Refugium der Männlichkeit

aus HEUREKA 1/04 vom 07.07.2004

Neben dem runden Leder steht ein schwarzer Stöckelschuh, hohe Absätze statt Stollen. Dass Frauenfußball keine ernst zu nehmende Sache sei, kann man kaum treffender symbolisieren. Dies ging irgendwann auch dem Österreichischen Fußball-Bund auf, und er nahm dieses Logo von seiner Homepage.

Der Wiener Kulturwissenschaftler Matthias Marschik, der diese Episode berichtet, hat sich eingehend sowohl mit dem österreichischen Frauenfußball als auch mit Maskulinität beschäftigt. Das ist nur scheinbar ein Paradox. Die Männlichkeit befindet sich in einer Krise, der Fußball ist zu einem Refugium der Männer geworden. Hier darf man stark sein und gleichwohl Emotionen ausleben. Darum findet Marschik es aufschlussreich, wie mit Fußball spielenden Frauen umgegangen wurde und heute noch wird.

Zunächst der Blick zurück: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts drängten Frauen in Sportarten, die eigentlich für Männer reserviert schienen. Als Sport in den Zwanzigerjahren Teil der Populärkultur wurde, bedeutete das in den betreffenden Sportarten das Ende der Emanzipation. Für die begeisterten Massen wurde gerade Fußball rein männlich inszeniert. Frauenfußball wurde in Österreich nur dann gefördert, so Marschik, wenn die Vereine knapp bei Kasse waren und sich erhofften, dass die kickenden Damen auch als zahlende Zuschauer die Stadien füllen helfen würden. Wenn aber Frauen sich selbst zu organisieren suchten, stießen sie auf mehr oder minder subtilen Widerstand. Dies hat sich erst in den Siebzigerjahren geändert und zwar, wie Marschik meint, eher auf aufgrund der Entwicklungen im Ausland.

In Österreich gibt es derzeit etwa 7000 in Vereinen organisierte Fußballerinnen und geschätzte 10.000 Frauen, die regelmäßig privat kicken. Der offene Sexismus der Vergangenheit ist aus den Medien verschwunden. Eine kontinuierliche Berichterstattung, wie sie mancher unterklassigen Männerelf gewidmet wird, fehlt nach wie vor. Und wenn über einzelne Events berichtet wird, dann meist in leicht bevormundenden Tonfall: "Das ist ein schöner Erfolg!"

Anders als etwa in Deutschland sind es nach wie vor fast ausschließlich Männer, die als Funktionäre und Trainer das Sagen im österreichischen Frauenfußball haben. "Das sind Leute, die es im Männerfußball nicht geschafft haben. Mit Gendermainstreaming und Feminismus haben die sicher nichts am Hut", sagt Marschik, "Frauenfußball ist in Österreich in keiner Weise akzeptiert." Aber es liege nicht nur an den Männern und den Medien. Auch die Frauen wirken an dieser Geschlechterkonstruktion mit, wie Marschik in zahlreichen Interviews herausgefunden hat: Der Fußball der Männer sei halt wichtiger und sie könnten es eben doch besser, bekam er von Spielerinnen zu hören. Wenn die Frauen mal nicht auf den Rasen dürfen und auf dem Kunstrasenplatz schon die (männliche) Jugendmannschaft trainiert, fügen sie sich und ziehen zum Kicken in den Park.

Wie passt das alles zu den vollmundigen Ankündigungen des ÖFB, die Zukunft des Fußballs sei weiblich? Wenn man sich die anhaltende Bedeutungslosigkeit der Männernationalelf vor Augen führt, so Marschik, biete doch gerade eine gezielte Förderung des Frauenfußballs eine Profilierungschance. O. H.

Matthias Marschik: Frauenfußball und Maskulinität. Geschichte, Gegenwart, Perspektiven. Münster 2003 (LIT). 458 S., e 30,80

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