Testen Sie die Grenzen Ihres Wissens!

aus HEUREKA 1/03 vom 05.03.2003

Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seines Gehirns. Keine Schneeflocke gleicht der anderen. Das hat jeder schon gehört. Aber stimmt es auch? Oder handelt es sich nur um allzu weit verbreitete Legenden? Reichen Ihre vermeintlich wissenschaftlichen Weisheiten bestenfalls für Smalltalk mit Leichtgläubigen? Oder sind Sie ein Auskenner? Die Lösungen finden Sie auf unserer Homepage www.falter.at/heureka. Viel Spaß!

1. Der Mensch nutzt nur zehn Prozent seines Gehirns.

A Stimmt. Aber es gibt einige wissenschaftlich erwiesene Techniken, die eigene Hirnaktivität zu steigern. Kopfrechenkünstler machen es schließlich vor.

B Stimmt nicht. Sämtliche gesunden grauen Zellen sind auf die eine oder andere Weise an den Prozessen im Gehirn beteiligt.

C Stimmt nicht. Und im Originalwortlaut sagte Albert Einstein vielmehr: "Nur zehn Prozent der Menschen sind fähig, ihr Gehirn zu gebrauchen."

2. Wir nehmen einen großen Teil des Sauerstoffs durch die Haut auf.

A Stimmt. Auch wenn wir anders als Würmer und andere niedrigere Lebewesen zusätzlich durch Mund und Nase atmen.

B Stimmt nicht. Aber man kann trotzdem ersticken, wenn außer den Nasenlöchern der ganze Körper luftdicht bedeckt ist.

C Stimmt nicht. Die Hautatmung sorgt für gerade mal ein Prozent unseres Sauerstoffhaushalts.

3. Abgesehen von Hirnzellen erneuert der Mensch alle sieben Jahre sämtliche Körperzellen.

A Stimmt, vorausgesetzt, man ist tadellos gesund.

B Stimmt nicht. Manche Zellen müssen schon nach Stunden ersetzt werden, andere Zelltypen werden dreißig Jahre alt, und einige erneuern sich gar nicht.

C Blöde Frage, allein die Zahl sieben klingt doch schon nach Zahlenmystik.

4. Blendet man für Sekundenbruchteile "Botschaften" in Filme ein, erreicht man direkt das Unterbewusstsein der Zuseher.

A Stimmt. Die "Iss Popcorn/Trink Cola"-Studie von James Vicary (1957) belegt, dass unterschwellige Werbung den Verkauf im Kino steigert.

B Stimmt. Schließlich ist unterschwellige Werbung in den USA 1957 sofort verboten worden.

C Stimmt nicht. Die Studie war das Fake eines Marketingunternehmens.

5. Durch Lesen einer E-Mail von einem Unbekannten kann man sich einen Computervirus einfangen.

A Stimmt. Hätten verantwortungsbewusste User nicht ihre Freunde und Bekannten gewarnt, wären schon viele Milliarden Schaden entstanden.

B Stimmt nicht. Vorausgesetzt, man lädt keine exe-Datei herunter. Schaden entsteht nur durch Kettenbriefe, die vor E-Mails mit bestimmtem Betreff warnen.

C Sorry, ich habe einen Apple. Der ist resistent gegen Computerviren.

6. Teflon ist ein Abfallprodukt der Weltraumforschung.

A Stimmt. Polytetrafluoräthylen, wie es richtig heißt, wurde bei der Forschung nach geeigneten Isolierstoffen für Raketen erfunden.

B Stimmt. Weil Teflon Gase, aber nichts Festes oder Flüssiges durchlässt, wurden Raumanzüge daraus genäht - bei den Astronauten gefloppt, als Gore-Tex ein Hit.

C Stimmt nicht. Aber bis jemand die Idee hatte, mit dem reaktionsfeindlichen Pulver aus den Labors eines Weltkonzerns Pfannen zu beschichten, vergingen 16 Jahre.

7. Fast siedendes Wasser gefriert schneller als Wasser mit Zimmertemperatur.

A Stimmt. Kaltes Wasser kühlt nämlich tiefer unter den "Gefrierpunkt" ab, bevor es tatsächlich gefriert.

B Kann man nicht sagen. Versuchsreihen eines Eisschrankherstellers belegen, dass es vom Luftdruck und der Kühltechnik abhängt.

C Stimmt nicht. Das Gegenteil ist richtig, schließlich muss heißes Wasser einen größeren Temperaturunterschied überwinden, bis es gefriert.

8. Keine Schneeflocke gleicht der anderen.

A Stimmt. Jedenfalls bis zum Beweis des Gegenteils. Ein US-amerikanischer Fotograf hat einmal 5000 Flocken unter dem Mikroskop verglichen: alle verschieden.

B Kann man nicht sagen, weil sich mit diesem nutzlosen Problem noch nie seriöse Wissenschaftler befasst haben.

C Stimmt nicht. Weil Schneeflocken, die unter den gleichen klimatischen Bedingungen fallen, gleichförmig kristallisieren, stimmen sie oft überein.

9. Die Zahl der heute lebenden Menschen ist größer als die aller Toten der ganzen Erdgeschichte.

A Stimmt. Und zwar seit der Bevölkerungsexplosion in der Dritten Welt in den Siebzigerjahren, wie Demographen übereinstimmend sagen.

B Kann man nicht sagen. Bis ins 19. Jahrhundert gibt es keine zuverlässigen Bevölkerungszahlen, und die Schätzungen sind viel zu ungenau.

C Stimmt nicht. Ein deutscher Bevölkerungswissenschaftler hat hochgerechnet, dass 1990 die

Zahl aller bisher Gestorbenen die der Lebenden um mehr als das Zehnfache überstieg.

10. Die Ideen für dieses Quiz hat "heureka" großteils aus den Büchern des Redakteurs der Kolumne "Stimmt's" im Wissenschaftsteil der "Zeit", Christoph Drösser (Stimmt's? Moderne Legenden im Test. Reinbek, Rowohlt 1998. Stimmt's? Noch mehr moderne Legenden im Test. Reinbek, Rowohlt 2000), abgekupfert.

Stimmt genau. S. L.

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