Patentrezepte für Patente?

aus HEUREKA 2/05 vom 23.03.2005

Lifestyleexperten, besser bekannt als Trendscouts, schwärmen in die hippen Subkulturen aus, um kommende Modetrends zu erspähen. Denn die Industrie möchte wissen, welche Turnschuhe und Handtaschen sie produzieren soll. Während also die jugendlichen Konsumtrends unter aufmerksamer Beobachtung stehen, hat man der Forschung lange Zeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Nun gibt es sie aber auch in Österreich, die Innovations- oder Patentscouts, die die Brutstätten des Geistes nach wirtschaftlich Verwertbarem durchstöbern.

Alle wissenschaftlichen Universitäten haben mittlerweile Stellen für Technologietransfer eingerichtet, die ihre Mitarbeiter als Trendscouts der Wissenschaft in die Institute ausschwärmen lassen. Dazu kommen Workshops und Kampagnen, die die Wissenschaftler informieren und motivieren sollen, ihre Erkenntnisse zu verwerten. Die Profis für Technologietransfer durchforsten auch Aufsätze - und das teilweise schon, bevor sie eingereicht werden -um zu verhindern, dass die Chance auf Patentierung durch eine voreilige Veröffentlichung verschenkt wird. Eng vernetzt sind die Patentexperten der Universitäten mit der nationalen Patentverwertungsagentur tecma beim Austria Wirtschafts Service.

Mit dem voriges Jahr in Kraft getretenen Universitätsgesetz können die nun vollrechtsfähigen Hochschulen auch über die Patente verfügen. An Universitätsinstituten entwickelte Ideen gelten als "Diensterfindungen" und müssen gemeldet werden. Die Universität hat dann drei Monate Zeit, diese in Anspruch zu nehmen. An der TU Graz beispielsweise wurden zwischen August 2004 und Jänner 2005 immerhin 33 Erfindungen gemeldet, zwölf davon von der Universität als Diensterfindung reklamiert und schließlich sechs davon zur Patentierung angemeldet.

Von einem Patentierungsboom an österreichischen Universitäten kann nicht gesprochen werden, erste Erlöse wurden aber bereits erzielt. Vergangenen November etwa verkaufte das Institut für Pharmakologie der Medizinischen Universität Wien das Patent für ein Medikament gegen Mukoviszidose für eine Million Euro an das Pharmaunternehmen AOP Orphan Pharmaceuticals. Von dem, was nach Abzug der Kosten bleibt, erhält die Medizinuni vierzig Prozent, der Erfinder 35 Prozent und das Institut 25 Prozent. O. H.

Patentverwertungsagentur Tecma

www.tecma.at

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