Ist da jemand?

Robert Czepel | aus HEUREKA 1/03 vom 05.03.2003

SETI, die Suche nach außerirdischen Intelligenzen, ist ein internationales astronomisches Forschungsprogramm, das in der akademischen Welt durchaus akzeptiert wird, obwohl es an den Grenzen des Wissens angesiedelt ist. Manche halten es freilich für Geldverschwendung. Denn nach vier Jahrzehnten hat SETI noch kein einziges Resultat vorzuweisen.

Die Frage, ob wir allein im All sind, ist alt. Die Frage, wie wir überhaupt etwas von Außerirdischen erfahren könnten, wurde - jedenfalls im Sinne der modernen Physik - erstmals im September 1959 gestellt. Die beiden Physiker Giuseppe Cocconi und Philip Morrison fragten sich in einem Artikel im angesehenen Fachblatt "Nature", ob Radiosignale als Kommunikationsmittel zwischen Sternensystemen eingesetzt werden könnten.

Sie schlugen einen Frequenzbereich vor, in dem die Suche nach Signalen von außerirdischen Zivilisationen besonders aussichtsreich sei: die so genannte 21-Zentimeter-Wasserstofflinie - eine helle Linie im Radiobereich des elektromagnetischen Spektrums, die als natürliche Emission neutraler Wasserstoffatome entsteht.

Dieser Bereich ist zum einen deswegen besonders für interstellare Kommunikation geeignet, weil er durch extrem wenige "Störgeräusche" belastet ist. Zum anderen sind Wasserstoffatome die häufigsten Atome im Universum. Und das sollte wiederum jeder Zivilisation bewusst sein, die so etwas wie Wissenschaft hervorgebracht hat.

Ebenfalls im Jahr 1959 begann der Astronom Frank Drake sein Projekt "Ozma", im Rahmen dessen er die beiden sonnenähnlichen Sterne "e Eridani" und "t Ceti" mit einem Radioteleskop nach Hinweisen auf fremde Lebensformen untersuchte. Drakes Unternehmung war zwar kein Erfolg beschieden, sie markierte aber gemeinsam mit der Cocconi-Morrison-Vermutung einen Wendepunkt: Die Frage nach der Existenz außerirdischer Lebensformen war von nun an ein seriöses Thema in der Astronomie. Ab 1960 begannen internationale Arbeitsgruppen, den Sternenhimmel nach Hinweisen auf extraterrestrische Zivilisationen abzusuchen. Und es wurde auch ein offizielles Akronym eingeführt: "SETI"- "The Search for Extraterrestrial Intelligence".

Bis heute haben Dutzende Projekte nach auffälligen Signalen im Bereich der Radiowellen, der Mikrowellen, im Spektrum des sichtbaren Lichts, der UV-Strahlung u.v.m. gesucht. SETI wird nach wie vor von Universitäten unterstützt, so etwa von den akademischen Edelschmieden Berkeley und Harvard oder der Ohio State University. Seit 1984 gibt es sogar ein eigenes SETI-Institut in Kalifornien, das ursprünglich Forschungsgelder von der NASA erhielt. Heute finanziert sich das Institut primär durch private Spendengelder.

Ein Nachweis für außerirdische Lebensformen steht aber noch aus. Als aussichtsreichster Kandidat hierfür gilt das so genannte "Wow!"-Signal, das am 15. August 1977 vom Astronomen Jerry Ehman entdeckt wurde. Wie Tausende Male zuvor war Ehman am Radioteleskop "Big Ear" der Ohio State University mit der Kontrolle der Computerausdrucke der Teleskopdaten beschäftigt. Plötzlich wurde er auf eine Datenkolonne aufmerksam, die sich von den übrigen in nie da gewesener Weise abhob: "Ohne zu denken, schrieb ich Wow!' auf den Ausdruck", erinnert er sich heute noch (siehe Abbildung).

Das "Wow!"-Signal erfüllte fast sämtliche Anforderungen, die man von einem kosmischen Lebenszeichen erwartet: Es wurde im Bereich der 21-Zentimeter-Linie gemessen und erreichte etwa die dreißigfache Stärke des Hintergrundrauschens. Auch sieht es aus, als wäre es an- und wieder ausgeschaltet worden. Allein: Trotz unzähliger Wiederholungsmessungen konnte das Signal nicht reproduziert werden. Daher zweifelt Ehman heute daran, dass es sich um eine Botschaft von Aliens handelt: "Wenn es wirklich intelligente Wesen gewesen wären, dann hätten sie das Signal wohl öfter als nur einmal gesendet. Es spricht auch manches dafür, dass es sich um ein Signal von der Erde handelt, das im Weltraum reflektiert wurde."

Ganz ähnlich urteilt Thomas Lebzelter vom Institut für Astronomie der Universität Wien: "Ohne Reproduktion bleibt das ,Wow!'-Signal eine Fehlmessung oder ein kosmisches Ereignis ohne Zuordnung. Denn Wissenschaft basiert schließlich auf Reproduzierbarkeit." Wenn sich aber selbst das aussichtsreichste Signal als Eintagsfliege ungeklärten Ursprungs herausstellt - kann man das SETI-Programm dann überhaupt noch als Wissenschaft bezeichnen? Von "heureka" befragte Astronomen beantworten die Frage positiv: "Die systematische Verfolgung dieser Frage hat nichts mit UFO-Forschung zu tun", betont Lebzelter: "Offen ist lediglich die Beurteilung der Erfolgsaussichten." Lebzelters Institutskollege Josef Hron ist der gleichen Meinung: Dass es sich bei SETI um Wissenschaft handle, zeige sich vor allem an den verwendeten Messmethoden. Denn diese seien "nachvollziehbar und überprüfbar". Somit bleibt SETI ein eigenartiges Zwitterwesen: einerseits eine Unternehmung, die sich streng wissenschaftlicher Methoden bedient, andererseits eine Wissenschaft, die kein einziges Resultat vorzuweisen hat.

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