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Oliver Hochadel, Stefan Löffler und Klaus Taschwer | aus HEUREKA 3/05 vom 29.06.2005

Den Big Bang kann man sich neuerdings auch aus dem Netz herunterladen, jedenfalls das Echo des Urknalls. Auf der Audiodatei hört man ein mächtiges Summen und Grummeln. John Cramer hat die Schallwellen des Urknalls dankenswerterweise rekonstruiert. Sie würden dem Lärm eines Düsenjets gleichen, der in 300 Meter Höhe über ein Haus hinwegdonnert, erklärte der US-Physiker dem "New Scientist". Anschauen kann man sich den Urknall übrigens auch, in jedem Wohnzimmer: Ein Prozent des Rauschens eines nicht richtig eingestellten Fernsehers rührt vom Anfang aller Dinge her.

Die "Sehnsucht nach dem Ursprung" ist für den Religionsphilosophen Mircea Eliade eine universelle Konstante menschlichen Lebens. Gleich ob antike Hochkultur, indigenes Volk oder moderne Industrienation - jede Gesellschaft entwickelt und tradiert Vorstellungen, wie die Welt und die Menschen geschaffen wurden. "Bei den Sumerern wäre ich vielleicht ein Priester gewesen, der den Menschen im Tempel etwas über den Ursprung der Welt sagt", scherzt der Paläoanthropologe Jean-Jacques Hublin im "heureka"-Interview. Heute bezahle man Wissenschaftler dafür, dass sie das neugierige Publikum über die eigene Herkunft informieren.

In der Tat: Technologisch oder wirtschaftlich lassen sich die Forschungen zu Urknall, -suppe und -mensch kaum verwerten, ihre Legitimation beziehen die Anfangswissenschaften allein als Lieferant von Antworten auf die "letzten Fragen". Dem "Echo" des Big Bang wird mit raffinierten Apparaturen nachgehorcht, die Paläoanthropologen schieben ihre Millionen Jahre alten hominiden Fossilien in Computertomografen und unter Rastertunnelmikroskope, um unseren Stammbaum zu rekonstruieren. Die sogenannten historischen Naturwissenschaften arbeiten also mit den Methoden der "hard sciences" und haben doch ihre softe Seite. Anfangsforschung kommt ohne Spekulationen und Vermutungen nicht aus, und bei dermaßen aufgeladenen Themen fließt auch immer ein Stück Ideologie mit ein. Die Wissenschaftler wissen das. "Es ist ja keiner dabei gewesen", lautet ein Kalauer der Paläoanthropologenzunft, wenn sie den Geltungsanspruch ihren eigenen Hypothesen zu relativieren suchen. Ein einzelner Fund oder eine neue Datierung kann ganze Theoriegebäude zum Einsturz bringen. Auch bei den "Anfängen der Österreicher" war kein Historiker oder Anthropologe des 20. Jahrhunderts dabei. Trotzdem haben sie bei der Konstruktion "rassischer" und ethnischer Identitäten fleißig mitgemischt. In Kärnten wirkt dies bis heute nach und ist dem Abgrenzungsbedürfnis gegenüber den "Slawen" geschuldet.

Das "heureka"-Team hat sich bei dieser Ausgabe mit zwei Teilnehmern von SciMedia, dem Universitätslehrgang für Wissenschaftskommunikation, verstärkt, die jeweils ihre eigene Expertise einbrachten. Thomas Mündle stattete der Chemie an der Universität Innsbruck einen Besuch ab, wo er selbst vor Jahren Hörsäle und Labors frequentierte. Diesmal sah er sich dort Versuche zur Simulation der Ursuppe an. Die Biografieforscherin Nikola Langreiter wiederum fragte fünf österreichische Wissenschaftler, wie sie die ersten Sprossen der Karriereleiter erklommen haben. So viel Anfang war nie. Einen guten Start in die Sommerferien wünschen

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