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aus HEUREKA 5/02 vom 13.11.2002

"Apokalypse No!" nennt der Statistiker Bjoern Lomborg sein heftig umstrittenes Zahlenwerk, in dem er Entwarnung für die globalen Umweltprobleme verkündet. Unter Umweltforschern hat der Däne vorwiegend Entrüstung geerntet. Im Gespräch mit "heureka" gestand der Genfer Ökologe Jean Paul Theurillat, dieses Machwerk auf keinen Fall in seinem Institut dulden zu wollen.

Lomborg ist nicht der einzige Wissenschaftler, der in den letzten Jahren jene Horrorszenarien seziert hat, die lange die öffentliche Diskussion um den Zustand unseres Planeten prägten. Herrschte vor einigen Jahren noch breiter Konsens darüber, dass es höchste Zeit ist, dem Umweltschutz oberste Priorität zu geben, so zeigt die Weltuntergangsuhr bei befragten Experten 9:05 Uhr beziehungsweise zwei Stunden und 55 Minuten vor zwölf.

Ist also alles in Butter mit unserem Planeten? "heureka" hat Umweltwissenschaftler nach den drängendsten Fragen ihrer Zunft gefragt. Ihre Agenda reicht von der Erforschung des Ökosystems Boden über die Wirkungen eindringender Arten bis zu elektromagnetischer Strahlung. Auch die Politik ist nach wie vor gefragt, auch wenn sie - wie jüngst beim Gipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg - die Verantwortung an die Zivilgesellschaft weitergeben will. Einmischung ist also gefragt. Beibt nur die Frage, auf welche Weise die Wissenschaft in Zukunft Position beziehen soll. Und wer ihren Rat will.

Unter dem Strich sind in Johannesburg nur halbherzige Absichtserklärungen verlautet worden, woran vor allem die "Zurückhaltung" der USA schuld war. Auch die Anfang November verabschiedete Deklaration von Delhi, in der die Klimamaßnahmen der Zukunft verkündet wurden, endete letztlich mit einer Enttäuschung: Die Förderung der EU nach mehr Nachhaltigkeit stieß bei den USA, Russland, aber auch den Entwicklungsländern auf wenig Gegenliebe. Die globale Durchschnittstemperatur steigt indessen weiter.

Was also tun, wenn eine nachhaltige Reduktion der Treibhausgase nicht absehbar ist? Der deutschkanadische Sozialwissenschaftler Nico Stehr empfielt, neben der Vorbeugung auch auf Anpassung zu setzen. Beim grünen deutschen Umweltminister Jürgen Trittin ist er damit zunächst einmal abgeblitzt.

In Österreich wären die Umweltforscher froh, wenn sie überhaupt ein eigenständiges Umweltministerium hätten. Wo sind im selbst ernannten Ökoland Österreich die Umweltagenden gelandet? Bei der Politik jedenfalls sind sie zurzeit schlecht aufgehoben, wie die Lektüre der aktuellen Wahlprogramme zeigt. Und was sagt die Wissenschaft? Die stellt fest, dass alles doch komplizierter ist als ursprünglich gedacht.

Nach so viel Warnung und Entwarnung schließlich noch eine uneingeschränkt erfreuliche Nachricht in eigener Sache. "heureka"-Autor Benedikt Föger, der auch für das "Universum"-Magazin und die Wissenschaftsseiten der "Presse" schreibt, wird mit dem österreichischen Förderungspreis für Wissenschaftspublizistik 2000/2001 ausgezeichnet. Wir freuen uns auf seine Beiträge in unserem nächsten Heft. Das wird die Nummer sechs des laufenden Jahres sein und sich - so viel sei schon verraten - dem Thema Sex widmen. Selbstverständlich streng wissenschaftlich.

Oliver Hochadel, Stefan Löffler und Klaus Taschwer

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