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Daniel Kehlmann | aus HEUREKA 3/04 vom 09.12.2004

Mit geschrumpfter Technologie habe ich täglich zu tun. Vielleicht ist der Begriff Nano leicht übertrieben, doch ich verwende einen 1,5 Kilogramm leichten Laptop, der angeblich leistungsfähiger ist als alle Rechner, welche die NASA zur Kontrolle der Mondlandung einsetzte, sowie ein ganz unglaubhaft winziges Mobiltelefon. Und obwohl ich weiß, dass ich es mit technischen Wundern zu tun habe, die man noch vor zwanzig Jahren Außerirdischen zugeschrieben hätte, tue ich so, als sei es normal, all diese Technik mit sich herumzutragen, ärgere mich, wenn der Computer zu langsam hochfährt, schimpfe, wenn das Telefon keinen Empfang hat, und empfinde es als Katastrophe, wenn die Bluetooth-Verbindung zwischen beiden nicht funktioniert und ich an einem entlegenen Ort nicht ins Internet komme.

Mein erstes Mobiltelefon war winzig. Ich war erstaunt, dass es so kleine Geräte überhaupt gab. Nach einem Jahr bemerkte ich, dass Leute mit Belustigung darauf reagierten, weil es ihnen altmodisch groß vorkam. Jemand fragte mich, ob es sich um eine Fernbedienung handle. Bald ging es ohnehin kaputt, und ich schaffte mir ein neues an, eines, das noch kleiner war, und dann ein noch kleineres. Und jetzt?

Jetzt glaube ich, an einer naturgegebenen Barriere angekommen zu sein. Sicher kann man einen noch kleineren Laptop herstellen, aber meine Augen sind einfach nicht scharf genug für einen Bildschirm unter zwölf Zoll; meine Hände kämen mit einer kleineren Tastatur nicht zurande, und trotz aller eingebauten Wörterbücher kann ich oft einfach die Energie nicht aufbringen, auf Handytasten, die ich kaum ausmachen kann, eine Kurznachricht zu tippen.

Es hilft nichts, wir sind physische Wesen. Unsere Augen, unsere Hände, den Abstand zwischen Ohr und Mund werden wir so bald nicht verändern. Vielleicht kann man einen Mikrochip ins Atomare schrumpfen lassen; jene Elemente aber, die wir brauchen, um uns mit ihm zu verständigen, müssen wir den Ausmaßen unseres Körpers anpassen. Die Grenze für die Verkleinerung von Technik? Die Antwort scheint einfach. Diese Grenze sind wir.

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