"Nilpferde an der Donau"?

aus HEUREKA 5/02 vom 13.11.2002

"Die Wissenschaft muss neue Wege finden, mit den Unsicherheiten in den Szenarien umzugehen", findet der Ökonom und Klimafolgenforscher Stefan Schleicher von der Universität Graz: "Triviale Aussagen sind nötig, sonst bewirkt die Wissenschaft gar nichts." Mit Vereinfachungen tun sich die Kollegen schwer, zumal wenn dafür auch noch ein Konsens innerhalb der Fachkollegenschaft gefunden werden soll.

In Österreich hat die Klimaforschung aber noch mit ganz anderen, nämlich hausgemachten Problemen zu kämpfen. Bisher forschten Gletscher-, Wasser- und Wetterkundler getrennt nebeneinanderher und konzentrierten sich auf Detailprobleme. Mangels Koordination wurde die kritische Masse an Forschungskapazität, die sich auch übergreifenden Fragestellungen widmet, nicht erreicht. Auch der politische Wille, sprich: eine ausreichende Finanzierung, war nicht gegeben. Nicht zuletzt fehlt in Österreich ein Großrechner, um komplexe Simulationen durchzuführen.

Zwar gibt es seit 1996 einen österreichischen Klimabeirat (ACCC), aber erst in diesem Jahr haben sich die österreichischen Klimaforscher zu der noch losen Gruppe AustroClim zusammengefunden, an der auch Ökonomen und Sozialwissenschaftler beteiligt sind. Die bisherigen Workshops haben einen Eindruck von den Mühen der interdisziplinären Kommunikation vermittelt. Klimaforscher erstellen Szenarien für ein halbes Jahrhundert, Ökonomen tun sich bereits mit Prognosen für die nächsten zwölf Monate schwer.

Beabsichtigt ist, sowohl Grundlagen- als auch angewandte Forschung zu betreiben. Mögliche Fragestellungen liegen auf der Hand: Wird man in zwanzig Jahren in Kärnten noch Ski fahren können? Welche Auswirkungen hat die erwartete Erwärmung auf die Pflanzenwelt und die Landwirtschaft? Dass die Medien das auf ihre Weise auffassen, gehört zu den Erfahrungswerten, wie die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb weiß: "Prognostiziert man einen leichten Temperaturanstieg, plantschen in der Zeitung am nächsten Tag bereits die Nilpferde in der Donau." Österreichischer Klimabeirat: www.accc.gv.at

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