Liebe Leserin, lieber Leser!

Oliver Hochadel, Klaus Taschwer und Stefan Löffler | aus HEUREKA 3/04 vom 09.12.2004

Sie wissen nicht so recht, was Sie mit dem Begriff Nano anfangen sollen? Dann geht es Ihnen nicht anders als 80 Prozent der US-Amerikaner und Briten, wie jüngste Studien aus 2003 und 2004 belegen. Auch Bill Gates scheint den Begriff nicht zu kennen: Die automatische Rechtschreibprüfung seines Textverarbeitungsprogramm hat beim Verfassen der Beiträge dieses Heftes stets ihre roten Zickzacklinien unter "Nano" gezeichnet. Dass die Nanotechnologie, die Bearbeitung und Herstellung von Stoffen auf molekularer Ebene, als einer der viel versprechendsten Forschungsbereiche der Zukunft gilt, hat sich offensichtlich noch kaum herumgesprochen.

Nun, was genau da auf uns zukommen wird an technologischen Revolutionen und medizinischen Wunderwaffen, ist schließlich auch alles andere als ausgemacht. Werden "nanoskalige" Materialien mit neuen Eigenschaften unsere Welt völlig verändern? Nie mehr Auto waschen oder Schuhe polieren? Nanoroboter unsere Adern putzen? Oder steht bei vielen dieser Visionen eher die Fantasie Pate? Für diesen ungewissen Schwebezustand hat sich die Formel "zwischen Hype und Hope" eingebürgert. Also was jetzt?

Es wird also Zeit, die Welt des Allerkleinsten zu erkunden. Nur wie? "heureka" hat beim Physiker Wolfgang Heckl nachgefragt, der vor zehn Jahren das kleinste Loch der Welt gebohrt hat und seit Oktober das größte deutsche Technikmuseum in München leitet. Weil er neben seiner Fachkompetenz als Nanowissenschaftler auch ein ausgezeichneter Kommunikator ist. Daher weiß er etwa, dass Erklärungen allein nicht genügen. Bilder sagen mehr als Worte oder auch Zahlen. Oder hilft es Ihnen zu wissen, dass ein Nanometer ein Achtzigtausendstel einer Haarbreite misst? Darstellungen von bunten Molekülen und Miniaturrobotern in Blutbahnen haben nicht zuletzt die Aufgabe, das kaum vorstellbar Kleine zu übersetzen, indem sie an makroskopische Sehgewohnheiten anschließen. Und falls Sie sich über den Gartenzwerg auf dem Cover dieses Heftes wundern: Zwerg heißt auf lateinisch "nanus".

Damit die Nanotechnologie vorankommt, bedarf es finanzieller Unterstützung. Spät, aber doch hat man nun auch in Österreich mit der gezielten Förderung dieses Forschungsfeldes begonnen. Das nationale Förderprogramm zu Nanotechnologien und Nanowissenschaften ist die Österreichische NANO Initiative, sie steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie unter Beteiligung weiterer Ministerien, der Länder, des FWF und der aws. Das Programm wird in der neu gegründeten Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) abgewickelt.

Nanoforschung wird hierzulande freilich schon länger betrieben. Wir haben uns umgehört in der österreichischen "Nanoszene", Spannendes über Chancen und Probleme praktizierter Interdisziplinarität erfahren und einige der Physiker, Chemiker und Biologen auch porträtiert.

Da letztlich wir diejenigen sind, die später einmal mit den Segnungen der Nanotechnik leben werden, berichten wir nicht nur über die Versprechungen, sondern auch mögliche Risiken der kleinen Partikel. Denn wie bei jeder neuen Technologie gilt auch bei der Nanotechnologie, dass sie sich nur dann sinnvoll entwickelt, wenn die Öffentlichkeit über ihre Entwicklung informiert und miteinbezogen wird.

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