Aus für den Traum der Galerie

aus HEUREKA 1/07 vom 28.03.2007

1996 Im Vorfeld des 150-Jahr-Jubiläums der Akademie der Wissenschaften (1997) überlegt deren Präsident Werner Welzig erstmals laut den Plan für eine "Galerie der Forschung". Darin sollen die Leistungen der österreichischen Wissenschaft in Vergangenheit und Gegenwart gewürdigt werden. Als Ort für die Ausstellung wird die damals leerstehende und völlig heruntergekommene Alte Aula der Wiener Universität ins Auge gefasst, die zwischen Wollzeile und Bäckerstraße in der Wiener Innenstadt gelegen ist.

Mai 1998 Auf einer Pressekonferenz kündigt Werner Welzig die Eröffnung der Galerie für Herbst 1999 an. Auch heureka (3/98) berichtet hoffnungsfroh.

2000 bis 2003 Im Hickhack zwischen Akademie, Architekt und Ministerien - wie immer geht es ums Geld, kolportierte Kosten für die Renovierung: elf Millionen Euro - können die Umbauarbeiten der insgesamt 3600 Quadratmeter umfassenden Fläche inklusive eines großen Theatersaals aus dem Barock erst im September 2003 beginnen. Welzigs Konzept, die Leistungen der Akademie über die Leistungen prominenter Mitglieder zu vermitteln, stößt unter anderem in heureka (5/00) auf Kritik.

Ende 2003 Auf die internationale Ausschreibung des Direktorspostens bewerben sich über 140 Personen. Die inhaltliche Konzeption verschiebt sich: Neben Erfolgen sollen auch Irrwege der Wissenschaft thematisiert werden.

Oktober 2004 Die bulgarische Wissenschaftsforscherin Albena Yaneva wird als neue Direktorin der Galerie der Öffentlichkeit präsentiert. Die Akademie verspricht, dass die Galerie am 26. Oktober 2006 eröffnet wird: als "Geschenk an die Republik".

Jänner 2005 "Mapping Controversies" heißt der erste "exklusive" Galerie-Event, er experimentiert mit neuen Formen der "visuellen Publikation". Die anwesenden Journalisten sind nicht angetan: Die Presse findet den Event "merkwürdig" und spürt "Verlegenheit". Selbst die APA kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: Yanevas Ankündigung, das Hauptaugenmerk nicht auf "das Massenpublikum" zu legen, "wird jedenfalls erfüllt werden".

Herbst 2005 Die Akademie lehnt auf Vorschlag einer eigens eingesetzten Expertengruppe das von Yaneva vorgelegte Konzept vollinhaltlich - also sowohl den Businessplan wie auch die inhaltliche Ausrichtung und die Rechtskonstruktion - ab. Laut Wiener Zeitung ("Aus für Welzigs Traum") wären weitere elf Millionen Euro zur Realisierung nötig gewesen, vorhanden waren aber nur 300.000 Euro. Sieben Mitarbeiter werden gekündigt.

Herbst 2006 Albena Yaneva, an sich mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, geht als Lektorin an die Universität Manchester. In ihrem Lebenslauf bezeichnet sie sich als "Gründungsdirektorin der ,Galerie der Forschung'".

Februar 2007 Die Akademie erhält das Nutzungsrecht für die Alte Aula und kommt somit Begehrlichkeiten anderer Institutionen zuvor. Gut: Das Gebäude ist schön renoviert. Schlecht: Ein Konzept gibt es auch nach zehn Jahren nicht. Weder von Welzigs antiquierter Idee einer Galerie der großen Männer von Boltzmann bis Wittgenstein noch von Yanevas elitärem Dekonstruktivismus ist etwas übriggeblieben. Die Nutzung ist jetzt "offen". Der Name "Galerie der Forschung" wird nicht mehr geführt.

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