Liebe Leserin, lieber Leser!

Oliver Hochadel, Stefan Löffler und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 1/03 vom 05.03.2003

Zumindest im Fernsehen hat der Spuk vor kurzem sein Ende gefunden: Die FBI-Agenten Fox Mulder und Dana Scully haben ihre letzten Fälle zwar nicht geklärt, doch die Mystery-Serie "Akte X" ist nach mehrjähiger Bildschirmpräsenz unspektakulär zu Ende gegangen. Die großen Fragen - Gibt es das Paranormale? Und vor allem: Was steckt dahinter? - blieben auch nach der letzten Folge ungeklärt. So hat sich nun "heureka" daran gemacht, an den Grenzen der Wissenschaft zu recherchieren - und namhafte Experten gefragt. Zum Beispiel den Wiener Physiker Herbert Pietschmann, der meinte: "Wer nicht an Telepathie glaubt, war noch nie richtig verliebt." Aber hält dieses Bonmot des Physikers auch einer experimentellen Prüfung stand?

Um das zu überprüfen, begab sich "heureka"-Redakteur Stefan Löffler nach Freiburg im Breisgau ans Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene und ließ sich vorführen, wie man parapsychologische Fähigkeiten unter Laborbedingungen testet. Stefan Löffler jedenfalls verfügt über keine präkognitiven Begabungen, wie der Test ergab. Wie seriös am Freiburger Institut gearbeitet wird, belegt der bisherige Forschungsoutput: Das vor zweieinhalb Jahren eingerichtete Labor hat noch keinen positiven Befund.

Das hat es gemein hat mit dem aus Film und Fernsehen bekannten SETI, der Suche nach extraterrestrischer Intelligenz: Seit Jahrzehnten lauschen Forscher vergebens ins All. Dafür kommunizieren andere ohne Unterlass, die Verschwörungstheoretiker nämlich, gerne auch über UFO-Landungen, wie die US-amerikanische Politologin Jodi Dean weiß. Für sie ist das zurzeit besonders beliebte Verschwörungsdenken die "andere Seite" ihres Faches - so wie die Astrologie das "Andere" der Astronomie ist oder das der Parapsychologie die Psychologie.

Alles Humbug, meinen kritische Geister, die sich als Skeptiker zusammengeschlossen haben. Als ihren Urvater bezeichnen sie nicht etwa den schottischen Philosophen David Hume ("Ein guter Skeptiker misstraut auch seinen Zweifeln.") sondern für gewöhnlich Martin Gardner, der 1952 in "Fads and Fallacies of Modern Science" die Parawissenschaften anprangerte.

In früheren Jahrhunderten freilich war mancher, der heute als Säulenheiliger der modernen Naturwissenschaft gilt, selbst ein Vertreter des "grenzwertigen Wissens". Isaac Newton etwa hat sich in großem Umfang auch als apokalyptischer Theologe betätigt, was erst kürzlich ans Licht kam. Auf über 4500 Seiten versuchte der als "Begründer der modernen Wissenschaft" bekannte Naturwissenschaftler, die "geheimen Gesetze des Universums" aus der Bibel herauszulesen. Ein kanadischer Wissenschaftler hat nun eine Aufzeichnung gefunden, in der Newton das Ende der Welt datiert: 2060 steht uns der Untergang bevor.

An diesem Heft haben Teilnehmerinnen des Universitätslehrgangs für Wissenschaftskommunikation (www.scimedia.at) mitgearbeitet, der allerdings nicht zu verwechseln ist mit der "Heureka-Akademie". Die bietet Seminare über den Sinn des Lebens, Selbsterkenntnis, Intuition, Mentaltraining und vieles mehr an. Und sie gehört einem Esoterikanbieter in Stadt Haag. Unser Wissenschaftsmagazin hat damit - außer dem Namen - nichts gemein. Wirklich nicht.

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