Zu Ende gedacht

aus HEUREKA 1/06 vom 02.11.2006

18 letzte Fragen an Reinhart von Gutzeit, Rektor der Universität Mozarteum Salzburg

Musik an einer Universität steht für ...

uns am Mozarteum natürlich für das Kerngeschäft!

Das Mozartjahr bedeutet für mich ...

ziemlich unerwartet ein neues Amt und das ausgerechnet mit dem größtmöglichen Mozart-Bezug!

Selbst musiziere ich ...

leider viel zu wenig. Meine Hauptinstrumente Geige und Bratsche reagieren leider grundsätzlich verschnupft, wenn man nicht mehr zum Üben kommt.

Musik höre ich am liebsten ...

wenn sie ohne Eitelkeit lebendig und mit wachem Geist dargeboten wird.

Mein letztes Konzert ...

war gestern Abend, und genau von dieser Art - gespielt von einem internationalen Studentenorchester.

Die Zeit meines Studiums ...

habe ich als eine große Befreiung erlebt und mit Vergnügen beobachtet, wie sich Unis und Gesellschaft in dieser Zeit ("68er") erneuert haben.

Mein größter universitärer Erfolg ...

war in Linz die Umwandlung des Bruckner-Konservatoriums in eine innovationsfreudige Privatuniversität.

Am meisten ärgere ich mich ...

über Menschen, die sich auf die Sammlung von Gründen spezialisieren, warum alles "nicht" geht.

Besonders stolz macht mich ...

der Gedanke, dass unsere Studierenden aus etwa sechzig Nationen ein weltumspannendes virtuelles Mozarteum-Netzwerk darstellen.

Mein schlimmster Irrtum ...

ist seit dreißig Jahren die Vermutung, dass nach der Erledigung einiger dringlicher Aufgaben etwas ruhigere Zeiten kommen werden.

Sorge macht mir ...

dass wir am Mozarteum in manchen Bereichen einfach zu wenig höchstqualifizierten einheimischen Nachwuchs haben.

Wissenschaftler sind Menschen ...

die genauso wie die Künstler einen unglaublich langen Atem brauchen, weil sie vielleicht Jahre für die Erreichung eines Zieles verwenden, dessen Bedeutsamkeit anderen Menschen vielleicht nur schwer erklärt werden kann.

Als Wissenschaftsminister ...

würde ich die klügsten Köpfe des Landes zusammenrufen und sie bitten, genauestens durchzudenken, wie man die aus der Wirtschaft übernommenen Steuerungsinstrumente so modifizieren kann, dass sie dem Wesen der wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeit näherkommen.

Ich frage mich manchmal ...

wie die Menschen früher ihrer Mitwelt bekannt gemacht haben, dass sie gerade im Zug sitzen und zurzeit zwölf Minuten Verspätung haben.

Am meisten verabscheue ich ...

Jogurt und die Verfasser anonymer Nachrichten.

Auf meinem Nachtkästchen liegt ...

ein Stapel der letzten Ausgaben der "Zeit", weil ich einige interessant erscheinende Artikel noch lesen möchte. Der Stapel wächst und wächst, bis er wegen Aussichtslosigkeit entsorgt wird und das Spiel von vorne beginnt.

Wenn ich mehr Zeit hätte ...

hätte ich auch nicht mehr Zeit. Ich würde sofort etwas entdecken, von dem ich glaube, dass man es unbedingt machen sollte.

Ich habe den Traum, dass ...

die Beschäftigung mit Kunst für viel mehr Menschen bedeutungsvoll wird.

Reinhart von Gutzeit hat in Deutschland Musikpädagogik und Germanistik studiert, spielt Geige und Bratsche und war von 1995 an Direktor des Linzer Bruckner-Konservatoriums. Seit 1. Oktober dieses Jahres ist der 59-Jährige Rektor des Mozarteums.

Universität Mozarteum

Geschichte, Zahlen, Fakten. Seit seiner Gründung 1841 hat das Mozarteum ein halbes Dutzend verschiedene Namen getragen. Was als Musikschule begann, heißt seit 1998 Universität Mozarteum Salzburg. Studieren kann man dort beileibe nicht nur Instrumente, Gesang, Komposition und Dirigieren, sondern auch Schauspiel, Regie, Musik-und Tanzpädagogik, Musikwissenschaft und vieles mehr, insgesamt über dreißig künstlerische Fächer.

Die gut vernetzte Kunstuniversität ist vielleicht die "internationalste" in ganz Österreich. Von den über 1500 Studierenden, die von etwa 400 Lehrenden unterrichtet werden, kommen knapp sechzig Prozent aus dem Ausland und zwar aus über fünfzig Ländern. An berühmten Lehrern und Schülern herrscht kein Mangel, darunter auch die Studienabbrecher Herbert von Karajan und Thomas Bernhard.

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