Friedensforschung in Österreich

aus HEUREKA 2/03 vom 30.04.2003

Eine alte Burg im südburgenländischen Schlaining ist seit 1982 Sitz des Österreichischen Studienzentrums für Frieden und Konfliktlösung (ÖSFK), besser bekannt als Friedenszentrum Schlaining. Während sich das eigentliche ÖSFK auf die Analyse von Konflikten konzentriert, übernimmt das angeschlossene European University Center for Peace Studies (EPU) die Lehre und praktische Umsetzung, auf die in Schlaining viel Wert gelegt wird. Auch internationale Besucher halten Vorträge: Johan Galtung, der wohl bekannteste Friedensforscher, war im Vorjahr zweimal zu Gast.

ÖSFK-Gründer und -Präsident Gerald Mader sieht die Rolle seiner Institution vor allem im Trainingsbereich für Konfliktprävention und Krisenmanagement - eine Tätigkeit, die dem ÖSFK 1995 den UNESCO-Preis für Friedenserziehung einbrachte und heute auch wesentlich zur Finanzierung der Institution beiträgt: "Wir sind von der EU beauftragt worden, Trainingsmodule für Juristen und Diplomaten auszuarbeiten, als Vorbereitung für Einsätze in Krisengebieten", so Mader.

Schlaining bietet nicht nur Forschung und Lehre, sondern auch "Frieden zum Anschauen": Das im Jahr 2000 eröffnete "Europäische Friedensmuseum" dokumentiert in seiner permanenten Ausstellung über Frieden, Konflikt, Umwelt und Gewalt auch die Geschichte der Friedensbewegung, die zwar in enger Verbindung mit der Friedensforschung steht, sich aber in einem wesentlichen Punkt von dieser unterscheidet: "Die Friedensbewegung ist ihrem Wesen nach sehr spontan, emotional und sicher auch einseitig in ihren Aussagen. Das darf eine wissenschaftliche Friedensforschung nicht sein", betont Mader.

Für Mader ist auch der Unterschied zwischen Friedensforschern und Sicherheitsexperten klar: "Die so genannten Sicherheitsexperten sehen im Militär und in der Rüstung das einzige Mittel, um Sicherheit zu erlangen. Sicherheitspolitik geht von dem Satz aus: ,Si vis pacem, para bellum - Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor!'. Die Friedensforschung sagt aber: ,Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Frieden vor!'" K. C.

Ein ausführliches Interview mit Gerald Mader finden Sie in der Internetausgabe von heureka: www.falter.at/heureka

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