Nur Schwarzenegger kam nicht

Stefan Löffler | aus HEUREKA 1/07 vom 28.03.2007

Die Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science (AAAS) ist eine der wichtigsten Wissenschaftskonferenzen der Welt. Hier dreht sich alles um Kommunikation: zwischen Wissenschaftlern, mit den Medien - und mitunter gegen die Politik. Ein Lokalaugenschein in San Francisco.

Punkten mit Pointen. Der Professor aus Deutschland will seine Zuhörer aufrütteln. Bis San Francisco ist Hans Joachim Schellnhuber gereist, um "ein globales Manhattan Project für den Klimaschutz" zu fordern. Was passiert, wenn die Politik in den nächsten fünf Jahren nicht eine Kehrtwende schafft, zeigt er anhand eines Trickfilms. Als im Publikum Kichern ausbricht, punktet der Klimafolgenforscher mit dem Zwischenruf: "Lachen Sie nicht, Sie sehen das Ende der Welt." So locker geht es zu, wenn die Wissenschaft erklärt, was sie bereits getan hat oder noch tun kann, um die großen Weltprobleme zu lösen. Das ist auch ein Verdienst der American Association for the Advancement of Science (AAAS) oder, wie hier alle sagen, Triple A-S. Die Jahrestagung des Dachverbands, dem mehr als 260 Fachgesellschaften angehören, ist eine der größten Wissenschaftskonferenzen und kann mit einem globalen Medienecho rechnen. Kommunikation ist alles, gute Unterhaltung willkommen. Wer nur Recht haben will, schreibt lieber ein Paper und bleibt zuhause.

Mehr als 4000 Forscher, Studenten und Wissenschaftsmanager, 3000 interessierte Laien und Lehrer sowie 900 Journalisten hat es heuer zu der traditionell rund um den President Day (19. Februar) angesetzten Tagung gezogen. Das offizielle Programm verteilt sich über drei Hotels am Union Square in San Francisco. Bis zu drei Dutzend Meetings laufen parallel. Klassische Vorträge sind in der Minderheit. Überwiegend sind es Panels: Eine Handvoll Wissenschaftler tut sich zusammen. Nicht selten sind Wissenschaftsjournalisten mit am Tisch, um über ein Sammelthema zu sprechen - oftmals quer durch mehrere Disziplinen. Vereinzelt hält jemand die gleiche Präsentation wie kürzlich unter Fachkollegen.

Faseln verboten. Den allermeisten ist klar, dass sie allenfalls ein paar Powerpointfolien recyceln dürfen, wenn sie von diesem weniger spezialisierten Publikum noch verstanden werden wollen. Und hey, das sind die USA: Schwurbelnde Professoren, die kraft ihres Titels Gehör reklamieren, haben keine Chance. Respekt kriegen nur die, die auch wirklich überzeugen können. Und wer sich beim Nachnamen anspricht, ist als Europäer enttarnt.

Neben den Vorträgen und Panels laufen Workshops, von Bewerbungstraining für Doktoranden bis Storytelling. Fachgruppen nutzen die Tagung, um sich zusammenzusetzen. Funktionäre geben einander Empfänge. Preise werden zelebriert. Es gibt eine Wissenschaftsmesse und eine Halle eigens für Familien: Zwischen Kindermuseen, Schülerlabors und Anbietern von Wissenschaftscamps tritt dort der Roboterhund "Billinda" auf, oder die "Mythbuster" Jamie Hyneman und Adam Savage nehmen, wie in der gleichnamigen Kindersendung, Legenden auseinander.

Das besondere Kalkül hinter dem bunten Treiben gilt den Medien. Eine Pressekonferenz jagt die andere. Die meisten Pressemitteilungen sind bedeutungsschwer mit einer Frist belegt, vor der nicht berichtet werden darf. Dabei hat die Tagung nicht mehr den Nachrichtenwert wie in den Achtzigerjahren. Die Zeiten, in denen Wissenschaftler besondere Funde reservierten, um sie bei diesem Anlass bekanntzugeben, sind vorbei, zumal sich Fachjournalisten mittlerweile auf die großen Fachkonferenzen konzentrieren.

Bush-Bashing. Dafür ist die "Triple A-S" politischer geworden. Voriges Jahr in St. Louis war die ignorante bis wissenschaftsfeindliche Haltung der Bush-Regierung Thema Nummer eins. Was nächstes Jahr in Boston Schwerpunkt sein wird, entscheidet traditionellerweise der kommende AAAS-Präsident, in diesem Fall der Mikrobiologe und Medizin-Nobelpreisträger David Baltimore, erklärt Earl Lane, Kommunikationsdirektor der AAAS.

Heuer wurden die Sorge um den Klimawandel und die wissenschaftliche Basis konkreter Gegenmaßnahmen betont. Doch das reichte diesmal nicht, den durch seine für US-Verhältnisse umweltfreundliche Energiepolitik profilierten kalifornischen Gouverneur zum Stelldichein mit den Geistesgrößen zu locken. "Vielleicht nimmt Gouverneur Schwarzenegger wegen seines Skiunfalls derzeit weniger Termine wahr", meint Lane mit gequältem Lächeln.

So kam der prominenteste Gast der Tagung heuer aus dem nahen Silicon Valley: Larry Page, der Gründer von Google, rief die Wissenschaftler dazu auf, ihre Forschung noch stärker ins Netz zu stellen und sich noch aggressiver zu vermarkten.

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