für Medizinische Informatik und Technik Tirol sowie die PEF Privatuniversität für Management. Zwei weitere Kandidaten haben eine gute Aussicht auf Akkreditierung: eine private Medizin-Univ. in Salzburg sowie eine Musik-Univ. in Linz. An den sechs P. gibt es zurzeit knapp 1500 Studierende. Ein mehrjähriges Studium an einer P. kostet ca. 30.000 Euro.

Professor, 1. Bezeichnung für Lehrer an Univ. und Kunstuniv., 2. Amstitel für akademisch ausgebildete Lehrer an mittleren und höheren Schulen, 3. Berufstitel, der vom Bundespräsidenten verliehen wird. Bei den Universitätslehrern ist zwischen "echten" P. zu unterscheiden, die auch eine Professur innehaben bzw. der P.-Kurie angehören, und (pragmatisierten) Dozenten mit dem Titel a.o. Professor, die weiterhin dem Mittelbau angehören und entsprechend weniger Rechte haben. Vgl. auch das bereits vom a.o. Prof. Sigmund Freud gerne zitierte Bonmot: "Der Unterschied zwischen ordentlichen und außerordentlichen Professoren besteht darin, dass die Ordentlichen nichts Außerordentliches und die Außerordentlichen nichts Ordentliches leisten."

Profilentwicklung, Schlagwort in der Reformdiskussion der letzten Jahre. Anstatt eine möglichst große Vielfalt an Studienangeboten und Forschungsrichtungen bereitzustellen, sollen die Univ. ihre "Stärken stärken", Synergien herstellen und die vorhandenen Ressourcen besser einsetzen, um so - auch im gegenseitigen Wettbewerb - die P. zu fördern ( Weltklasse). Dabei sieht sich das Bildungsministerium nach der Entlassung der Univ. in die Autonomie nur noch in einer beratenden bzw. unterstützenden Rolle. Aufgrund der zwischen Bildungsministerium und Univ. geschlossenen Leistungsvereinbarungen bleibt der Politik aber noch eine Lenkungsmöglichkeit erhalten.

Die Kehrseite der P. bildet die Flur- bzw. Standortbereinigung, d.h. Univ.-Institute bzw. Studienrichtungen, die in Österreich mehrfach angeboten werden und/oder sehr wenige Absolventen haben, zu schließen bzw. zusammenzulegen. So wird in der Öffentlichkeit regelmäßig die Existenzberechtigung s. g. Orchideenfächer wie Byzantinistik oder Tibetologie debattiert.

www.weltklasse.at/index4.php

R

Ranking [engl. in Reihenfolge bringen], Rangfolge von Univ. (oder anderen Institutionen) nach Qualitätsmerkmalen. In den USA hat das R. wegen der großen Unterschiede und Unübersichtlichkeit im Hochschulmarkt eine lange Tradition. Das R. ist umstritten, weil es sich einerseits z.T. um Meinungsbilder handelt, andererseits kleine Unterschiede in der Bewertung, die statistisch als insignifikant gelten, mehrere Plätze höher oder tiefer bedeuten können. Viele Wissenschaftler kritisieren, dass in vielen R. Forschungsleistungen zu wenig Beachtung findet. In den USA und Großbritannien werden spezielle Forschungs-R. durchgeführt.

Nachdem das erste R. des deutschen Nachrichtenmagazins Spiegel für Aufsehen gesorgt hatte, präsentierte Anfang der Neunzigerjahre die Tageszeitung Der Standard das erste österr. R. und stieß damit auch eine Debatte zur Evaluierung der Lehre an. Das Nachrichtenmagazin profil publizierte bis 1996 weitere R., bei denen die kleineren Univ. in Leoben und Klagenfurt am besten abschnitten. In Österreich waren Interviews mit Studierenden die Grundlage. Beim R. des Spiegel fiel frühzeitig auf, dass die Befragung von Professoren nach der Reputation von Fachbereichen mitunter entgegengesetzte Einschätzungen lieferten wie die Studierenden.

