Dosierungshinweise

aus HEUREKA 5/03 vom 05.11.2003

Mit neuen Medikamenten mag sich die Pharmabranche schwer tun, Mittel zur Beeinflussung der Fachwelt und der Öffentlichkeit hat sie jede Menge. Die Hauptanwendungsgebiete: Ärzte und Journalisten. Die Nebenwirkungen: Störungen der ärztlichen Meinungsbildung und Ausbleiben kritischer Medizinberichte.

Für Ärzte:

Zeitschriften kosten Ärzte schon lange nichts mehr, weil die Industrie nach Kräften inseriert, vorausgesetzt, das Anzeigenumfeld ist freundlich.

Proben in Hülle und Fülle bringt der Pharmavertreter in die Praxis mit.

Ein Abendessen ist der beste Rahmen für eine kleine Fortbildung im Kollegenkreis. Wenn der Pharmavertreter seinen Job versteht, wird er im richtigen Moment das Unternehmen und aktuelle Präparate erwähnen.

Ein Vortragshonorar gibt es für den Arzt, der referiert. Das fängt bei 250 Euro an, bekannte Mediziner streichen bei Ärztekonferenzen 5000 Euro ein.

Eine Reise zu einer Tagung oder einer Produktpräsentation, vorzugsweise an Orte mit hohem Freizeitwert, wird manchem Arzt gerne bezahlt.

Spitalzubehör wird freizügig verschenkt, bevor im Spital größere Anschaffungen anstehen.

Forschungsgeld für teure klinische Studien vergibt manches Unternehmen sogar nur, wenn es die Ergebnisse zensieren oder die Veröffentlichung ganz unterbinden darf.

Fachtagungen sind oft komplett gesponsert, etwa die "Satelliten" genannten Veranstaltungen am Rande großer Konferenzen.

Posten in Aufsichtsräten oder Beiräten, teils in Geld, teils in Aktien vergütet, binden Nobelpreisträger oder andere prominente Mediziner ans Unternehmen.k

Für Journalisten:

Ein Imbiss ist das Minimum an Aufmerksamkeit für Medienvertreter, die zu einer Pressekonferenz erscheinen.

Ein Weinpräsent zum Geburtstag oder vor Weihnachten erhalten Journalisten, mit denen die Firma oder der Verband mehr als einmal zu tun hat.

Eine Reise zu einer mehr oder weniger wissenschaftlichen Konferenz oder einer Produktpräsentation, gerne an Orte mit hohem Freizeitwert, wird schon deshalb oft bezahlt, weil dafür sowieso keine Redaktion mehr aufkommt.

Eine Moderation einer Fachdiskussion ist vom Redakteur eines bekannten Mediums ab 500 Euro zu haben.

Ein Schreibauftrag, etwa die anonym verfasste Einladung zu einer Pressekonferenz, kompensiert den Fachjournalisten diskret für seinen unterbezahlten Beitrag in einem Ärzteblatt - und kommt mit rund 500 Euro auch billiger als bei einer Agentur.

Eine Broschüre verfassen zu lassen ist ein mit mehr Arbeit, aber auch mehr Honorar, üblicherweise einigen tausend Euro, verbundenes Dankeschön, wenn das gewünschte Produkt oder Thema redaktionell untergebracht worden ist.

Ein Medien- oder Journalistenpreis lässt Schreibern, die über einen längeren Zeitraum wohlgesonnen berichten und kommentieren, elegant ein paar tausend Euro zukommen.

Ein Beratervertrag bindet Journalisten, die nützliche Insiderkenntnisse anbieten oder gelegentlich Lobbydienste leisten.

S. L.

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