Die kleine Schwester

aus HEUREKA 1/07 vom 28.03.2007

Um den Faktor fünf kleiner als das diesjährige Triple-A-S-Meeting war das Euro Science Open Forum vorigen Juli in München. Aber das war schon ein großer Fortschritt gegenüber der ersten Auflage 2004 in Stockholm, als vor allem ältere Herren die Szenerie bestimmten. Wohl auch dank reduzierter Teilnahmegebühren stimmte in München die Mischung, sowohl das Alter als auch das Geschlecht betreffend, perfekt.

Exportschlager. Nach dem Motto "Lieber eine gute Kopie als eine schlechte Eigenkonstruktion" wurde das Vorbild nachgebaut. Die AAAS stand mit Rat und Auskünften zur Seite. Abgesehen davon, dass das meiste in München in schlechtem Englisch über die Bühne ging, signifikant mehr Vortragende unfähig waren, sich verständlich zu machen, und mehr Papier von Forschungsbürokraten vorzugsweise Brüsseler Herkunft auflag, konnte sich die ESOF durchaus mit ihrem US-amerikanischen Vorbild vergleichen lassen.

Jenseits des Kernprogramms ist die europäische Ausgabe sogar kreativer: Im "Science-Biergarten" durften Studenten Starforscher mit Fragen löchern. Ein Panel über innovative Verkehrstechnik wurde passenderweise in einen Flugzeugrumpf verlegt. Zum Abschluss jedes Tages nahm BBC-Moderator Quentin Cooper ausgewählte Panelisten im Wissenschaftstalk hoch. Mobile Mitmachausstellungen, etwa mit streng wissenschaftlichen Videospielen, wurden eigens nach München kutschiert. Auf einer Theaterbühne wurde Quantenphysik in Szene gesetzt.

Gewöhnungsbedürftig. Die Lust auf neue Formate ist typisch für den Mann, der in München die Fäden zog. Der Physiker Wolfgang Heckl, Träger des deutschen Communicator-Preises, hatte kurz zuvor als Quereinsteiger die Leitung des Deutschen Museums, des größten naturwissenschaftlich-technischen Museums der Welt, übernommen. Heckl stand selbst noch am Anfang seiner Karriere, als er 1989 in die USA flog, um ein AAAS-Meeting zu besuchen. "So etwas brauchen wir in Europa auch", sagte er sich und war weder der Erste noch der Letzte, der so dachte.

"Früher war die Triple A-S der Ort, an dem sich die deutschen Wissenschaftsjournalisten einmal im Jahr trafen", erinnert sich Holger Wormer, früher Redakteur der Süddeutschen Zeitung und heute Professor für Wissenschaftsjournalismus in Dortmund. Die ESOF habe in den Medien auf Anhieb Akzeptanz gefunden, dagegen lasse sie bei den Wissenschaftlern noch zu wünschen übrig. Was daran liege, mutmaßt Wormer, dass sie es nicht so gewohnt sind wie ihre amerikanischen Kollegen, ihre Forschung vor einem breiteren Publikum zu verkaufen. Oder sagen wir: noch nicht.

Die dritte ESOF findet im Juli 2008 in Barcelona statt.

www.euroscience.org

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