Wie man Killerphrasen pariert

Antonia Cicero | aus HEUREKA 2/04 vom 10.11.2004

Sie sind Theoretiker und haben keine Ahnung von der Praxis!

Bedenken dieser Art sind mir wohl bekannt, allerdings halte ich diese Polarisierung für wenig zielführend.

Bitte erläutern Sie mir doch, was Sie unter Praxis verstehen.

Diese Aussage scheint mir ein wenig floskelhaft. Was möchten Sie mir damit konkret mitteilen?

Haben Sie ein Beispiel, wo in Ihren Augen Theorie und Praxis auseinander klaffen, um Ihre Kritik zu konkretisieren?

Da haben wir möglicherweise Auffassungsunterschiede.

Nun, wir alle sehen immer nur einen Ausschnitt der Wirklichkeit.

Mit theoretischen Überlegungen lassen sich sehr wohl auch praxisrelevante Aussagen tätigen.

Hätten Sie nicht gerne die Kompetenz, um mich wirklich überzeugen zu können?

Was genau würde Sie denn überzeugen?

Halten Sie diese Frage für besonders fair?

Möglicherweise ist das weniger eine Frage der Kompetenz als der Einstellung ...

Möglicherweise sprechen Sie da nicht von meiner Kompetenz, sondern von meiner Geduld ...

Es freut mich, dass Sie sich gerne überzeugen lassen würden. Wie viel Zeit stellen Sie mir dafür zur Verfügung?

Als Konter (also mit Vorsicht anzuwenden): Sie sind doch schon so überzeugt von sich selbst, da hab ich keine Chance mehr.

Woher nehmen Sie überhaupt den Mut zu so einer Äußerung?

Meine Aussage kann ich mit Fakten/Tatsachen/Praxisfällen etc. stützen.

Courage/Entschlossenheit kann auch in der Wissenschaft manchmal fruchtbar sein.

Es freut mich, dass Sie meine Gedankengänge mutig finden.

Ich kann mich eben gut abgrenzen.

Es geht nicht um meinen Mut, sondern um die Inhalte meiner Ausführungen.

Scheint Ihnen diese Anmerkung nicht ein wenig engstirnig?

Aus Ihrer Perspektive mag es mutig wirken, für mich ist es eine logische Folgerung.

Sie kennen doch sicher die Arbeit von X. Der hat schon in den Siebzigern gezeigt, dass ...

Ich denke, das würde uns derzeit eher vom Thema wegführen.

Es gibt zweifellos andere Meinungen.

Welche Aussagen von X finden Sie denn besonders aufschlussreich?

Dazwischen liegen dreißig Jahre an wissenschaftlicher Forschung - ich beschäftige mich eher mit aktuellen Erkenntnissen/Theorien.

Ja, allerdings halte ich X für weniger aussagekräftig/für nicht mehr relevant/stimme ich seinen Thesen nicht zu.

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