Gesundheitstipps light

Klaus Taschwer | aus HEUREKA 5/03 vom 05.11.2003

Rund um die Themen Gesundheit, Ernährung und Fitness ranken sich eine Menge von alten Legenden und modernen Mythen. Etliche davon sind - streng wissenschaftlich betrachtet - falsch, einige erweisen sich überraschenderweise als richtig, und bei so mancher Behauptung streiten sich bis heute die medizinischen Experten. Acht Klarstellungsversuche.

Fernsehen ist ungesund. Da gibt es unterschiedliche Betrachtungsebenen. Falsch jedenfalls ist, dass zu nahes Sitzen am Fernseher zu Kurzsichtigkeit führt: Der Zusammenhang gilt allenfalls umgekehrt. Dass viel Fernsehen dick macht und zur "Ver(couch)kartoffelung" führt, ist mittlerweile hingegen wissenschaftlich ziemlich gut abgesichert. Fußballsendungen wiederum können sogar zum Tod führen: An Tagen, an denen besonders spannende Spiele der eigenen Fußballnationalmannschaft stattfinden, kommt es zu einer Steigerung der Zahl der Herzinfarkte um bis zu fünfzig Prozent, wie Untersuchungen in den Niederlanden und England ergeben haben.

Sonnencremes schützen vor Hautkrebs. Gilt eigentlich als Dogma - möglicherweise aber nur der Kosmetikindustrie. Die Krebsexperten der Weltgesundheitsorganisation WHO sind sich da nicht so sicher: "Es bleibt unklar, ob Sonnencremes vor malignen Melanomen schützen. In einigen Arbeiten wird die Verwendung von Sonnencremes sogar mit einer Erhöhung des Melanomrisikos in Verbindung gebracht." Seien wir also froh, dass wir angesichts des Wetters gar nicht erst in Versuchung kommen, zur Tube zu greifen.

Vom Frieren bekommt man eine Erkältung. Klingt eigentlich logisch und wird durch eigene Erfahrungen bestätigt. Der direkte Auslöser einer Erkältung ist aber stets ein Virus, weshalb zum Beispiel Forscher auf Polarstationen selten verkühlt sind - weil es im Polareis selbst den Viren zu kalt ist. Darüber, ob Kälte die Abwehrkräfte schwächt, streiten sich die Experten bis heute.

"No sports" war Churchills Gesundheitsmaxime. Warum der britische Staatsmann erst mit über neunzig starb, wäre eigens zu klären. Der Ausspruch "No sports (only whiskey)" stammt jedenfalls ziemlich sicher nicht von ihm, wie man im Churchill Center in Washington glaubt. Und wenn, dann war es ein autobiografisch nicht korrektes Bonmot, denn der leidenschaftliche Zigarrenraucher war in seiner Jugend ein begeisterter Sportler und ritt bis ins hohe Alter.

Light-Zigaretten sind weniger schädlich. Das ist gleich aus drei Gründen falsch: Die geringeren Nikotin- und Kondensatwerte kommen erstens vor allem durch kleine Löcher in den Filtern zustande, weshalb mehr Luft mitangesaugt wird. Hält man sie zu, ist der Effekt weg. Zweitens enthalten diese Zigaretten nur weniger Tabak, der ist aber oft nikotinhältiger. Drittens raucht der Süchtige zur Aufrechterhaltung des Nikotinspiegels. Und dafür braucht es dann halt einfach mehr Light-Zigaretten als normale.

Milch entgiftet den Körper. Bei Vergiftungen mit Farben und Lacken rät man zu einem Glas Milch - irrtümlicherweise. Sie kann in bestimmten Fällen - etwa nach dem "Genuss" von Reinigungsmitteln - besonders gefährlich sein. Woher die Milch diesen reinigenden Ruf hat, weiß man nicht. Als gesichert gilt aber, dass man bei Vergiftungen außer Wasser oder Tee nichts verabreichen und möglichst schnell einen Arzt bzw. die Vergiftungszentrale anrufen soll.

Schnaps hilft beim Verdauen. Eher nicht, aber doch ein bisschen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erklärt jedenfalls, dass Alkohol in geringen Konzentrationen und Mengen die Verdauung fördert, indem die Produktion der Magensäure mäßig stimuliert wird. Wie, weiß man nicht. Allzu viel (und allzu stark) ist aber wie immer ungesund: Bei höherer Dosierung kann Alkohol die Magenschleimhaut schädigen und steht sogar im Verdacht, die Entstehung von Magengeschwüren und Magenkrebs zu fördern. Die Wissenschaft hat übrigens auch festgestellt, dass Frauen zwar weniger Schnaps, aber genauso viel Bier vertragen wie Männer gleichen Körpergewichts.

Verheiratete leben länger. So heißt es zumindest. Und es liegt angeblich auch nicht daran, dass den Verheirateten das Leben nur länger vorkommt. Entgegen einigen anderen Studien kommt eine US-Forschergruppe zum Ergebnis, dass eine Heirat sehr viel weniger einen Altersbonus darstellt, als eine Scheidung das Leben verkürzt. Konkret: Singles dürfen mit einer nahezu ähnlich hohen Lebenszeit rechnen wie Verheiratete.

Quellen:

Christoph Drösser: Stimmt's. Alle modernen Legenden im Test. Sonderausgabe. Reinbek 2003 (Rowohlt). 431 S., e 10,30

Udo Pollmer, Gunter Frank und Susanne Warmuth: Lexikon der Fitness-Irrtümer. Frankfurt a.M. 2003 (Eichborn). 427 S., e 23,50

Christopher Wanjek: Bad Medicine. Misconceptions and Misuses Revealed, from Distance Healing to Vitamin O. Hoboken 2003 (John Wiley and Sons). 280 S., ca. e 15,

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