Eine anspruchsvollere Methodik hat das CHE entwickelt, dessen Ergebnisse im deutschen Magazin stern spezial Campus & Karriere publiziert werden. Dabei werden die Univ. nicht platziert, sondern in Spitzengruppe, Mittelfeld und Schlussgruppe zusammengefasst. Indikatoren werden nicht zu einem Gesamtwert für einen Fachbereich oder eine ganze Univ. zusammengefasst, sondern nebeneinander präsentiert. Auf einer Website kann man die Indikatoren gewichten und sich danach ein individuelles R. errechnen lassen. 2003 soll das CHE ein R. der österr. Univ. durchführen.

www.che.de/ranking

Rektor [lat. Lenker, Leiter], Leiter einer Univ.; seine Stellvertreter sind die Prorektoren. Korrekte Anrede: "Magnifizenz", hergeleitet von "rector magnificus". Das Universitätsgesetz 2002 sieht im Vergleich zum UOG 75 und dem UOG 93 eine wesentliche Aufwertung des R. vor: Das gesamte operative Geschäft liegt künftig beim R. und seinen Stellvertretern, die damit eine ähnliche Funktion haben werden wie die Vorstände eines Unternehmens. Sie berufen unter anderem die Institutsleiter und die Dekane. Zudem wird der R. künftig oberster Dienstgeber aller Univ.-Mitarbeiter sein.

Rektorenkonferenz, österreichische (ÖRK), noch in der Monachie gegründete öffentlich rechtliche Institution, die Vorschläge und Gutachten in wissenschafts- und universitätspolitischen Belangen erstellt. Da sich die R. aus sämtlichen Rektoren der österr. Univ. und Kunstuniv. zusammensetzt, kommt ihr ein hoher Stellenwert in der österr. Hochschullandschaft zu. Die R. und ihr derzeitiger Vorsitzender Georg Winckler spielten bei der Diskussion um das Universitätsgesetz 2002 eine wichtige Rolle.

www.reko.ac.at

Rhetorik [griech. Redefertigkeit], Lehre von der zweckmäßigen Gestaltung öffentlicher Reden. Erst gepaart mit überzeugendem Vortrag kommt wissenschaftlicher Sachverstand voll zur Geltung. Die Vermittlung der Stilmittel gesprochener Sprache, der Regeln der Argumentation und die Übung der freien Rede wird in Österreich nicht ausreichend berücksichtig. Im Weiterbildungsangebot für Hochschuldidaktik sind Rhetorikkurse bei Dozenten gefragt. Als vermittelbar gelten die Strukturierung einer Rede, die Körpersprache beim Auftritt und der Einsatz von Präsentationstechnik. Sich in der freien Rede sprachlich auf seine Zuhörer einzustellen, ist dagegen in einem Kurs ebenso wenig zu lernen wie professionelle Aussprache und richtige Betonung. Im anglo-amerikanischen Raum gibt es an vielen Univ. Clubs, in denen das freie Debattieren über aktuelle, aber auch philosophische Fragen trainiert und verfeinert wird. Als typisch amerikanisch gilt die take home message, die klare Botschaft, an die sich die Zuhörer auch noch zu Hause erinnern.

S

Schweinezyklus Arbeitsmarkt.

Semester [von lat. semestris = sechsmonatig], univ. Studienhalbjahr, das sich wiederum in Vorlesungszeit und vorlesungsfreie Zeit teilt. Manche Länder (z.B. Italien) kennen nur ein durchgehendes akademisches Jahr. Die Unterteilung in Winter-S. und Sommer-S. ist vor allem in Kontinentaleuropa üblich. An Univ. im angloamerikanischen Raum wird das akademische Jahr in drei Trimester und eine Sommerpause geteilt. Trimester gab es während des NS-Regimes auch an österr. Univ.

Seniorenstudenten, studierende Männer über 45 Jahre und Frauen über 40 Jahre. Im Wintersemester 2001 waren an österr. Univ. 7545 S. als ordentliche Hörer eingeschrieben. Den höchsten Anteil S. hat die Univ. Klagenfurt mit 12 Prozent.

Siegfriedskopf, Mahnmal in der Aula des Hauptgebäudes der Univ. Wien, das im November 1923 für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs von der rechtsnationalen und antisemitischen Deutschen Studentenschaft errichtet wurde. Seit 1989 bemüht sich die Universitätsleitung, den S. zu verlegen, was zu heftigen Protesten rechtsgerichteter Burschenschaften führte, die den S. als Ort für Aufmärsche nutzen. Auch das Bundesdenkmalamt äußerte Bedenken gegen die Verlegung. Am 8.5.2002, dem Jahrestag der Niederlage des NS-Regimes, wurde dem S. vor laufender ORF-Kamera von einem Vermummten mittels Hammer und Meißel die Nase abgeschlagen. Die Universitätsleitung erstattete daraufhin Anzeige gegen Unbekannt wegen Sachbeschädigung. Kurz nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten Ende August wurde ein Säureattentat auf den umstrittenen S. verübt.

