FameLab Wissenschaftskabarett playDECIDE Wahr/Falsch Inc.

aus HEUREKA 1/07 vom 28.03.2007

Science-Starmania. Ohne Requisiten (außer dem, was er tragen kann) und in drei Minuten muss ein Wissenschaftler (Höchstalter 35 Jahre) der Jury sein Forschungsfeld, gleich ob Materialphysik oder Molekularbiologie, auf unterhaltsame und verständliche Weise nahebringen. Als Preis winkt kein Plattenvertrag, sondern ein Medientraining, gefolgt von der Teilnahme am öffentlichen Finale (21.4. im Technischen Museum Wien). Der Sieger fährt dann zum Science-Festival ins englische Cheltenham, wo in einer Art Science-Eurovision zehn Nationen um die Wette popularisieren.

Ob bei FameLab die "Eventisierung" der Wissenschaft auf die banale Spitze getrieben oder mit einem zeitgenössischen Format eine Galionsfigur geschaffen wird, die Jugendliche für Forschung zu begeistern vermag, bleibt abzuwarten. Fest steht schon jetzt: Die Geisteswissenschaften bleiben - wie bei sehr vielen der neuen Formate - wieder einmal außen vor.

Prädikat: marktschreierisch

www.famelab.at

Gänsefettnapf. Kabarett und Wissenschaft - geht das zusammen? Bedingt, wie der bislang letzte Auftritt von Werner Gruber, Heinz Oberhummer und Martin Puntigam zeigte, der unter dem Titel "How Gänsefett saved my life" stand. Die Dialoge sind durchaus witzig, und auch die Videoclips und Experimente heiligen den Zweck, Wissenschaft poppig zu vermitteln.

Nervtötend ist aber, wie schamlos und schlampig der Maxime "Die Wissenschaft hat immer Recht" gehuldigt wird. Insbesondere Werner Gruber inszeniert sich als die autoritative Stimme der Wissenschaft, gibt aber oft nur Halbwahrheiten von sich. Dass Gänsefett gar so gesund ist, wie der Titel des Programms und Grubers Elogen nahelegten, stimmt eher nur bedingt. Der vom Physikmagister hochgelobte Zimt kann bei entsprechender Cumarinkonzentration sogar gefährlich sein. Dass er, wie von Gruber behauptet, bei Diabetes mellitus wirksam ist, hat die Forschung auch noch nicht beweisen können. Da kann einem das Lachen im Halse stecken bleiben.

Prädikat: halblustig

www.scienceinfilm.net

Ein Spiel? Würfel oder Figuren gibt es bei playDECIDE (DElibarative CItizen DEbate) keine, dafür Info-und Themenkarten, mit deren Hilfe man mit seinen bis zu sieben Mitspielern ins Gespräch kommt. Dürfen Medikamente zur Leistungssteigerung eingesetzt werden? Gegen Depressionen oder gar kriminelle Anlagen? Auch andere heikle Themen wie Stammzellenforschung, Nanotechnologie oder Xenotransplantation sind im Angebot.

Die Spieler können anwesende Experten befragen und eigene Thesen formulieren. Letztlich ist dieses EU-Projekt eine Art Bürgerkonferenz in einem lockereren Rahmen. Ob die Ergebnisse auf EU-Ebene in irgendeiner Form aufgegriffen werden, ist noch offen.

Unterm Strich: Partizipation zu fördern ist gut. Aber das Bemühte abzustreifen nicht leicht.

Prädikat: angestrengt

www.playdecide.org

Hochschwellig. Ein Stand am Viktor-Adler-Markt, ein Container auf dem Karlsplatz, ein Gassenlokal in der Praterstraße. An insgesamt elf Orten in ganz Wien war im Frühsommer letzten Jahres Wahr/Falsch Inc. präsent. Mitten im Leben - so der Anspruch. Der Pferdefuß: hochschwellig und zum Teil mehr Forschungsprojekt als Ausstellung: Klug und kreativ auf der inhaltlichen Ebene, haperte es an der Vermittlung. Die verstreuten Stationen kosteten zu viel Zeit, ein zentraler Ort wäre besser gewesen. Und die komplexen Themen wurden zu wenig heruntergebrochen. Die Station zu Gendoping war eine intelligente bunte Bleiwüste. Die Esstagebücher waren beeindruckend, wenn man sich die Mühe machte, Dutzende von handgeschriebenen Heften durchzusehen.

Dass unter den Asylbewerbern viele gut ausgebildete Wissenschaftler sind, die aufgrund ihres Status hierzulande aber nicht arbeiten dürfen, war ein Eye-Opener.

Prädikat: zu anspruchsvoll

www.wahrfalsch.com

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