ABC der Entwaffnung

aus HEUREKA 2/03 vom 30.04.2003

ABC-Waffen Sammelbegriff für Massenvernichtungswaffen, die auf atomarer Kettenreaktion, biologischen oder chemischen Kampfstoffen beruhen. Ihre Anwendung ist seit dem Genfer Protokoll 1925 völkerrechtswidrig, ihre Verbreitung ist durch internationale Verträge geächtet, die jedoch nicht von allen Staaten in allen drei Sparten ratifiziert sind. Bei Atom- und chemischen Waffen wird die Einhaltung in den Vertragsstaaten von der IAEA bzw. OPCW überwacht. Die Einrichtung einer Weltbehörde für biologische Waffen scheiterte zuletzt am Widerstand der USA.

CBTBO In Wien ansässige Behörde, die die Einhaltung des Atomteststopps anhand radioaktiver Teilchen in der Atmosphäre und mittels seismischer Instrumente überwacht. Während das wissenschaftliche Netzwerk bereits funktioniert, ist der 1996 von den Vereinten Nationen vereinbarte Vertrag wegen Widerstand der USA noch immer nicht ratifiziert.

Dreckiges Dutzend Sammelbegriff für Viren und Bakterien, auf deren Basis besonders bedrohliche biologische Waffen entwickelt werden könnten, u.a. Pocken, Milzbrand oder Botulismus.

Dual Use Problematik der Unterscheidung zwischen legitimer ziviler Forschung (etwa zur Entwicklung von Impfstoffen) und geächteter Forschung zur Entwicklung biologischer Kampfstoffe (zumal ihre Anwendung die Impfung der Forscher und der eigenen Soldaten erfordert). Dagegen sind die militärische und die zivile Anwendung der Atomkraft wegen der unterschiedlichen Strahlung des jeweils erforderlichen spaltbaren Materials eindeutig unterscheidbar.

IAEA Internationale Atomenergie-Organisation. Die Behörde mit Stammsitz in Wien überwacht, dass Atomwaffen nicht weiter Verbreitung finden. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Russland und China haben sich als offizielle Atommächte verpflichtet, den Status quo zu bewahren. Indien, Pakistan und Israel haben den Atomwaffensperrvertrag nicht ratifiziert.

Konversion Neuausrichtung, gemeint ist hier die K. von der Waffenentwicklung auf zivile Anwendungen. Insbesondere in Russland seit 1989 ein Thema, wo die Neuausrichtung von Waffenforschern, ihren Labors und Produktionsstätten international beachtet wird.

Nichttödliche Waffen Forschungsprogramm der US-Marine unter Leitung eines Instituts in Quantico/Virginia zur Entwicklung militärischer Anwendungen inhalierbarer Medikamente. Laut der Abrüstungsinitiative Sunshine Project wird dort mit Beruhigungsmitteln, aufputschenden Partydrogen und krampfauslösenden Medikamenten sowie dafür geeigneten Granaten experimentiert. Auch nichttödliche chemische Waffen sind geächtet.

OPCW Organisation für das Verbot chemischer Waffen. Die in Den Haag ansässige Behörde überwacht, ob, wie 1997 vereinbart, alle chemischen Waffenarsenale und -fabriken bis 2007 zerstört werden. Zumindest Russland wird diese Frist nicht einhalten.

Russland Heimat von schätzungsweise 60.000 zu Sowjetzeiten ausgebildeten Waffenforschern, die zur Verbreitung von ABC-Waffen beitragen könnten. Bis Mitte der Neunzigerjahre kursierten Medienberichte über angebliche Anwerbungen durch Schurkenstaaten und Terroristen. Um diese Wissenschaftler in Lohn und Heimat zu halten, haben die OECD-Staaten Budgets zur Verfügung gestellt. Das wichtigste läuft unter dem Namen International Science and Technology Center und hat seit 1992 eine halbe Milliarde Euro für Konversionsprojekte in R. ausgeschüttet. Weit teurer wird die Vernichtung der aus Sowjetzeiten stammenden ABC-Waffen, deren Kosten auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt wird.

UNMOVIC Kommission der Vereinten Nationen mit dem Mandat, die Abrüstung der ABC-Waffen im Irak zu überwachen. Ihr Direktor ist der Schwede Hans Blix. Vor dem Krieg im Irak waren hundert Inspektoren von UNMOVIC und 15 Inspektoren der IAEA vor Ort. S. L.

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