Soziale Kompetenz, Schlüsselqualifikation im Berufsleben, mitunter als Sammelbegriff, der vieles umfassen kann von Menschenkenntnis über Gesprächsführung und die Fähigkeit, sich in die Situation eines Kollegen oder Kunden hineinzuversetzen, bis zur Analyse sozialer und kommunikativer Abläufe. Die Vermittlung von s. K. ist ein wichtiger Bestandteil des Studiums im College, weshalb Arbeitgeber in den USA das Studienfach von Bewerbern oft erst in zweiter Linie berücksichtigen. Die s. K. eines Absolventen wird oft im Rahmen eines Assessment Centers ermittelt.

Sponsion [von lat. sponsio = feierliches Gelöbnis], nur in Österreich gebräuchliche Bezeichnung für die akademische Feier, bei der der Magistertitel verliehen wird. An der Univ. Wien wird die S. vom Dekan der jeweiligen Fakultät, dem Promotor und einem Zepterträger durchgeführt. Nachdem der Promotor die Gelöbnisformel verlesen hat, wird den Kandidaten einzeln das Rektorszepter vorgehalten; diese legen einer nach dem anderen die Schwurfinger auf und sagen "Ich gelobe". Zum Abschluss wird die Bundeshymne gespielt. Der Beitrag für die Urkunde beläuft sich auf e 58,80, für die Klänge der Wiener Akademischen Philharmonie sind weitere e 14,- pro Person zu entrichten. Titelkultur

Standortbereinigung Profilentwicklung

Stipendien, staatliche oder private Förderungen für sehr begabte oder sozial schlechter gestellte Studierende. Studienbeihilfe

www.stipendien.at

Student Point, Beratungsstelle im Hauptgebäude der Univ. Wien. Der mit sechseinhalb Planstellen und während der Zeit der Inskription mit zusätzlichen Mitarbeitern ausgestattete S. P. ging im Juni hervor aus einer Anlaufstelle, die im September 2001 zur Beratung über die damals gerade neu eingeführte Studiengebühr eingerichtet, von den Studierenden aber überwiegend mit anderen Fragen konsultiert worden war. Schwerpunkt der Beratung, die auch telefonisch erfolgt (01/4277-10600), sind mittlerweile Immatrikulation und Studienpläne. In Österreich unterhält nur die Univ. Graz eine vergleichbare Studierendenberatung.

www.univie.ac.at/studentpoint

Studienbeihilfe, staatliche Stipendien für Studierende aus Familien mit geringem Einkommen. Die S. gibt es seit 1963. Ihre Höhe errechnet sich nach dem Familieneinkommen der Eltern und beträgt bis zu etwa 7000 Euro im Jahr. Ein Studienaufenthalt im Ausland von bis zu 20 Monaten kann gefördert werden. Im Wintersemester 2001, also nach Einführung der Studiengebühr, stieg der Anteil der S.-Bezieher gegenüber dem Vorjahr von 25.354 auf 34.378 bzw. 16 Prozent der Studierenden. In Österreich gehen von den universitätsbezogenen Aufwendungen des Staates nur 12 Prozent in die Studienfinanzierung in Form von S., Familienbeihilfe und Steuervorteile an Eltern Studierender, während es OECD-weit 18 Prozent sind.

www.studienbeihilfe.bmbwk.gv.at

Studiendauer, Lebensabschnitt. Studierende in Österreich stellen Ausdauerspitzenwerte unter Beweis, bis sie, falls sie, einen Abschluss schaffen. Die durchschnittliche S. variiert nach Fachrichtungen (siehe Grafik). Durch die Einführung der Studiengebühr soll die S. spürbar gesenkt werden. Die Fachhochschulen werben mit einer verbindlichen S.

