Bücher-Glauben

aus HEUREKA 4/05 vom 23.11.2005

Meditierende Mönche. Religion ist in den letzten Jahren für ganz unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu einem Thema geworden: Für die Ethnologie ebenso wie für die Politikwissenschaft oder die Hirnforschung. Für den neurowissenschaftlichen Zugang interessiert sich nicht nur der Dalai Lama (siehe S. 3ff.), sondern auch der deutsche Wissenschaftsjournalist Martin Urban, der mehr als dreißig Jahre lang das Wissenschaftsressort der "Süddeutschen Zeitung" leitete. Der Sohn eines Theologen fasst in "Warum der Mensch glaubt" (Eichborn Berlin, e 20,50) aber nicht nur die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung zusammen, die den Spuren des Religiösen im Kopf nachgegangen ist. Der studierte Naturwissenschaftler lässt zudem jüngere Erkenntnisse der Evolutionsbiologie, der Psychologie, aber auch der Theologie mit einfließen. So erfährt man also auf gründlich recherchierte, klug bebilderte und kurzweilig erzählte Weise, was sich tatsächlich in den Hirnen meditierender Mönche abspielt (ihre grauen Zellen "vibrieren" im Takt von sogenannten Gammawellen, die hochfrequent sind), was unser Gottesbild mit der Evolution zu tun hat oder warum nur ein Drittel der Deutschen an die Existenz von Engeln glaubt, aber die Hälfte an Schutzengel.

Engelsstudien. Um die geflügelten Himmelswesen geht es auch in der Fragment gebliebenen Studie "Wo Engel zögern" (Suhrkamp stw, e 12,40) von Gregory Bateson, die mit rund 25-jähriger Verspätung nun endlich erschien. Der in einer atheistischen Familie aufgewachsene Systemdenker und Ökologe, der 1980 starb, erkannte erst in seinen späteren Lebensjahren die Bedeutung der Spiritualität für seine ganzheitlichen Konzepte und versuchte, das "Heilige" epistemologisch zu fassen. Doch selbst die im Band abgedruckten Gespräche mit seiner Tochter Mary Catherine, die zugleich auch als Co-Autorin fungiert, lassen die Engel nicht wirklich plastischer werden. Dafür geht es in den mitunter auch recht unterhaltsamen Texten buchstäblich und kunterbunt um Gott und die Welt.

"Religion in Austria" behandelt der aktuelle 13. Band der Contemporary Austrian Studies (Studien Verlag, e 29,-), der diesmal von den österreichischen Sozialwissenschaftlern Günter Bischof, Anton Pelinka und Hermann Denz herausgegeben wurde. Aus politikwissenschaftlicher und historiografischer Perspektive - und auf Englisch - werden unter anderem der politische Katholizismus in Österreich, das Verhältnis zwischen den politischen Parteien und der Religion sowie die Rolle des Islam in Österreich beleuchtet. So erfährt man unter anderem, dass es in Österreich nach der letzten Volkszählung 2001 immerhin noch 5.915.421 bekennende Katholiken gab. Oder dass der Anteil der Atheisten mit steigendem Bildungsgrad zunimmt und bei den Akademikern mit 18 Prozent (im Jahr 2000) am höchsten ist. K. T.

Eine umfangreichere Bücherliste sowie Links zu den Artikeln finden Sie unter www.falter.at/heureka

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