"Neun Jahre harter Arbeit"

aus HEUREKA 1/05 vom 26.01.2005

"Mach dir keine Sorgen wegen deiner Schwierigkeiten in Mathematik", schrieb Albert Einstein 1943 an die Schülerin Barbara Wilson, "ich kann dir versichern, meine sind noch größer." Der Entdecker der Relativitätstheorie war einer der größten Physiker - doch wie bedeutend war er als Mathematiker? Was steckt mathematisch in der speziellen und was in der allgemeinen Relativitätstheorie? Und: Ließ Einstein gar für sich rechnen?

Rudolf Taschner, Mathematikprofessor an der TU Wien und Österreichs frisch gebackener Wissenschaftler des Jahres, rekonstruierte, wie und mit wem Einstein rechnete - vor allem bei der allgemeinen Relativitätstheorie, die er 1916 veröffentlichte. "Die spezielle Relativitätstheorie aus dem Jahr 1905 war mathematisch noch relativ einfach", so Taschner. "Doch als er dann 1907 auf die Idee kam, man müsste auch noch die Gravitationstheorie einbauen, brauchte es eine Theorie der beschleunigten Systeme. Und dabei kam er mathematisch lange Zeit nicht voran." In seiner Not wandte sich Einstein sogar an seinen Studienkollegen Marcel Großmann, inzwischen Professor an der ETH Zürich: "Großmann, du musst mir helfen, sonst werd' ich verrückt!"

Zumindest in Sachen Mathematik scheint der Mythos vom einsamen Genie Einstein nicht zu stimmen. "Er hatte einige Mathematiker um sich, die mit ihm gerechnet haben", meint der Mathematiker und Betreiber des math.space, der neben Marcel Großmann noch Hermann Minkowski, Hermann Weyl, Wolfgang Pauli sowie Emmy Noether als "Mitarbeiter" Einsteins nennt. Und: Es sei Einsteins Glück gewesen, dass die Mathematik auf seine Probleme gewissermaßen vorbereitet war: "Bereits der große Carl Friedrich Gauß, der um 1820 Vermessungsarbeiten durchführte, spielte mit der Idee, dass nicht nur die Fläche (wie auf einer Kugel), sondern auch der Raum selbst gekrümmt sein könnte."

Der Gauß-Schüler Bernhard Riemann, ein anderer bahnbrechender Mathematiker, habe diese Ideen ebenso weiterentwickelt wie Kollegen aus Italien, und so sei das Kalkül, das Einstein benötigte, um 1890 bereits fertig gewesen. "Großmann wusste davon und hat sich mit Einstein eingearbeitet - der dabei die Erkenntnis machte, dass man die Mathematik in ihren feinsten Details lernen muss." Taschners Resümee: "Die Mathematik der allgemeinen Relativitätstheorie, das war dann wirklich schwere Arbeit, neun Jahre lang. Danach hat er als Mathematiker aber nichts mehr geleistet."

Rudolf Taschner live: "KlEinstein. Albert Einstein für kleine Leute ab 8 Jahren (und auch für ihre große Begleitung)". 9. und 23.4., jeweils 16 Uhr, Auditorium des Leopold Museums im MuseumsQuartier Wien, Anmeldung erforderlich unter 0664/440 78 78.

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