Studiengebühr bzw. auch Studienbeitrag, e 363,36 (bzw. öS 5000,-), die seit dem Wintersemester 2001/02 pro Semester für ein Studium an einer österr. Univ. zu bezahlen ist. Dazu kommt halbjährlich der ÖH-Beitrag von e 13,50 und ein Versicherungsbeitrag von e 0,35. Einzig an der Montan-Univ. Leoben steht allen Erstsemestrigen ein so genannter PraxisScheck zur Verfügung, der von verschiedenen Firmen finanziert wird und die S. abdeckt. In vielen Ländern sind Studiengebühren üblich, unterschiedlich sind ihre Höhe bzw. Rückzahlungsmöglichkeiten. Besonders hohe Studiengebühren verlangen Privatuniversitäten und da insbesondere US-amerikanische Elite-Univ. wie Harvard oder Stanford. In Stanford beispielsweise beträgt die Studiengebühr für ein Jahr (ohne Kost und Logis) derzeit US-$ 27.000,-.

Die S. sollen mit dem Inkrafttreten des neuen Universitätsgesetzes 2002 in voller Höhe an die Univ. fließen. Geht es nach den Vorstellungen der SPÖ bzw. der Grünen, werden die S. nach den nächsten Wahlen wieder abgeschafft. Georg Winckler, der Vorsitzende der Rektorenkonferenz, fordert für diesen Fall einen Ersatz für den Einnahmeverlust der Univ.

Studienkommission, universitäres Gremium, das die Studienpläne ausarbeitet. Die Vorsitzenden der S. entscheiden über die Anerkennung von Prüfungen, die an einer anderen Univ. oder Studienrichtung abgelegt wurden. Nach einer neuen Studie des Salzburger Erziehungswissenschafters Bernhard Seyr sind deren Entscheidungen nur in etwa zwei Drittel der Fälle juristisch einwandfrei. Einem Drittel der S.-Vorsitzenden war wichtig, an welcher Univ. die Prüfung abgelegt wurde, einem Viertel welche Reputation der Prüfer hat, was Seyr für willkürlich hält.

Studienpläne, werden auf Grundlage von vorgegebenen Lernzielen mit Angabe der Teilziele, Unterrichtsmittel und -methoden sowie Erfolgskontrollen für eine Studienrichtung ausgearbeitet. Durch das Universitätsstudiengesetz wurden alle Studienrichtungen verpflichtet, per 1.10.2002 neue S. zu erlassen. Dies hat - vergleicht man die S. verschiedener Univ. - zu einer Diversifizierung des Lehrangebots geführt. Die neuen S. sind tendenziell stärker praxisorientiert und fächerübergreifend angelegt. Hidden Curriculum, Didaktikkenntnisse.

Studienplätze, eine international verbreitete Kapazitätsgröße bei der Hochschulplanung, die jedoch nicht überall ernst genommen wird. In Deutschland gibt es seit langem etwa doppelt so viele Studierende wie ausgewiesene S. In Österreich waren S. aufgrund des freien Hochschulzugangs bislang nur an Fachhochschulen bekannt. Lange sorgte für Stirnrunzeln, dass die Univ. Wien mehr Erstsemestrige in Medizin aufnimmt, als große Medizinfakultäten in anderen Ländern insgesamt Studierende haben. Mit dem Übergang in eigenständige Univ. wird nun an allen Medizin-Standorten die Beschränkung der S. mit Beginn des dritten Fachsemesters geplant. Weil mit dem neuen Curriculum mehr Praxis in die Lehre kommt und damit ein höherer Bedarf an Betreuung und Räumen verbunden ist, sollen nur die Studierenden, die während des ersten Studienjahres die besten Leistungen bringen, übernommen werden. Der mit dem dritten Semester beginnenden zweiten Studienabschnitt soll in Graz jährlich auf 264 S., in Innsbruck auf 275 S. und Wien auf 570 S. begrenzt werden.

T

Titelkultur, besondere Wertschätzung, die in Österreich akademischen Abschlüssen bzw. mit der Universität assoziierten Berufsbezeichnungen ( Professor) entgegengebracht wird. Bereits dem sowjetischen Revolutionär Lew Trotzki fiel auf, dass sich selbst die sozialistischen Akademiker im Wien der Zwischenkriegszeit mit "Genosse Herr Doktor" anredeten. Ebenfalls eine Wiener Besonderheit ist, dass viele Straßennamen, die auf prominente Akademiker zurückgehen, den Dr.-Titel tragen, wie etwa der Dr.-Karl-Lueger-Ring, an dem das Hauptgebäude der Univ. Wien steht.

