Der Körper weiß es besser

aus HEUREKA 1/04 vom 07.07.2004

Immer häufiger nehmen sich Ernährungswissenschaftler und Mediziner vermeintliche Gewissheiten der Fitnessindustrie vor. Udo Pollmer, Gunter Frank und Susanne Warmuth haben diese Studien gesichtet, deren Ergebnisse fast immer ernüchternd sind: Die meisten Glaubenssätze der Motivationsgurus und Marketingstrategen gehören ins Reich der Legenden. Eine Grundregel bleibt bestehen: Vorsicht vor pauschalen Vorgaben.

Wo ein Wille ist ... Letztlich ist alles nur eine Frage der Einstellung. Mit eiserner Disziplin und der richtigen Anleitung kannst du fit werden und das Infarktrisiko verringern. So wollen es die Motivationstrainer und die Krankenkassen. Stimmt leider nicht. Es ist viel weniger das eigene Wollen als die persönliche Veranlagung, die darüber entscheidet, wie viel mehr an Gesundheit regelmäßiges Training bringt.

Dosis aus der Dose. Wer beim Sporteln schwitzt, verliert wichtige Mineralstoffe. Um leistungsfähig zu bleiben, muss daher schnell Ersatz beschafft werden - am besten aus einer bunten Dose. Isotonische Getränke, klingt ja auch irgendwie gut, das bedeutet aber nur, dass eine Lösung eine definierte Art an gelösten Teilchen enthält, gleich ob Kochsalz oder Traubenzucker. Isodrinks enthalten zudem oft Stoffe, an denen kein Mangel herrscht, wie Magnesiumkarbonat, oder auch Phosphatzusätze, auf die man besser verzichtet.

Muskelkater. Es ist die Milchsäure! Wenn es nach dem Joggen oder Kicken in den Muskeln zwickt, kommt das von einem Überschuss an Laktat. Richtig ist, dass bei einem unvollständigen Glukoseabbau in den Muskeln Milchsäure entsteht. Falsch ist, dass dies zu Muskelkater führt. Ursache dafür sind vielmehr feine Risse in den Muskelfasern, die von zu großer oder ungewohnter Belastung herrühren.

Schlankmacher Sport. Laufen für die gute Figur, die Pfunde einfach wegstrampeln - was so einleuchtend klingt, funktioniert in der Praxis meist nicht. Zum Abnehmen taugt Sport genauso wenig wie Diätprogramme. Denn der Körper verteidigt das einmal erreichte Gewicht mit hormonellen Sicherheitssystemen. Schlankheitsideale sind ihm schnuppe, man weiß ja nie, ob Nahrung nicht bald wieder knapp wird.

O. H.

Udo Pollmer, Gunter Frank, Susanne Warmuth: Lexikon der Fitness-Irrtümer. Frankfurt a.M. 2003 (Eichborn). 427 S., Euro 23,50

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