Der Lohn des Forschens

Daniel Kainz und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 2/05 vom 23.03.2005

Sie haben die beste und längste Ausbildung von allen Erwerbstätigen. Doch verdienen Wissenschaftler in Österreich auch genug? Und wie sieht es im Vergleich an US-Eliteuniversitäten aus? Ein kleiner Streifzug durch das Dickicht von Gehaltsstatistiken und Zusatzverdienstgrauzonen.

Der Streit dreht sich auch ums liebe Geld. Seit 15 Monaten ist zwar das neue Universitätsgesetz in Kraft, beim neuen Kollektivvertrag für Hochschullehrer allerdings spießt es sich nach wie vor. Weil die bisherigen Verhandlungen über die neuen Gehalts- und Dienststrukturen allesamt ergebnislos endeten, gilt für kürzlich oder neu eingestellte Vertragsassistenten und Vertragsdozenten weiterhin ein Provisorium, das immerhin einen ziemlich fixen Rahmen hat.

Ganze 19 Entlohnungsstufen sieht das nach wie vor aktuelle Gehaltsschema vor, dessen unterste Stufe für Dozenten bei 2051,70 Euro monatlich beginnt und bei 5286,80 Euro (Stufe 19) endet, gleich an welcher Universität. Alle zwei Jahre wird mittels Biennalsprung eine neue Stufe erklommen, so wie das auch die Hochschullehrer im alten, unangetasteten Dienstrecht tun. Deren Einkommen bewegt sich in ähnlichen Bandbreiten - allerdings mit dem Vorteil der Pragmatisierung.

Nimmt man alle "wissenschaftlichen Lehrkräfte" in Österreich zusammen, so verdienen sie laut Einkommensbericht 2004 im Schnitt 42.730 Euro brutto jährlich, was je nach Vergleichsgröße zugleich viel und wenig ist. Diese Summe ist einerseits ziemlich genau das Doppelte des Durchschnittsverdiensts von unselbstständig Erwerbstätigen in Österreich, das 21.060 Euro beträgt (Frauen: 15.380; Männer: 25.830). Andererseits schneiden die Lehrkräfte im Vergleich mit ausgewählten Gruppen von Wissenschaftlern vergleichsweise schlecht ab.

Am besten verdienen die 19.400 österreichischen Mediziner und Biowissenschaftler - nämlich im Schnitt 60.220 Euro -, gefolgt von den 25.100 Physikern, Mathematikern und Ingenieurwissenschaftlern, die es auf durchschnittlich 54.180 Euro Bruttojahresverdienst bringen. Auch in diesem Bereich der Bestqualifizierten gibt es erhebliche Diskrepanzen zwischen den Geschlechtern: Während eine weibliche wissenschaftliche Lehrkraft bloß 38.600 Euro verdient, sind es durchschnittlich beim männlichen Kollegen 50.490 (siehe Grafik).

Ein (natur-)wissenschaftliches Studium macht sich also in aller Regel bezahlt _ auch und zumal für männliche Wissenschaftler in der Privatwirtschaft. Entsprechend wenig Anreize gibt es, an die Universität zurückzukehren, selbst in der Rolle als Universitätsprofessor. Zwar sieht das zurzeit gültige Übergangsdienstrecht eine Aufweichung der bislang starren Professorengehälter vor. Der Verhandlungsspielraum, der bis zu einem Jahresgehalt von 140.970,80 Euro reicht, hilft aber auch nicht wirklich, wie Gert Michael Stein, Vorsitzender des Betriebsrats für das wissenschaftliche Universitätspersonal, meint. Denn zum einen ist der Verhandlungsspielraum der Rektoren durch ihre knappen Budgets beschränkt. Und zum anderen inkludieren die Zahlen noch keine Pensionsvorsorge, weshalb etliche "Berufene" kurzfristig doch wieder abgesagt hätten, so Stein.

Als unerreichtes Vorbild gelten auch in puncto Einkommen die US-Eliteuniversitäten. Haben österreichische Wissenschaftler dort erst einmal Fuß gefasst, fällt die Rückkehr in die Heimat umso schwerer. In Harvard beispielsweise, also an der Spitze der Universitätshierarchie, verdient man als Assistant Professor 90.000 bis 110.000 US-Dollar, als Associate Professor 150.000 bis 200.000 US-Dollar und als Full Professor mehr als 200.000 US-Dollar.

Die in Harvard tätige und aus Wien kommende Krebsforscherin Eva Schernhammer findet freilich, dass es vor allem eine Prestigesache sei, hier zu sein. "Viele kommen für ein paar Jahre nach Harvard, um sich danach woanders zu positionieren, wo sie noch mehr verdienen können." Bei den Top-Ten-Universitäten in den USA seien die Gehaltsunterschiede gering, ergänzt der Genetiker Peter Oefner, der seit 1992 in den USA lebt und zurzeit am Stanford Genome Technology Center forscht. In Stanford würde ein Lehrstuhlinhaber rund 170.000 US-Dollar jährlich verdienen - rund das Doppelte von dem, was ihm kürzlich für eine Professur in Regensburg angeboten wurde.

Ein wesentlicher Bestandteil des Gesamteinkommens ist für viele Professoren in den USA allerdings die Beratungstätigkeit. Zwar verwenden auch einige österreichische Universitätsprofessoren ihr Hochschullehrergehalt allein dazu, die Steuern für ihre zusätzlichen Einnahmen durch Gutachten oder Ähnliches zu begleichen. In den USA sind diese Consultingtätigkeiten noch lukrativer, zugleich weiter verbreitet und offiziell stärker beschränkt - nämlich auf 20 Prozent der Dienstzeit.

Aber letztlich sei es gar nicht das verdiente Geld, das für ihn und die meisten anderen Wissenschaftler ausschlaggebend sei, bemüht sich Peter Oefner klarzustellen. "Die entscheidende Frage ist vielmehr, ob und wie gut ich an Geld für meine Forschung komme."

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