Österreichs Univ. haben ein entsprechend breites Angebot an akademischen Titeln zu bieten, das auch die deutsche T. in seiner Ausdifferenziertheit in den Schatten stellt. Zur Zeit gibt es an österr. Univ. 9 Bakkalaureatsgrade (Bakk. Biol., Bakk. rer. nat., Bakk. Komm., Bakk. phil., Bakk. phil. slav., Bakk. rer. soc. oec., Bakk. Soz., Bakk. Sport, Bakk. techn.), 18 Diplom- und Magistergrade (DI oder Dipl.-Ing., Mag. med. vet. , Mag. arch., Mag. Biol., Mag. art., Mag. Komm., Mag. rer. nat., Mag. pharm., Mag. phil., Mag. phil. fac. theol., Mag. iur., Mag. phil. slav., Mag. rer. soc. oec., Mag. Soz., Mag. Sport, Mag. theol., Mag. des. ind., Mag. iur. rer. oec.), 6 Master-Grade und 15 Doktorgrade (Dr. nat. techn., Dr. med. univ., Dr. med. univ. et scient. med., Dr. scient. med., Dr. mont., Dr. rer. nat., Dr. phil., Dr. phil. fac. theol., Dr. iur., Dr. rer. soc. oec., Dr. techn., Dr. theol., Dr. med. vet., Dr. med. dent., Dr. med. dent.et scient. med.). Dazu kommen noch der Fachhochschul-Magister und die akademischen Grade an Privatuniversitäten.

U

Uni-Angst, erster Teil eines Buchtitels, vollständig U. und Uni-Bluff. Seit seiner Erstausgabe 1977 genießt Wolf Wagners Buch unter Studierenden der Geistes- und Sozialwissenschaften in Deutschland Kultstatus. Der Autor, der es mittlerweile zum Rektor einer Fachhochschule gebracht hat, beschreibt ausgehend von seiner Verängstigung und seiner nicht immer positiven Persönlichkeitsentwicklung während seiner eigenen Studienjahre, wie man die Rituale und Asozialität der Universität durchschaut, ohne im akademischen Schrebergarten zu versinken. Die U. geht laut Wagner gutteils von einem idealisierten Wissenschaftsbegriff aus, der den chaotisch-kreativen Erkenntnisprozess leugnet. Zur Vorbeugung gegen U. empfiehlt er, ein gesundes Maß Ignoranz zuzulassen und eine persönliche, emotionale Beziehung zum Fach und seinem Gegenstand aufzubauen.

Wolf Wagner: Uni-Angst und Uni-Bluff. Wie studieren und sich nicht verlieren. Berlin 2002: eva.

Universität [von lat. universitas = Gesamtheit der Lehrenden und Lernenden], ranghöchste und älteste Form der wiss. Hochschule, nach dem Papsttum die zweitälteste Institution des Abendlandes. Keimzellen der ersten U. waren Kathedral- (Paris) oder Stadtschulen ( Bologna). Schüler und Lehrer bildeten eine eigene Körperschaft, denen Papst und Kaiser bedeutende Privilegien (eigene Gerichtsbarkeit, Selbstverwaltung) gewährten. Bis ins 19. Jahrhundert verstanden sich die U. als reine Lehranstalten, die gemäß ihrer Aufteilung in die vier Fakultäten Mediziner, Juristen, Theologen und Lehrer ausbildeten. Erst durch die u. a. von Humboldt in Deutschland angestoßenen Reformen verschrieben sich die U. der Einheit von Forschung und Lehre. In Österreich standen und stehen die 18 staatlichen U. (1998 sind zu den 12 wissenschaftlichen die 6 zu U. der Künste hochgestuften Kunsthochschulen hinzugekommen) in den letzten Jahren unter permanentem Reformdruck und müssen sich zudem vermehrt der Konkurrenz durch die Fachhochschulen und Privatuniversitäten stellen.

Universitätsrat, im neuen Universitätsgesetz 2002 ist der U. mächtiges, da oberstes Kontrollorgan an jeder Univ., das u. a. den Rektor wählt, die Entwicklungspläne der Univ. genehmigt. Die U. werden aus jeweils fünf Mitgliedern bestehen, drei davon werden von der Univ., zwei vom Bildungsministerium ernannt. Mitglieder des U. sollen laut Gesetz Personen werden, "die aufgrund ihrer hervorragenden Kenntnisse und Erfahrungen einen Beitrag zur Erreichung der Ziele und Aufgaben der Universität leisten können" (§ 19, Abs. 4). Politiker und Univ.-Angehörige dürfen keine Mitglieder sein. Nur wenige der künftig erforderlichen 105 Universitätsräte sind bislang namentlich bekannt.

Universitätsgesetz 2002, am 11.7. 2002 mit den Stimmen der ÖVP und FPÖ beschlossenes Gesetz, das die Ausgliederung der österr. Univ. aus der Bundesverwaltung und ihre Umwandlung zu juristischen Personen des öffentlichen Rechts vorsieht. Gleichzeitig wird die Mitbestimmung von Studierenden und des Mittelbaus eingeschränkt. Die Univ. erhalten dreijährige Globalbudgets mit einer leistungsabhängigen Komponente, schließen mit dem Bildungsministerium Leistungsvereinbarungen ab und werden Arbeitgeber ihres Personals. Die Univ.-Leitung besteht künftig aus dem neu geschaffenen Universitätsrat, dem Rektor und dem Senat. Die Umsetzung des U., das am 1. Oktober 2002 in Kraft getreten ist, soll im Vergleich zum Kippen ins UOG 93 vergleichsweise rasch, nämlich bis zum 1.1. 2004 erfolgen.

V

Venia legendi [lat. Erlaubnis zu lesen], durch die Habilitation erworbene Befähigung, an Hochschulen über ein bestimmtes Fachgebiet Vorlesungen halten zu dürfen und Abschlussarbeiten zu betreuen. Man unterscheidet zwischen einer "engen" und einer "weiten" v. l.; je weiter die v. l. und damit das Fachgebiet, desto größer die Chancen, eine Professur zu erhalten.

VSStÖ, Abk. für Verband Sozialistischer StudentInnen Österreich, der SPÖ nahe stehende Studierendenfraktion. Bei den letzten Wahlen der ÖH erhielt der VSStÖ 11 Mandate und regiert gemeinsam mit der GRAS.

www.vsstoe.at

Vollrechtsfähigkeit, institutioneller Status. Nach dem Kippen ins Universitätsgesetz 2002 verfügen die Univ. über V., womit sie frei über ihr Budget verfügen, Geld einwerben können und auch kreditfähig werden. Die künftigen Drei-Jahres-Etats sind an Ziel- und Leistungsverträge mit dem Bildungsministerium gebunden sowie an ein eigenes Qualitätsmanagement.

W

Weltklasse, bildungspolitisches Schlagwort für die Ziele der Universitätsreformen. Die österr. Hochschulen sollen nach Ansage der derzeitigen Bundesregierung und der zuständigen Ministerin Gehrer "in fünf Jahren Europaspitze in Bildung und Wissenschaft" sein. Etappen auf dem Weg Richtung W. sind das neue Hochschullehrerdienstrecht, die Profilentwicklung und das Universitätsgesetz 2002. Kritiker empfinden den Begriff W. wegen seines inhärenten Selbstlobs als lächerlich.

www.weltklasse.at

Winckler, Georg, Wirtschaftswissenschaftler und Rektor der Univ. Wien, * 27.9.1943 in Ostrava, wirtschafts- und volkswirtschaftliche Studien in Princeton und Wien, Habilitation 1976, seit 1978 Universitätsprofessor für Volkswirtschaftstheorie und Volkswirtschaftspolitik am Institut für Wirtschaftswissenschaften der Univ. Wien, seit 1999 Rektor der Univ. Wien, vertragliche Amtszeit bis 30.9.2003; seit Jänner 2000 Vorsitzender der Österreichischen Rektorenkonferenz. W. sprach sich zuletzt dagegen aus, die beschlossenen Univ.-Gesetze nach den Neuwahlen wieder aufzuheben.

Z

Zupragmatisierung, umgangssprachliche Bezeichnung für die Folgen des Überhandnehmens von pragmatisierten und deshalb so gut wie unkündbaren Univ.-Lehrern. Durch die Z. bei gleichzeitigem Aufnahmestopp hat sich die Nachwuchskrise an den österr. Univ. zugespitzt. Die Einführung des neuen Hochschullehrerdienstrechts im Herbst 2001 war das Signal für eine Welle von Nothabilitationen und damit Höhepunkt und Anfang vom Ende der Z.

Zweitstudium, das Gegenstück zum Abbrecher ist der Absolvent bzw. die Absolventin eines Z. 1248 Männer und 694 Frauen haben im Studienjahr 1999/2000 ein Doktorat (außer Medizin) oder ein anderes Z. abgeschlossen. <<

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